Dienstag 07.07.15, 10:48 Uhr
update:

Theologie als Wissenschaft?

Die Ruhr-Uni klärt z. Z. mit einem Plakat darüber auf, dass Theologie mit Vernunft und Wissenschaft nichts zu tun hat. Das ist gut so. Denn wenn jemand fordern würde, dass es an der Universität Fakultäten für sozialdemokratische Politik, für christdemokratische Politik, für sozialistische Politik und grüne Politik geben soll, würde die Person müde belächelt. Dass an der Universität Fakultäten für ev. Theologie und kath. Theologie existieren, wird dagegen weitgehend akzeptiert. Die Hochschullehrenden werden im Einvernehmen jeweils mit den beiden Großkirchen berufen. Wenn die Kirchen ProfessorInnen ihrer Fakultät die Lehrerlaubnis entziehen, müssen sie ihren Lehrstuhl aufgeben. Das Land muss sie weiter besolden. Wenn die Parteien in der Politologie oder Wirtschaft und Gewerkschaften bei den Wirtschaftswissenschaften eine solche Einflussnahme beanspruchten, würde das als Skandal gebrandmarkt.

Rational orientierte Menschen bezweifeln, dass selbst eine überkonfessionelle Theologie irgendetwas mit Wissenschaft zu tun hat. Verglichen mit der Astrologie ist Theologie z. B. völlig unsystematisch und interessiert weniger Menschen als die Horoskop-LeserInnen. Für diesen Unsinn gibt es keine Fakultäten. Und wenn TheologInnen ihre Verkündigung “Höher als alle Vernunft” ansiedeln, dann sollten sie bedenken, dass selbst der Vatikan 1992 Galileo Galilei rehabilitierte und damit einräumte, dass die Erde keine Scheibe ist. Aus einer rational orientierte Perspektive ist Vernunft in der Theologie daher unterirdisch angesiedelt.
update: Einer unser Lieblingsleser weist zurecht darauf hin, dass das schöne Bild von der Erde als Scheibe und von höher und unterirdisch nicht mit Galileo Galilei in Zusammenhang gebracht werden darf: »Galileo hatte Ärger mit dem Klerus bekommen, weil er das heliozentrische Weltbild des Nikolaus Kopernikus durch Beobachtung mit einem selbstgebauten Teleskop bestätigte. Damit geriet er in Widerspruch zum von der Una Sancta vertretenen Ptolemäischen Weltbild. Es geht also darum, dass die Erde sich um die Sonne dreht, nicht darum, dass sie eine am oben und unteren Ende leicht abgeflachte Kugel ist. Was die Erde=Scheibe-These betrifft, so basiert sie auf einem Mythos: “It must first be reiterated that with extraordinary few exceptions no educated person in the history of Western Civilization from the third century B.C. onward believed that the earth was flat.” http://www.asa3.org/ASA/topics/history/1997Russell.html«

2 LeserInnenbriefe zu "Theologie als Wissenschaft?" vorhanden:

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9. Jul. 2015, 19:12 Uhr

LeserInnenbrief von peter nöbauer:

Ich frage mich, was diese Hetze, die mit dem gezeigten Plakat überhaupt nichts zu tun hat, auf einer informationsverpflichteten Website soll – auch angesichts der wohlwollenden Stellungnahmen gegenüber den Atheisten im Ruhrgebiet, die hier regelmäßig verbreitet werden — und ach ja – die Ewiggestrigen von der DKP mit ihrer sog. “Wissenschaftlichen” Weltanschauung sind hier ja auch stets wohlwollend angeführt. Man merkt die Absicht und ist verstimmt (für die Ungebildeten: Goethe).
Mal sehen, ob die Toleranz wenigstens so weit geht, dass dieser Einspruch veröffentlicht wird…. Im übrigen empfehle ich das ein- oder andere Proseminar zur Wissenschaftstheorie. Bildung hat noch nie geschadet.


 

9. Jul. 2015, 21:56 Uhr

LeserInnenbrief von Birgit:

Für Ungebildete: Der Duden definiert Hetze folgendermaßen: “Gesamtheit unsachlicher, gehässiger, verleumderischer, verunglimpfender Äußerungen und Handlungen, die Hassgefühle, feindselige Stimmungen und Emotionen gegen jemanden, etwas erzeugen”.
Man muss schon ziemlich religiös verbohrt sein, um diesen Beitrag als Hetze zu bezeichnen. Die Uni veröffentlicht ein Plakat, mit dem sie für eine religiöse Veranstaltung wirbt unter dem Motto “Höher als alle Vernunft”. Schlimmer kann sich eine wissenschaftliche Einrichtung kaum verleugnen. Wenn dann in einem Beitrag thematisiert wird, wie augenscheinlich lächerlich es ist, dass ev. und kath. Kirche auch noch zwei Fakultäten beanspruchen und Wissenschaften sein wollen, dann ist dies im Sinne von Goethe beste Aufklärung: “Er ist ein heller Geist und also ungläubig.” (Goethe, Wilhelm Meisters Wanderjahre III, 15)
Ich fand auch das Vorführen der DKP mit ihrer Heroisierung des bewaffneten Friedensdienstes in der DDR auf dieser Webseite sehr gelungen. Die dogmatischen K-Gruppen (Kirche und DKP) müssen für eine Webseite, die sich alternativ nennt, einfach immer wieder Gegenstand von aufklärerischen Meldungen wie dieser sein.


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