Rede am 8. Mai 2015 auf dem Friedhof am Freigrafendamm
Samstag 09.05.15, 11:54 Uhr

Isabell Traude und Marco Wahl, DGB-Jugend

Vorwärts Erinnern

Marco Wahl:
Wir haben heute, zum 70. Jahrestag der Befreiung vom Nationalsozialismus verschiedenen Opfergruppen und denjenigen, die Widerstand leisten gedacht. Das ist richtig und wichtig. Der Nationalsozialismus ist von Deutschland ausgegangen und hat unendliches Leid über Europa gebracht. Der Holocaust an den europäischen Juden, der Porajimos an den Sinti und Roma, der massenhafte Mord an sowjetischen Kriegsgefangenen, die Verbrechen gegen die Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern, und die zahllosen Kriegsverbrechen gegenüber der Zivilbevölkerung in den besetzen Gebieten Europas. Daran müssen auch wir als junge Generation gedenken. Wir haben daran keine Schuld. Aber wir haben eine Verantwortung dafür, dass so etwas nie wieder sei, dass sich nichts ähnliches wiederhole.

Isabell Traude:
Wir leben in einer Zeit, in der man sich fragt, ob die Lehren aus dem Nationalsozialismus wirklich gezogen worden sind. Pegida gewinnt in Dresden tausende von Anhängerinnen und Anhängern mit rassistischen Parolen und Hetze gegen Flüchtlingen. Die Alternative für Deutschland wäre mit solchen platten Parolen sogar fast in den Bundestag eingezogen. Ihre Hetze basiert auf der gleichen Rassenlehre, die auch die Nationalsozialisten zur Rechtfertigung ihres menschenverachtenden Handelns genutzt haben. Wer Menschen in angebliche Rassen einteilt, teilt Menschen immer in Wertvoll und Unwertvoll ein.
Die Konsequenzen diesen Denkens kennen wir.

Viele derjenigen Sozialdemokraten, Kommunisten, Christen und viele andere, die gegen den Nationalsozialismus Widerstand geleistet haben, haben Zuflucht in anderen Ländern gefunden und konnten so ihr Leben retten. Die Konsequenz müsste sein, dass wir heute Menschen, die vor Krieg, Folter und Hunger fliehen aufnehmen und ihnen hier ein menschenwürdiges Dasein bieten. Stattdessen wird Europa zu einer Festung ausgebaut und das Mittelmeer ist mittlerweile die tödlichste Grenze der Welt. Tausende von Menschen sterben dort, weil Deutschland, weil die EU sich abschottet. Und wer es hierher schafft wird unter teilweise katastrophalen Bedingungen untergebracht und versorgt und es geht häufig nur darum, diese Menschen so schnell wie möglich wieder loszuwerden. Eine Willkommenskultur und ein menschenwürdiger Umgang sieht anders aus!

Marco Wahl:
Aber auch in der europäischen Politik scheinen die Lehren aus dem Nationalsozialismus in Vergessenheit zu geraten. Während sich Deutschland weigert Reparationen zu leisten und Kriegskredite zurückzuzahlen wird Griechenland aus Europa herausgedrängt, wird der integrative und friedensstiftende Charakter der europäischen Union in Frage gestellt.
Gleichzeitig tobt in der Ukraine im Moment ein offener Bürgerkrieg. Eine von EU und USA unterstützte Westukraine sowie eine von Russland geförderte Ostukraine kämpfen militärisch um die Macht in diesem Staat. Beide greifen dabei auch auf die Unterstützung von extrem Rechten Parteien und Bewegungen zurück.
Egal wie dieser Konflikt ausgeht, wer sich welche Gebiete letztendlich unter den Nagel reißen wird: Leidtragende dieses Bürgerkriegs ist die Zivilbevölkerung, sind die Menschen, die einfach in Ruhe arbeiten und gut leben wollen. Das wird man mit kriegerischen Mitteln nicht erreichen. Das sollte mit kriegerischen Mitteln aber auch noch nie erreicht werden.

Was Krieg aber immer mit sich bringt ist Tod, Leid, Zerstörung. Auch 70 Jahre nach der Befreiung vom Nationalsozialismus gilt:
Nie wieder Krieg.
Nie wieder Faschismus.

 
 
 
 


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