Montag 29.12.14, 16:14 Uhr
DGB fordert Aktionsprogramm für arme Familien

Jedes vierte Kind lebt von Hartz IV

Der DGB in der Region Ruhr Mark schreibt: »Regelmäßig wird die Armut von Kindern in Stadt und Land beklagt.  Der DGB hat eine aktuelle Übersicht über die Entwicklungen in den Städten und Kreisen erarbeitet. Dabei verweist er speziell auf die Datenlage in Bochum. Für DGB-Geschäftsführer Jochen Marquardt eine große Herausforderung, die aktiv bekämpft werden muss. „Bei uns in Bochum leben immer noch 10.577 Kinder in Hartz-IV-Verhältnissen. Dies sind 25,3 Prozent aller in Bochum lebenden Kinder unter 15 Jahren – jedes vierte Kind. Damit ist die Hartz-IV-Armut unter Kindern mehr als doppelt so stark verbreitet wie bei Menschen im Erwerbsalter. Dort ist „nur“ jede/r Achte auf Hartz IV angewiesen.“ Nach zehn Jahren Hartz IV ist die Armut von Kindern in Bochum nicht wirklich gesunken.
Die Zahl der Kinder im Hilfebezug ist von knapp 10.385 in 2006 zuerst stark angestiegen, verzeichnete in 2012 mit 10.153 einen Tiefstand, um dann wieder stark zu steigen.
Besonders kritisch ist, dass gerade Kinder meist lange auf Hartz-IV-Niveau leben müssen. Die Armutsforschung zeigt deutlich, dass längere Lebensphasen in Armut bei Kindern deren berufliche und persönliche Chancen im gesamten Leben nachhaltig schädigen. In Bochum sind 49,8% der erwerbsfähigen Hartz-IV-Bezieher/innen vier Jahre oder länger im Hilfebezug. Bei den 7- bis 14-Jährigen sind es hingegen 61,4%.
Deshalb fordert der DGB ein Aktionsprogramm gegen Kinder- und Familienarmut. Der Bund sollte die Hälfte seiner Mehreinnahmen infolge der Einführung des Mindestlohns für diesen Zweck aufwenden. Mit regionalen Netzwerken, auch bei uns in Bochum, sollte es dann unter Einschluss der Kommune, der Sozialpartner, Wohlfahrtspflege und Vereinen, umgesetzt werden. Ziel ist, dass kein Kind in einer Familie aufwächst, in der beide Eltern dauerhaft keiner Erwerbstätigkeit nachgehen oder an einer Fördermaßnahme teilnehmen. Bei Alleinerziehenden sollte zumindest eine sozialversicherte Teilzeitarbeit das Ziel sein. „Hartz IV darf nicht zum ‚Lebensstil´ werden oder gar vererbt werden, sondern sollte endlich zu dem werden, was ursprünglich politisch intendiert war: Hilfestellungen aus einer Hand zur Überwindung einer vorübergehenden Notlage“, so Marquardt.
In fast jedem dritten Hartz-IV-Haushalt in Bochum leben Kinder unter 15 Jahren und davon wiederum in jedem zweiten Haushalt nur 1 Kind.
Die Auseinandersetzung mit Kinderarmut gehört für den DGB auf einen der vorderen Plätze auf die Agenda des Jahres 2015. Es gilt mit aller Konsequenz und nachhaltig nach Lösungen zu suchen, die die Armut überwinden helfen und Rahmenbedingungen für ein gutes Leben in der Stadt sichern. Nicht nur die großen Probleme in der Gestaltung der Lebensbedingungen ist für die Gewerkschaften eine große Verantwortung der Politik. Für Jochen Marquardt muss sie durch vielfältige Maßnahmen angegangen werden. „Wo es arme Kinder gibt, gibt es auch arme Eltern. Wir benötigen Familienprogramme, die alle Facetten betrachten und dazu beitragen die Daseinsversorgung – und –vorsorge zu gewährleisten. Das betrifft nicht zuletzt auch die Chancengerechtigkeit und Zukunftsperspektiven in Bildung und bei Zugängen zu Kultur und guter Arbeit.“
Dazu fordert der DGB ein Umdenken in der Stadtpolitik, die nicht weiter kürzen dürfe sondern mit Konsequenz für die erforderlichen Einnahmeverbesserungen durch eine gerechte Steuerpolitik eintreten müsse.«

 
 
 
 


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