Sonntag 21.12.14, 13:15 Uhr

Eine Gefahr für uns alle

Über die Entwicklungen an der RUB und in der restlichen Gesellschaft

Die schwarze Ruhr-Uni schreibt:» Eigentlich äußern wir uns als antiparlamentarische Gruppe nicht zu Geschehnissen bezüglich Hochschulparlament und im ASTA. Auf Grund der Ereignisse in den letzten Wochen sehen wir uns aber zu einer Ausnahme gezwungen. Am Mittwochabend erhielten die meisten Student*innen eine Email in der die linken Listen der Uni diffamiert wurden. Dies entspricht immer noch der Logik parlamentarischer Machtkämpfe. Es stellt keine direkte Gefahr für Menschen dar. Wir äußern uns zu der Email, wegen dem “Outing” angeblicher linksradikaler Aktivist*innen. Über die Frage, ob die besagten Personen wirklich in linksradikalen Gruppen aktiv sind oder nicht, möchten wir hier nicht spekulieren. Dies ist aber auch unwichtig. Allein die Unterstellung sie wären es im Zusammenhang mit der Nennung ihrer Namen ist eine Gefährdung des Lebens und der Gesundheit dieser Personen.
Wenn nämlich Nazis diese Unterstellung als wahr bewerten und sich die Adressen und/oder Fotos der Betroffenen besorgen, dann sind diese Menschen eine starken Gefahr ausgesetzt angegriffen zu werden. Das ein Angriff von Nazis, Faschist*innen und anderen Rechten auch heißen kann das sie die Betroffenen ermorden sollte jeder*jeden angesichts der hunderten von Menschen, die in den letzten 20 Jahren von ihnen ermordet wurden, klar sein. Unsere Solidarität gilt daher den Betroffenen!

Haben die linken ASTEN/  Listen an der RUB linksradikalen Projekt unterstützt?
Über einer falsche Diskussion…
In der besagten Email wurde versucht die linken Listen damit anzugreifen, dass sie als sie am ASTA beteiligt waren linksradikale Strukturen unterstützt hätten.
Wir lehnen den ASTA als Institution, die Herrschaft über uns ausübt ab*. Student*innen sind gezwungen. “Beiträge” für ihr Studium zu zahlen. Dieses Geld wird dann teilweise vom ASTA verwaltet und vergeben. In unserer Gesellschaft besteht aber nicht nur der Zwang jedes Semester Geld an die Uni zu zahlen, wir sind allgemein gezwungen zu bezahlen oder zu tauschen um Güter oder Dienstleistungen zu Befriedigung unserer Bedürfnisse zu bekommen. Dies zwingt die Mehrheit der Menschen dazu ihre Arbeit zu verkaufen und ist Grundlage der kapitalistischen Ausbeutung. Anarchist*innen und auch viele Linksradikale wollen daher, dass Eigentum** abschaffen und eine Gesellschaft schaffen in der auf Basis unser Bedürfnisse und ohne Arbeitszwang produziert wird. Wenn also der ASTA linksradikale Projekte unterstützt, tut er gerade damit etwas gegen den Zwang den wir durch Geld und Eigentum ausgesetzt sind.

Radikal sein und dazu stehen
Wir als anarchistische Gruppe sind radikal. Wir wollen die Gesellschaft überwinden in der wir leben,
weil sie auf Ausbeutung und Unterdrückung beruht. Wir lehnen Staat, Kapitalismus, Parteien und vieles mehr ab, nicht weil wir Menschen hassen oder Chaos schaffen wollen, sonder weil jede*r Mensch und ihre*seine Freiheit für uns das Wichtigste ist, über dem nichts anderes steht. Herrschaft ist für uns immer ein Angriff auf das Recht jeder*jedes Menschen selbstbestimmt über ihr*sein Leben zu entscheiden. Gleichzeitig sind wir zornig und traurig darüber, dass Millionen verhungern während es genug Essen für alle gibt, Milliarden  arm sind, die Welt in der wir leben von unserem Wirtschaftssystem zerstört wird und vieles mehr. Dies verbindet uns als Anarchist*innen mit (anderen***) Linksradikalen. Angesichts der Lage unserer Welt sind nicht die Radikalen problematisch, sondern, diejenigen die die bestehende Herrschaft weiterhin unterstützen oder nur eine andere Form von Herrschaft anstreben wie autoritäre**** Linke, Rechte, Faschist*innen, Nationalsozialist*innen.  Lasst uns die Welt von der Wurzel an verändern!

Aktuelle Entwicklungen
In vielen Ländern Europas  sind Faschismus, Nationalismus und rechte, reaktionäre und menschenfeindliche Vorstellungen auf dem Vormarsch. Von Politiker*innen wird gegen Menschen gehetzt, die vor Armut, Gewalt und Zerstörung nach Europa fliehen, auf den Straßen demonstrieren Menschen gegen die „Islamisierung“ des „Abendlandes“ und die Anzahl von Anschlägen, Angriffen, Morden durch rechte Gruppen in Europa nimmt massiv zu.
Reaktionäre und rechte Einstellungen verbreiten sich auch an der Uni immer mehr.
Der Wahlsieg der bestehenden ASTA-Koalition und die Angriff auf Linke im Internet sind dabei  nur ein weiterer Schritt in einer besorgniserregenden Entwicklung.
In Anbetracht dieser Situation ist eine starke anarchistische/ radikale Bewegung sehr wichtig.
Wir müssen eine Alternative zum Bestehenden bieten und gleichzeitig gefährliche Entwicklungen bekämpfen. Erklären wir den anderen Menschen an der Uni, dass wir für eine Gesellschaft einstehen in der alle frei sind und tolerieren wir nicht die sich ausbreitende Menschenfeindlichkeit. Seinen wir solidarisch mit den Betroffenen rechter Angriffe und staatlicher Repression!  Schaffen wirklich Alternativen zu den Strukturen der Uni und des Staates, zu denen auch das STUPA und der ASTA gehören. Schaffen wir Freiräume und bauen eine echte Selbstverwaltung auf!
Es ist Zeit radikal zu sein!

*  Mehr dazu könnt ihr in unserer Broschüre Herrschaftsinstitution Hochschule lesen.
Die ihr auf unserem Blog findet: www.schwarzerub.blogsport.de
** Eigentum unterscheidet sich von Besitz, den Anarchist*innen nicht ablehnen.Besitz setzt eine Nutzung zur Befriedigung der eignen Bedürfnisse voraus.Ein Haus aus dessen Miete ich als Eigentümer Geld verdiene ist mein Eigentum.Wenn ich in dem Haus wohne und es somit benutzte, ist es mein Besitz.
*** Es gibt im Anarchismus eine Debatte, ob Anarchismus links ist oder nicht, weil der Begriff links aus dem Parlamentarismus kommt und Anarchist*innen Parlamentarismus ablehnen. Außerdem teilen nicht alle Linken grundlegende anarchistische Positionen wie zum Beispiel die Ablehnung von Staat und Parteien.
**** Autoritäre Linke sind diejenigen, die keine Überwindung der Herrschaft von unten anstreben, sondern eine Ergreifung/ Erlangung der (staatlichen) Macht anstreben, umvon oben den Kapitalismus abzuschaffen. Dies hat historisch nie funktioniert und zu Staaten wie der Sowjetunion, DDR oder Kuba  geführt, in denen Anarchist*innen häufig stärker verfolgt werden/ wurden als in den „demokratischen, westlichen“ Ländern.«

1 LeserInnenbrief zu "Eine Gefahr für uns alle" vorhanden:

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21. Dez. 2014, 18:16 Uhr

LeserInnenbrief von Norbert Hermann:

Danke an die Ideenwelt der Anarchie
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Das Erstarken und die zunehmende Verbreitung von Ideen aus und über die Anarchie im Ruhrgebiet in der letzten Zeit ist eine Bereicherung insbesondere auch für Bochum. Ich danke euch dafür.
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Eine Anmerkung erlaube ich mir zu eurem „Antiparlamentarismus“: grundsätzlich ist ja jede Ebene und Form des Kampfes erlaubt, sofern sie sachdienlich ist und sich nicht menschenverachtend auswirkt. In diesem Sinne mögen manche auch der Beteilung an Parlamenten etwas abgewinnen können. Es gehen ja auch den Idealen der Anarchie anhängende Menschen (z.B. aus dem Graswurzel-Umfeld) in Kirchen und Ashrams um zu beten. Dass muss mensch nicht verstehen können, aber wer will es ihnen verwehren?
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Frühneuzeitliche Vorformen der Parlamente waren auch „Räte“ und „Asambleas“. Sie degenerierten durch das Repräsentanz-Modell.
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Nicht vergessen werden darf aber, dass in der Geschichte Parlamente (und durch deren Verfassungsform legitimierte Institutionen) noch immer jegliche Schweinerei legitimiert haben. So gesehen ist natürlich jeglicher Beteiligung am Parlamentarismus mit Misstrauen zu begegnen.


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