Montag 20.10.14, 17:42 Uhr

Freie Kulturszene läutet die Glocke

Die Freie Bochumer Kulturszene hat mit einer  Aktion neben der Glocke vor dem Rat und damit auch gleichzeitig unter dem Fenster des Kulturdezernenten der Stadt Bochum auf ihre finanziell immer prekärer werdende Situation aufmerksam machen und die Kulturpolitik und –verwaltung dringend aufgefordert, sie in angemessener Art und Weise zu unterstützen. Aktuell sind die Einrichtungen und freien Gruppen von der pauschal erlassenen Haushaltssperre der Stadt massiv betroffen: Erst vor knapp drei Monaten wurden die institutionell gewährten Zuschüsse für das 2. Halbjahr 2014 um 10% gekürzt. Vor fünf Tagen wurden darauf noch einmal 10% aufgesattelt. Gerd Spiekermann vom Bahnhof Langendreer: «Insgesamt partizipiert die Freie Szene mit rd. 3,4% am Kulturetat der Stadt in Höhe von 51,5 Mio. € – mit den nun eingesparten 175.000 € wird der Gesamthaushalt der Stadt nicht zu sanieren sein.
In den Einrichtungen jedoch herrscht blankes Entsetzen: Langfristige vertragliche Verpflichtungen gegenüber Künstler/innen und Mitarbeiter/innen, Energiekosten, Mieten u.ä. können nicht mal eben, innerhalb von 10 Wochen bis zum Jahresende, reduziert werden. Kostenträchtige Streichung von Produktionen und Veranstaltungen, Kurzarbeit oder ein erhebliches Defizit am Ende des Jahres werden die Folge sein.
Darüber hinaus hat das Kulturbüro der Stadt darüber informiert, dass auch im Jahr 2015 mit einer 10%-igen Kürzung der Zuschüsse gerechnet werden muss.
Wir sagen ganz deutlich: damit sind die gewachsenen Strukturen im Bereich der Freien Kulturträger massiv in ihrem Bestand gefährdet. Dieser Verlust wäre dauerhaft, ohne dass ein nennenswerter Betrag zur Haushaltskonsolidierung dabei herausgekommen wäre.
Vor dem Hintergrund, dass die kommunalen Zuschüsse seit 1999 bei den meisten Kulturträgern nicht mehr nennenswert erhöht worden sind, im gleichen Zeitraum aber allein die Inflation 20 – 25% ausmacht, sind wir seit Jahren real mit drastisch gesunkenen Zuschüssen konfrontiert.
Der Ausgleich der inflationsbedingten Verluste würde also rd. 500.000 € kosten. Das, verbunden mit einer vertraglichen Absicherung, ist unsere Erwartung an eine zukunftsorientierte Kulturpolitik in Bochum. Dies würde auch die sich immer weiter öffnende Schere zwischen kommunal verantworteter und Freier Kultur schließen helfen.«

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22. Okt. 2014, 13:26 Uhr

LeserInnenbrief von Gerd Spieckermann, Bahnhof Langendreer:

Eine kleine Richtigstellung:
Durch die Haushaltssperre wurden zunächst 10% der Zuschüsse für das 2. Halbjahr gekürzt (mitgeteilt Ende Juli/Anfang August), d.h. also rechnerisch 5% des Zuschusses 2014.
Am letzten Donnerstag erhielt der Bahnhof einen Bescheid für das 4. Quartal 2014. Darin wurde die 10%-ige Haushaltssperre nicht mehr nur auf das 2. Halbjahr, sondern auf den gesamten Zuschuss 2014 bezogen, also reale Kürzung um 10% bezogen auf das Gesamtjahr.
Da bis Oktober schon Auszahlungen erfolgt sind, wurde im Bescheid die 4. Rate reduziert, so dass das Einsparvolumen von insg. 10% erreicht wurde!


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