Freitag 17.10.14, 18:00 Uhr

Erkenntnisse jenseits der Schlafwandelei

Günter Gleising hat ein Buch veröffentlicht mit dem Titel: “Der Erste Weltkrieg: Urkatastrophe oder imperialistischer Krieg? Anmerkungen aus regionaler Sicht zu einem Historikerstreit und einer aktuellen politischen Debatte.” im Vorwort schreibt Günter Gleising: »Die vorgelegten Texte, Dokumente und Betrachtungen sollen aus vorwiegend regionaler Sicht Beiträge zu Aspekten der Geschichte des 1. Weltkrieges leisten. Eingegangen wird auf die Rüstungsindustrie, die im Ruhrgebiet stark konzentriert war und hier auch besonders hohe Profite erzielte. Thema ist auch Zwangsarbeit und Kriegsgefangenschaft im Raum Bochum. Einen Schwerpunkt der Darstellungen bilden die Streiks und Demonstrationen gegen den Krieg und seine Auswirkungen.
In zahlreichen aktuellen Ausarbeitungen zum 1. Weltkrieg wird das Wirken von „Diplomaten”, Politikern und gekrönten Häuptern intensiv betrachtet. Die Massenaktionen der Berg- und Stahlarbeiter, der hungernden Frauen und Kinder, die Märkte und Lebensmittellager stürmten, die Mutigen, die in selbstgefertigten Flugblättern oder in Versammlungen gegen den Krieg Stellung nahmen, werden in fast allen anderen Darstellungen systematisch vergessen.

Durch die Teilnahme von Bochumer Soldaten an dem Feldzug gegen Belgien ergab sich eine besondere Betrachtung der Ereignisse in dem Nachbarland. Diesen Aspekt konnte ich durch meine Teilnahme an einer „Studienreise auf den Spuren Bochumer Soldaten im Ersten Weltkrieg” nach Virton (Belgien) und Verdun (Frankreich) der Bochumer VHS und dem Stadtarchiv vertiefen. Dabei zeigte sich, welche Bedeutung in diesen Ländern die Ereignisse des Grande Guerre auch heute noch haben. Und: Im belgischen Virton wartet man bis heute auf eine Entschuldigung für die Verbrechen von deutschen Soldaten an der Zivilbevölkerung.

Insgesamt zeigt sich, dass auch nach 100 Jahren die Beschäftigung mit dem Krieg und der Zeit 1914–1918 neue Erkenntnisse jenseits der Schlafwandelei bringt.

Erich Kästners Gedicht von 1931 über Verdun hat bis auf den heutigen Tag nichts von seiner Aktualität verloren. Bis heute sind Landstriche mit giftigen Stoffen verseucht, z.B. wurde 2012 in 500 nordfranzösischen Gemeinden das Trinkwasser gesperrt. Munition und Blindgänger werden jedes Jahr ebenso gefunden wie 10 bis 20 Leichen oder Leichenteile. Kästners Gedicht ist aber auch politisch hochaktuell angesichts von Rüstung, Kriegswerbung, Export von Kriegsgütern und neuen Kriegen.

Günter Gleising
Der Erste Weltkrieg: Urkatastrophe oder imperialistischer Krieg?
Anmerkungen aus regionaler Sicht zu einem Historikerstreit und einer aktuellen politischen Debatte
RuhrEcho Verlag
80 Seiten, zahlreiche Fotos und Dokumente
ISBN 978-3-931999-21-6, 7,50 Euro
Bestellung:bestellung@ruhrecho.de

 
 
 
 


Terminmitteilungen bitte an
redaktion@bo-alternativ.de