Freitag 19.09.14, 11:44 Uhr

Erstaufnahmelager für 140 Flüchtlinge in der ehemaligen Lewacker Schule

Am Dienstag dieser Woche hat die Stadtverwaltung eine Pressemitteilung veröffentlicht, die darüber informiert, dass kurzfristig ein Erstaufnahmelager für 140 Flüchtlinge in der ehemaligen Lewacker Schule eingerichtet wird.  Sie beginnt mit den Worten: »Wir lassen die Flüchtlinge nicht allein. Ihre Schicksale berühren uns sehr.“ Stadtdirektor Michael Townsend ist ergriffen: „Angesichts der humanitären Katastrophen, die wir jeden Tag im Fernsehen erleben, müssen wir handeln.”« Abgesehen davon, dass die Verantwortlichen auf allen Ebenen viel zu spät auf eine deutlich vorhersehbare Situation reagieren, ist es erfreulich, dass Politik und Verwaltung sich jetzt um einen veränderten Umgang mit Flüchtlingen und deren NachbarInnen bemühen. Auf die Ablenkungsmanöver “sichere Drittstaaten” oder “nur politisch Verfolgte erhalten Asyl” wird verzichtet. Für gestern Abend wurden die AnwohnerInnen des neuen Flüchtlingslagers zu einer Informationsveranstaltung in die Bezirksverwaltungsstelle eingeladen.  Mehr als 100 BesucherInnen kamen.
Nach dem Lagebericht war Gelegenheit, Fragen zu stellen. Insbesondere in der ersten halben Stunde wurde dabei von “Warum kümmert sich die Stadt um die und nicht um uns” über “jetzt kann meine Tochter nicht mehr allein das Haus verlassen” bis hin zu “jetzt kriegen wir alle Ebola” keine Gelegenheit ausgelassen, mit Neid, Vorurteilen und Angstkampagnen zu glänzen. Die Verantwortlichen der Stadt haben es aber ganz gut hinbekommen, deeskalierend zu wirken und die Fragen mit vernünftigen Argumenten zu beantworten. Auch im Publikum gab es ein einige Leute, die den geäußerten Befürchtungen etwas entgegensetzen konnten. 

Die Erfahrungen mit dem Flüchtlingslager an der Wohlfahrtsstraße haben gezeigt, dass durch einige engagierte NachbarInnen, Gruppen und Vereine den Anfeindungem und Vorurteilen wirksam begegnet werden kann. Ansätze dazu waren gestern Abend schon erkennbar. Konkrete Hilfsangebote liegen schon vor. Es gibt z. B. eine Facebook-Gruppe, die Unterstützung organisieren will. Kleider- und andere Sachspenden wie Spielzeug sollen über DRK und AWO abgewickelt werden.

 
 
 
 


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