Samstag 24.05.14, 17:01 Uhr

Mach’s wie die Oma

2 LeserInnenbriefe zu "Mach’s wie die Oma" vorhanden:

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25. Mai. 2014, 10:48 Uhr

LeserInnenbrief von Azzoncao, ein Polit-Cafe:

Ein dummer Film der seinen Humor aus einen Stereoptyp über “Rechte” bezieht.
Rechte sind brüllende Scheitelträger und tattovierte Skinheads, bauernschlau und fies auf der einen Seite, dumm und brutal auf der anderen Seite.
Ein Bild das eigentlich nur die Dummheit oder auch Bauernschläue derjenigen aufweist, die dieses Bild stetig reproduzieren.
Zum einen dient es dem bürgerlich System und deren parteilichen Vertreter dazu, den implizierten Faschismus den sie praktizieren zu kaschieren. Sei es mit den gewollten Verarmungsprozessen via der ALG II Gesetzgebung und der Einführung Europas größten Billiglohnsektor, der faktischen Abschaffung des Rechts auf Asyl, der Installierung des Abschiebekomplexes mittels Lager, Gefängnissen etc., den mit imperialen Bestrebungen versehenen Auslandseinsätze der Bundeswehr, usw. usf..
Diese Aushöhlung der Demokratie, die Implizierung autoritärer, rassistischer, sprich rechter Positionen haben wir auch der SPD und den Grünen zu verdanken. Diese protestieren nimmer müde „gegen Rechts“, wenn denn da eine mediale Chance zur Selbstinszenierung besteht. Betreiben eine „Willkommenskultur“ für Flüchtlinge, loben Armutspflege via „Tafeln“, etc p.p.. Sie treten in Zweireiher und Ökopullover an, nicht in Leder- oder Bomberjacke, sie reden wohlfeil in Arbeiterrhetorik und Friedenslyrik, hetzen nicht über „Sozialschmarotzer“ und „kulturfremde“ Menschen“. (klammert man den Sozialdemoraten Thilo Sarazin mal aus.) Und dennoch ist ihre Art der Aushöhlung und Abschaffung demokratischer Werte und Ideale immens effektiver als das der deutschen NS-Szene. Haben sie selbst schon das zu ihrer Regierungspolitik gemacht, was sie den Nazis in karikierender Form vorwerfen.
Solch eine Art des Humors, der Darstellung eines Schablonen-Nazis dient der Entlastung und der Verwischung der realen sozialen und politischen Zustände in diesem kapitalistischen Land.

Und dieses Bild wirkt, bis weit in den sich selbst als links etikettierenden Politsaum Bochums und der sich so selbst umjubelnden Antifaszene. Sieht man sich an, mit welchen schmalbrüstigen Argumenten gegen die AfD hier in Bochum ins Feld gezogen wurde, dann sieht man, dass sich da kaum einer der Antifaschisten mit kapitalistischen Verwertungs- und Ausgrenzungsprozessen und deren Propagandisten beschäftigt, das kaum einer eine gesellschaftlich Analyse und erst recht keine linke Strategie hat. Es wurde bei der AfD die gleiche Schablonenbeschreibung und Etikettierungspolitik wie in diesem Filmclip verwandt. Für die eigene große intellektuelle Leerstelle und politischen Wissenslücken wurde auf „Expertisen“ von Stiftungen verwiesen. Selbst hatte man keine Ideen und fand keine Worte, keine Analysen für gegenwärtigen gesellschaftliche und politische Veränderungsprozesse. Und man fand keinen anderen Umgang als sich in rhetorischen Hooliganpoosen zu ergehen. (Mal abgesehen davon, dass man marginale, von anderen kopierte und schnell zusammengeflickte „Recherche“ergebnisse als eigene ausgab und damit Fachkompetenz aufweisen wollte. Generell lag zur NPD und Pro NRW Nichts vor. Und das weil man keine Recherchen/Analysen macht.)
Zur bundesdeutschen Ukrainepolitik, zu Flüchtlingsabwehr, etc. p.p. all das was die „demokratischen“ Parteien praktizieren wurde geschwiegen. Mit diesen stand man „Seit an Seit“ gegen den Karikatur-Nazi, den man sich bei der AfD auch so zurecht zimmern musste, damit man überhaupt zu seinem üblichen Bewältigungsmuster gegen Rechts finden konnte.
Allein ein lautes verbalradikales Getöse nuanciert noch diese Art des bürgerlichen Antifaschismus von Grünen, SPD und Stadtjugendring.

Eigentlich können Nazis, Neue Rechte, AfD, Neo-Konservative, CDU-CSU, Liberale, aber auch Grüne und SPD solcher Art Videoclips, solcher antifaschistischer Leitlinien dankbar sein.
- Die „richtigen“ Nazis, weil ein großer Teilbereich in keiner Weise diesen Klischeebildern noch entspricht und mit ihren Strategien gekonnt das Schablonendenken unterlaufen. (Siehe Dortmund)
- Die AfD, weil sie diese Art der Angriffe nicht wirklich trifft.
- Die konservativen Parteien, weil sie einfach außen vor gelassen werden.
- Grüne und SPD, weil sie hier noch Imagepflege betreiben können.
- Aber auch ein Großteil der Antifa, weil sie das vom Denken und Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung abhält.

Und noch einmal zu dem Video. Um gegen Rechts zu sein, soll man sich an der EU-Wahl beteiligen? Teil dieser genauso stereotyp entworfenen Wählergemeinschaft sein? Dieser heilen, hellhäutigen, wohlgenährte Kindercountry-Family? Das ist Europa? Die Bevölkerung Europas?
In dieser platten Dichotomie wird ein Bild über die Lebenssituation der Menschen in Europa entworfen, das beschönigender und verlogener nicht sein kann. Für sehr viele Menschen sieht die Lebensrealität ganz anders aus. Und das die EU hier keine Abhilfe schafft, sondern problemverschärfend im Sinne der Reichen und Mächtigen handelt wird hier ebenso wegretuschiert.
Das dieser Video dann von Gewerkschaft Verdi ins Netz gestellt wurde, macht das Ganze nicht besser, sondern schlimmer und ähnelt im Niveau dem neuen BVB Video: http://www.youtube.com/watch?v=Z3-VCkdsvQk

In diesem Sinne ein Zitat:
„Da die bürgerlichen Interessen denen der arbeitenden Massen unbedingt entgegengesetzt sind, so ist gewiß, daß ein bürgerliches Parlament nie etwas anderes wird tun können, als die Lohnsklaverei des Volkes gesetzlich zu machen und alle Maßnahmen zu bewilligen, die darauf ausgehen, sein Elend und seine Unwissenheit zu verewigen. Man muß wirklich sehr naiv sein um zu glauben, ein bürgerliches Parlament könne aus freien Stücken für eine geistige, materielle und politische Befreiung des Volkes stimmen.“ (Michael Bakunin)


 

25. Mai. 2014, 18:43 Uhr

LeserInnenbrief von Andreas:

So sehr ich der Kritik an der Reduzierung der AfD auf ihre rassistischen Positionen und die reflexhaft an NPD und ProNRW orientierten „Bekämpfungsmuster“ in der Linken zustimme, so sehr geht mir der Kritikstil von „Azzocao – ein Polit-Cafe“ an eben dieser Linken auf den Geist.

Kritik sollte meiner Meinung nach konstruktiv wirken und nicht besserwisserisch und plakativ daher kommen.

Was sollen solche denunziatorischen Zuschreibungen wie „sich selbst als links etikettierender Politsaum Bochums“, „sich selbst umjubelnde Antifaszene„ mit „intellektuellen Leerstellen“ und „politischen Wissenslücken“ usw. usw.?

Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass es dem Autor (ich schließe aus dem mackerigen Schreibstil mal auf eine männlicher Autorenschaft) eher um die eigene Selbstdarstellung und nicht um eine wirkliche, konstruktive Diskussion geht.<

Schade, hier wird ein diskussionswürdiger Inhalt durch den arroganten Stil, in dem er vorgebracht wird, entwertet.


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