Freitag 16.05.14, 14:59 Uhr

„Billig-Back“ einen Riegel vorschieben

Das „Bäckerei-Sterben“ in Bochum ist ein „trauriger Trend“, so die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). „Grund dafür ist die wachsende Zahl von Back-Discountern. Mit ihren aufgebackenen Billig-Brötchen, die zu Dumping-Löhnen produziert werden, machen sie es den traditionellen Bäckereien schwer“, sagt Yvonne Sachtje von der NGG-Region Ruhrgebiet. Allerdings sei dies ein „hausgebackenes Problem“. Denn die Bäckermeister in Bochum hätten längst etwas gegen ihre Billig-Konkurrenz tun können, so die NGG-Geschäftsführerin. Dazu müssten sie lediglich den Tarifvertrag für das Bäckerhandwerk für allgemein verbindlich erklären lassen. Dann wären auch die Discount-Bäcker gezwungen, den Tariflohn zu zahlen. Jeder Beschäftigte der Branche in Bochum hätte so Anspruch auf einen fairen Stundenlohn. Ein Ziel, das die NGG Ruhrgebiet schon lange verfolge.
„Während beim Discounter in Bochum häufig sogar Stundenlöhne unter 7 Euro gezahlt werden, bekommt eine erfahrene, aber ungelernte Kraft am Verkaufstresen einer Bäckerei knapp 10,60 Euro pro Stunde. Am Monatsende hat die Verkäuferin des Bäckermeisters damit gut 500 Euro mehr im Portemonnaie“, sagt Yvonne Sachtje. Dumping-Bäckereien könnten nur deshalb so billig produzieren, weil sie Dumping-Löhne zahlten. „Hier müssen wir dringend einen Riegel vorschieben – und zwar noch bevor der Mindestlohn im nächsten Jahr kommt“, fordert die NGG-Geschäftsführerin.
Immerhin biete die Bäckerei von nebenan klare Vorteile: „Brote und Brötchen vom Bäcker schmecken den meisten Menschen besser als Aufbackware vom Discounter. Wenn alle, die in Bochum Brot backen und verkaufen, dafür auch faire Löhne bezahlen müssen, wird es ein ‚Comeback der Traditionsbäckereien’ geben“, so Yvonne Sachtje. Backware habe ihren Wert. „Wer sie herstellt, muss von dem, was er verdient, auch leben können. Dies ist bei Billig-Backwaren, die mit Billig-Löhnen produziert werden, allerdings nicht der Fall“, so Yvonne Sachtje.
Sie appelliert an die Bäckermeister in Bochum, ihre Bäcker-Innung aufzufordern, gemeinsam mit der NGG Nordrhein-Westfalen den Tarifvertrag für das Bäckerhandwerk beim NRW-Arbeitsministerium für allgemein verbindlich erklären zu lassen. „Das wäre das Ende vom ‚Billig-Back’. Und kein Bäckermeister in Bochum müsste mehr beklagen, dass ihm das Geschäft von Dumping-Bäckereien kaputt gemacht wird“, sagt Yvonne Sachtje.

 
 
 
 


Terminmitteilungen bitte an
redaktion@bo-alternativ.de