Freitag 07.02.14, 14:29 Uhr
Ein unappetitlicher Name für einen Delikatessenmarkt

Moltkemarkt auf dem Springerplatz?

Rückbenennung nach einem preußischen Militaristen

Karl Springer (Foto: RuhrEcho Archiv)

Ein paar Geschäftsleute haben vor einiger Zeit auf dem Springerplatz einen wöchentlichen Delikatessenmarkt eröffnet. Das ganze firmiert unter dem Namen “Moltkemarkt”. Das Bochumer Friedensplenum hat nun auf den Ursprung dieses Namens aufmerksam gemacht. Moltke war ein herausragender Exponent des preußischen Militarismus, nach dem der Platz seit dem Kaiserreich benannt war, “bis ihn der Rat der Stadt 1947 in den Trümmern des 2. Weltkrieges umbenannte zur Erinnerung an den von den Nationalsozialisten ermordeten kommunistischen Bochumer Widerstandskämpfer Karl Springer“. In seiner Ratsanfrage will das Friedensplenum u. a. wissen: “Wird sich die Stadt Bochum deshalb darum bemühen, die Initiatoren des Delikatessenmarktes zu bewegen, diesem einen anderen Namen zu geben? Welche Schritte dazu sind beabsichtigt?” Bei der ganzen Geschichte ist unklar, ob die Verantwortlichen für den Markt dumm oder revanchistisch gehandelt haben. Die Stadt Bochum jedenfalls verhält sich hierzu ahistorisch und peinlich.
Im Webauftritt der Stadt gibt es eine Reihe “Leidens-Wege in Bochum 1933 bis 1945″. Station 10 ist Karl Springer gewidmet. Hier wird kein Bild von Karl Springer veröffentlicht. Stattdessen ist der alte und der neue Moltkemarkt abgebildet. Wer Moltke war und die Umbenennung durch den Rat wird verschwiegen.
Der Bochumer Historiker Dr. Hubert Schneider schreibt in einer sehr bemerkenswerten Stellungnahme: “Politisch ist die Neu- oder Wiederbenennung eines Platzes nach einem preußischen Militaristen nicht zu akzeptieren. [...] Ich kenne keine Diskussion, in der es darum geht, dass man einen Platz – oder einen Teil des Platzes – wieder den Namen geben will, den man aus guten Gründen nach dem Krieg abgeschafft hat. Wenn das tatsächlich passieren sollte, ist das ein Novum in der Nachkriegsgeschichte. Sie wird kein lokalen Ereignis bleiben, sondern sicherlich eine größere Öffentlichkeit auch außerhalb Bochums interessieren.”

2 LeserInnenbriefe zu "Moltkemarkt auf dem Springerplatz?" vorhanden:

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8. Feb. 2014, 15:08 Uhr

LeserInnenbrief von Ranja Al Sabri:

Sehr begrüßenswert, dass das Friedensplenum auf diese bedenkliche Markt-Benennung aufmerksam macht und damit auch dem geschichtsvergessenen oder -ignoranten Trend unserer Zeit entgegenarbeitet!
Ich habe mich nur gefragt, ob es auch Kontakt zu den Veranstalter_innen des Marktes gab, um diese Kritik mit ihnen zu besprechen und auch herauszufinden, wie sie eigentlich auf diesen Namen gekommen sind? Ob das über offiziellen Wege, also die Stadt/Bürgermeisterin am besten laufen wird…?
Ich habe auch keinen Kommentar dieser Art auf dem Markt-Blog gesehen http://salatwerkstatt.de/moltkemarkt-abendmarkt-in-bochum-springerplatz/
Vielleicht kommt das ja noch.


 

8. Feb. 2014, 18:39 Uhr

LeserInnenbrief von Bochumer Friedensplenum:

Es hat ein ausführliches bisher leider erfolgloses Gespräch mit einem der Initiatoren des Marktes gegeben.


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