Donnerstag 16.05.13, 20:15 Uhr
Alle Urabstimmungsergebnisse waren eindeutig

Streiks im Einzelhandel

Im Rahmen der Tarifrunde für die Mitglieder der Gewerkschaft ver.di im NRW-Einzelhandel werden auch in Bochum und Herne Streiks stattfinden. Ganz sicher gilt das nach Angaben der ver.di-Geschäftsstelle in Bochum für die Betriebe, die bereits eine Urabstimmung durchgeführt haben. Neben den schon abgestimmten SB-Warenhäusern von real,- werden in den nächsten Wochen auch bei Bau- und Fachmärkten und weiteren Betrieben des Lebensmitteleinzelhandels Urabstimmungen stattfinden. Nach Darstellung des Gewerkschaftssekretärs Helmut Süllwold, fände für den Einzelhandel in diesem Jahr eine ganz besondere Tarifrunde statt. Ganz normal sei, dass nach Auslaufen der Lohn- und Gehaltstarifverträge diese neu verhandelt würden. Ver.di habe im Vergleich mit anderen Branchen, als für den Einzelhandel  zuständige Gewerkschaft, in vielen Jahren, auf diese Weise die tariflichen Einkommen auf mittleres bis gutes Niveau angehoben.
Eine besondere Note habe  nach Meinung von ver.di Bochum/Herne die diesjährige Runde bekommen, als die Arbeitgeberverbände bundesweit alle Manteltarifverträge kündigten.
„Damit“, so  Süllwold, „reagieren besonders in NRW die Arbeitgeber folgerichtig auf die rücksichtslose Zementierung der familien-, kultur- und gesundheitsschädlichen Arbeitsbedingungen im Einzelhandel, durch das kürzlich, mit der Mehrheit der Stimmen von SPD und Grünen beschlossene, kaum veränderte Ladenöffnungsgesetz.“
„ Auch die kommunalen Mehrheitsparteien beachten nicht die, zum großen Teil grenzwertigen, Arbeitsbedingungen in den Betrieben des Einzelhandels“, so der ver.di-Sekretär. Süllwold beklagt weiter: „Sittenwidrige Dumpinglöhne sind regelmäßig an der Tagesordnung. Betriebsratswahlen werden weggenötigt, Meinungsäußerung wird eingeschränkt, bzw. gar nicht zugelassen und wenn in der Vergangenheit ein Unternehmen wie Schlecker wegen Betruges an den Mitarbeitern über eine Million D-Mark Strafe zahlen musste, wage ich gar nicht hochzurechnen, wie viele Fälle von Nötigung und Betrug an den Mitarbeitern aus Angst um die Existenz nicht zur Anzeige kommen.“
Auch Saubermänner wie Metro und real,- kommen bei Helmut Süllwold nicht ungeschoren davon, als er darstellt, wie in Zeiten der Tarifrunden gewährleistet wird, die Geschäfte offen zu halten. „Leiharbeiter“ sei das Zauberwort. Und schon sei man wieder bei Nötigung und Missachtung von Rechten der Beschäftigten. „Real“, so Süllwold, „lässt zu, dass die Verleihfirmen, die sich vertraglich gebunden haben, an die Zusage niemanden in Streikbetrieben zu beschäftigen, gegen diese Verträge verstoßen und ihre Mitarbeiterinnen derart unter Druck setzen, dass sie Tag und Nacht abrufbar bleiben und auf ihre tarifvertraglichen Ansprüche, sich nicht als Streikbrecher zu betätigen, verzichten.“
Das sei dem Metro-Konzern und real,- aber egal, so Süllwold. Das Geld müsse stimmen, wenn dabei auch mal der eine oder andere grundgesetzliche Anspruch über den Jordan ginge. Verleihfirma und real,- wüssten, dass die verliehenen Arbeitnehmer nicht beschäftigt werden dürften. Da die Verleiher aber wohl davon ausgingen, ihre Mitarbeiter seien etwas dumm und würden kuschen, wagten sie derartige Rechtsverstöße, die ja nur geahndet werden könnten, wenn es Menschen gäbe, die ihr Recht wollten. Und dann käme die Angst und es bliebe alles wie es ist.
„Da ist es direkt erstaunlich und bemerkenswert“, so der Gewerkschaftvertreter, „dass es noch Menschen gibt, die den Mut aufbringen, Grenzen und Maßstäbe zu setzen und zu kämpfen für einen gerechten Lohn und menschlichere Arbeitsbedingungen. Es gibt noch viele Menschen, die selbstbewusst sagen, dass sie in der Gewerkschaft sind und streiken werden, wenn es um berechtigte Ansprüche geht. Sie wissen, was sie Wert sind und sie wollen fair behandelt werden.“
Helmut Süllwold, auch Streikleiter für Bochum und Herne: „Die Beschäftigten leisten jeden Tag hervorragende Arbeit. Sie haben wieder einmal Riesengewinne erwirtschaftet. Im vergangenen Jahr erarbeitete jede/r Beschäftigte einen Gewinn von 567 Euro im Monat. Zusätzlich zum Einkommen“. An dieser positiven wirtschaftlichen Entwicklung müssen die Einzelhandelsbeschäftigten jetzt beteiligt werden. Doch statt ein faires Angebot vorzulegen, kündigen die Arbeitgeber den Manteltarifvertrag (MTV). Das ist ein Angriff auf die tariflichen Rechte der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer insgesamt“.
ver.di fordert für die rund 462.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten sowie den rund 231.000 geringfügig Beschäftigten im nordrhein-westfälischen Einzelhandel 6,5 Prozent, mindestens 140 Euro mehr Gehalt und Lohn. Für Auszubildende fordert die Gewerkschaft 140 Euro mehr im Monat. Die Laufzeit des neuen Tarifvertrages soll zwölf Monate betragen.
Die nächste Verhandlungsrunde ist am 4. Juni geplant.

 
 
 
 


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