Donnerstag 02.05.13, 11:19 Uhr

Langer Weg nach Europa

http://vimeo.com/61098585

Am Dienstag, den 07. Mai ist die Dokumentarfilmregisseurin Miriam Faßbender im Endstation Kino zu Gast. Ihr Film Fremd läuft ab 19 Uhr und beschreibt den von der Not diktierten Aufbruch eines jungen Maliers nach Europa. Seit zweieinhalb Jahren ist er unterwegs in eine Welt, in der er nie leben wollte. Der Film sucht die Beweggründe für diese Flucht und gewährt Einblick in die Lebensumstände und den zermürbenden Alltag von MigrantInnen auf ihrem Weg vom subsaharischen Afrika über Algerien und Marokko nach Europa. Er zeigt ihr Leben, das geprägt ist von Hetze und Hoffnung, Flucht und Stillstand. Vom Leben als jahrelanger Reisender und vom Überleben in der Fremde. Miriam Faßbender über ihren Film:
“Je näher ich die jungen Männer und Frauen auf ihrer Odyssee vor Europa kennenlernte, desto dringender verspürte ich den Wunsch ihnen – die in unsrer politischen Sprache meistens nur als anonyme Masse auftauchen, vor der es sich zu schützen gilt – ein Gesicht zu verleihen. Ich will sie in „Fremd“ als Individuen wahrnehmbar werden lassen und ihnen die Möglichkeit geben, für sich selbst zu sprechen.
Ich bewunderte die mir anfangs fremden Migranten für ihre Konsequenz und ihren unbedingten Willen einen Kontinent erreichen zu wollen, den sie nur schemenhaft kannten. Diese Bereitschaft zu einem kompletten Bruch mit ihrem bisherigen Leben machte mich neugierig. Als mir bewusst wurde, unter welchen Umständen sie in ihren Ländern leben, welcher Trostlosigkeit und Restriktion sie sich häufig gegenübersehen, verstand ich, dass für sie ein Leben, selbst mit den einfachsten Wünschen in ihren Heimatländern unmöglich ist.
Denn wie kann man sich selbst verwirklichen, auf Bildung, Rechtsstaatlichkeit, und persönliche Freiheit hoffen, wenn man jeden Tag erneut ums Überleben kämpfen muss? Wenn man keinen Cent in der Tasche hat? Wenn man sich fremd fühlt im eigenen Land?
Die drangsalierten, durstigen aber immer noch ungebrochenen Migranten an provisorischen Orten, in Wäldern versteckt wiederzutreffen, gab mir das Gefühl sie seien verloren und ihre Reise brächte sie eher weiter von sich weg als näher zu sich selbst.
Fremd ist eine Geschichte über Menschen auf Reisen, auf der Suche nach einem anderen Leben. Eine Reflexion über den Verlust von Zeit und das Scheitern. Aber ist es nicht unser Scheitern?”
Die Filmvorführung und das Gespräch wird in Kooperation mit dem Bahnhof Langendreer veranstaltet.
Fremd, französisch, bambara OmU, Dienstag, 19.00 Uhr

Am Dienstag, den 07. Mai ist die Dokumentarfilmregisseurin Miriam Faßbender im Endstation Kino zu Gast. Ihr Film Fremdbeschreibt den von der Not diktierten Aufbruch eines jungen Maliers nach Europa. Seit zweieinhalb Jahren ist er unterwegs in eine Welt, in der er nie leben wollte. Der Film sucht die Beweggründe für diese Flucht und gewährt Einblick in die Lebensumstände und den zermürbenden Alltag von Migranten auf ihrem Weg vom subsaharischen Afrika über Algerien und Marokko nach Europa. Er zeigt ihr Leben, das geprägt ist von Hetze und Hoffnung, Flucht und Stillstand. Vom Leben als jahrelanger Reisender und vom Überleben in der Fremde.

Miriam Faßbender über ihren Film:

“Je näher ich die jungen Männer und Frauen auf ihrer Odyssee vor Europa kennenlernte, desto dringender verspürte ich den Wunsch Ihnen – die in unsrer politischen Sprache meistens nur als anonyme Masse auftauchen, vor der es sich zu schützen gilt – ein Gesicht zu verleihen. Ich will sie in „Fremd“ als Individuen wahrnehmbar werden lassen und ihnen die Möglichkeit geben für sich selbst zu sprechen.

Ich bewunderte die mir anfangs fremden Migranten für ihre Konsequenz und ihren unbedingten Willen einen Kontinent erreichen zu wollen, den sie nur schemenhaft kannten. Diese Bereitschaft zu einem kompletten Bruch mit ihrem bisherigen Leben machte mich neugierig. Als mir bewusst wurde, unter welchen Umständen sie in ihren Ländern leben, welcher Trostlosigkeit und Restriktion sie sich häufig gegenübersehen, verstand ich, dass für sie ein Leben, selbst mit den einfachsten Wünschen in ihren Heimatländern unmöglich ist.

Denn wie kann man sich selbst verwirklichen, auf Bildung, Rechtsstaatlichkeit, und persönliche Freiheit hoffen wenn man jeden Tag erneut ums Überleben kämpfen muss? Wenn man keinen Cent in der Tasche hat? Wenn man sich fremd fühlt im eigenen Land?

Die drangsalierten, durstigen aber immer noch ungebrochenen Migranten an provisorischen Orten, in Wäldern versteckt wiederzutreffen, gab mir das Gefühl sie seien verloren und ihre Reise brächte sie eher weiter von sich weg als näher zu sich selbst.

Fremd ist eine Geschichte über Menschen auf Reisen, auf der Suche nach einem anderen Leben. Eine Reflexion über den Verlust von Zeit und das Scheitern. Aber ist es nicht unser Scheitern?”

Die Filmvorführung und das Gespräch wird in Kooperation mit dem Bahnhof Langendreer veranstaltet.

Fremd, französisch, bambara OmU, Dienstag, 19.00 Uhr

 
 
 
 


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