Montag 18.02.13, 18:58 Uhr

Stimmungslage bei Opel

Labournet Germany hat heute ein Schreiben des Opel-Vertrauenskörper-Leiters (der gewählte Sprecher der IG Metall bei Opel) Dirk Grützner vom 11.02.2013 an die Ortsbevollmächtige und den Bezirksleiter der IGM vetöffentlicht: »Wir als VK-Leitung Opel Bochum und Partnerbetriebe wollen Euch die Stimmung unserer IG Metall Mitglieder im Betrieb übermitteln, damit ihr das Gefühlsleben der IG Metaller bei Opel in Bochum klar mitbekommt. Aufgrund des IG Metall Mitglieder Briefes von Ende Januar, dem die Resolution der betrieblichen Tarifkommission vom 29. Januar 2013 beigefügt war, ist es schwer unseren IG Metall Mitgliedern zu vermitteln, dass sich die IG Metall von dem Ziel einer Opel Fahrzeug-Produktion in Bochum verabschiedet hat, zumal unsere IG Metall Mitglieder im Betrieb hierzu eine andere Meinung haben. Die Reaktion bei unseren Mitgliedern geht in die Richtung Gewerkschaftsaustritt.
“Wozu noch eine Gewerkschaft, wenn sie nicht den Erhalt der Fahrzeugproduktion in Bochum fordert.” Dieser Position unserer IG Metall Mitglieder versuchen wir entgegen zu treten, mit der Argumentation, dass nur eine starke Gewerkschaft ein entsprechendes Durchsetzungsvermögen hat. Dieses Argument kommt bei den Mitgliedern nicht mehr an.
Unsere IG Metall Mitglieder meinen, dass die IG Metall und die anderen Opel Standorte mit der Resolution der betrieblichen Tarifkommission die Schließung der Fahrzeugproduktion in Bochum kampflos hinnehmen werden, ebenso wie die Vernichtung tausender Arbeitsplätze und dies nicht nur bei Opel in Bochum. Unsere IG Metall Mitglieder stellen sich die Frage, wie die IG Metall zu einer solchen Position kommt, die im Übrigen auch im Widerspruch zur Position der Bochumer Mitglieder in der Tarifkommission steht? Die Mitglieder der betrieblichen Tarifkommission haben auf den Gruppeninfostunden ihre Position zur Resolution vom 29. Januar erklärt.
Also die Ablehnung der Resolution in der übersandten Form, sie haben die Ablehnung stichhaltig begründet.
Wieso wurde die Position der Bochumer Mitglieder der betrieblichen Tarifkommission in dem IG Metall Mitglieder Brief mit keinem Wort erwähnt?
Scheinbar fallen die anderen Standorte den Bochumer Kollegen/innen in aller Öffentlichkeit in den Rücken.
Hier kann man nur annehmen, so unsere IG Metall Mitglieder, dass ausgehend vom Konzernvorstand eine Absprache mit dem Bundesvorstand der IG Metall und seinem Vorsitzenden Berthold Huber besteht, die die Schließung der Fahrzeugproduktion in Bochum zugunsten nebulöser Aussichten auf eine Handvoll Ersatzarbeitsplätze zu opfern und möglichst ohne nennenswerte Kämpfe und Protest umzusetzen. Hier beziehen sich unsere IG Metall Mitglieder auf eine Pressemeldung aus 2012, in der mitgeteilt wurde, dass die IG Metall in Form von Berthold Huber, für die Mokka Produktion in Eisenach die Schließung von Bochum akzeptiert.
Unsere IG Metall Mitglieder sind dieser Meinung, da der Pressemeldung von Seiten der IG Metall nie widersprochen worden ist. Hier wird die Politik des „kleineren Übels“ vorangetrieben, so unsere IG Metall Mitglieder.
Was ist mit den Formulierungen der Vergangenheit:“ to share the pain“- „Teile die Lasten“. Trägt diese Formulierung heute nicht mehr?
Wir werden gefragt, ob die IG Metall noch zur schriftlichen Formulierung der betrieblichen Tarifkommission vom 12.12.2012 steht?
„Wer heute ein Werk schließen will, der will morgen ein zweites oder drittes Werk schließen. Dies wird die IG Metall weder heute noch morgen akzeptieren“.
Haben sich die Positionen zu solchen Aussagen von heute auf Morgen geändert?
Es wird erklärt, dass Opel finanziell sehr angeschlagen ist, um es höflich zu formulieren.
Ja, das wissen auch unsere IG Metall Mitglieder. Sie fragen aber, ob die IG Metall mit Ihren hauptamtlichen Funktionären mal die Finanzstrukturen von Opel bzw. GM geprüft hat. Dies bezieht sich nicht auf die offiziell ausgewiesene Bilanz, sondern auf die Finanzstrukturen, wie zum Beispiel, wie hoch sind Lizenzgebühren für gefertigte Fahrzeuge und Komponenten bei Opel und Chevrolet, wer übernimmt die Entwicklungskosten usw.
Unsere IG Metall Mitglieder bei Opel werden als „Verlustbringer“ dargestellt, um Werkschließungen zu begründen. Wenn infolge der Weltwirtschafts- und Finanzkrise der Automobilmarkt vor allem in Europa zusammenbricht, dann liegt das nicht in unserer Verantwortung. Es gibt überhaupt keinen Grund, warum wir auf nur einen einzigen Arbeitsplatz und sowie unsere Löhne verzichten sollten, zumal es belegbar ist, dass Lohnverzicht nicht unbedingt Arbeitsplätze absichert.
Unsere IG Metall Mitglieder sind der Meinung, dass mit der Stundung der Tariferhöhung aus 2012 (4,3%), der Flächentarifvertrag unterlaufen wird und dies eine Gefahr für alle Arbeitnehmer darstellt. Dies wird auch in den vielen Solidaritätsschreiben, die wir aus anderen Betrieben erhalten, deutlich. Sie befürchten alle, dass ihre Konzernvorstände dies als ein positives Signal sehen, entsprechend mit ihren Belegschaften und Gewerkschaften zu verfahren.
Es gab bei Opel schon ein Verzicht auf tarifliche Leistungen, beim Urlaubsgeld und Weihnachtsgeld zwar zeitlich begrenzt, aber mit Zustimmung der IG Metall. Mit einer erneuten tariflichen Kürzung für unsere Mitglieder wäre ein weiterer Verzicht auf tarifliche Leistungen ein Kettensanierungstarifvertrag.
Einige unserer IG Metall Mitglieder haben in der Vergangenheit mit Unterschriftensammlungen, Abstimmungen und Protesterklärungen mitgeteilt, dass sie diese Vorgehensweise nicht akzeptieren.
Es wird als kritisch angesehen, dass es bisher keine Abstimmung zur weiteren Stundung der Tariferhöhung gegeben hat. Unsere IG Metall Mitglieder sind der Meinung, dass die Einheit der Belegschaften in den unterschiedlichen Standorten gegen die Pläne des Konzerns zu organisieren sind und den Spaltungsversuchen durch das
Management entgegenzutreten ist, genauso sollen die lokalen Betriebsräte vor dem Versuch der Erpressung geschützt werden.
Unsere Mitglieder fragen teilweise nach einem Streik der für den Erhalt des Standortes ausgerufen werden soll, dies ist aber aufgrund des deutschen Streikrechtes nicht möglich. Es sei denn, dass man für einen Sozialtarifvertrag streikt, dies wollen wir alle nicht, da das Opel Werk in Bochum mit der Fahrzeug-Produktion erhalten bleiben soll und muss.
Als Anregung bitten sie uns Euch mitzuteilen, dass man beim DGB erwirkt die Lobbyarbeit zum Streikrecht in Deutschland zu verstärken.
Die in unserem Anschreiben geschilderten Meinungen der IG Metall Mitglieder, hier bei Opel in Bochum, deckt sich größtenteils mit der Meinung der VK-Leitung.
Mit kollegialen Grüßen
VK-Leitung Opel Bochum und Partnerbetriebe

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19. Feb. 2013, 08:36 Uhr

LeserInnenbrief von Andreas:

Liebe Redaktion!

Ich musste ja erst einmal im Netz suchen, was denn einE “VK-LeiterIn” ist. Das naheliegenste Suchergebnis war dann, dass “VK” für “Vertrauenskörper” steht.

Die Auflösung der Abkürzung hat mich dann aber auch noch nicht wirklich ans Ziel gebracht, half aber weiter bei der weiteren Suche.

Im Kontext des Begriffs “Vertrauenskörper” tauchte im Netz dann auch die Begriffe “Vetrauensleute”, “-männer” und weniger “-frauen” auf. Damit konnte ich dann schon mal ein wenig mehr verbinden, da ich den auch schon mal häufiger von meinem Vater gehört habe, der den größten Teil seines Arbeitslebens im Bochumer Verein verbracht hat.

Wikipedia und die Webseiten der IG-Metall erklären dann Näheres ( http://de.wikipedia.org/wiki/Vertrauensmann_%28Gewerkschaft%29 und http://www.igmetall.de/cps/rde/xchg/internet/style.xsl/vertrauensleute-in-der-ig-metall-973.htm ): Das sind die gewählten, ehrenamtlichen Vertreter der Mitglieder einer Gewerkschaft innerhalb eines (Groß-)Betriebes und stellen damit wohl die untersten Wahlämter innerhalb der Gewerkschaftshierachie dar.

Vielleicht mögt Ihr diese Erläuterung in Eurem Text ergänzen, damit auch LeserInnen, die nicht in einem Betrieb mit VK arbeiten, die Chance haben, die Erklärung für sich einzuordnen.

Andreas


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