Donnerstag 07.02.13, 13:28 Uhr

Protest gegen Gänsereiter

Am Samstag, dem 9. Februar wird in der Bochumer Innenstadt gegen das “Gänsereiten” protestiert. Treffpunkt ist um 11 Uhr am Citypoint. Unterstützt wird die Kundgebung durch ein Infomobil mit Filmen von Animal Rights Watch. Veranstalter ist das Bündnis gegen das Bochumer Gänsereiten. In einer Presseerklärung heißt es: »In Bochum im Gleichschritt für die Tradition: SPD, NPD, CDU? Da schreiten sie gemeinsam für die “Brauchtumspflege” in geselliger “Herrenrunde”… Verantwortliche Politiker oben genannter Parteien, Gänsereiter und Kirchen-Obere verteidigen das Gänsereiten mit der 400 jährigen Tradition….
Die damals während des niederländisch-spanische oder Achtzigjährige Krieges (1568-1648) im Ruhrgebiet lagernden spanischen Söldner haben lebende Gänse an den Beinen aufgehängt und ritten mit ihren Pferden unter den kopfüber baumelnden Gänsen her. Sie griffen nach den Köpfen der vor Schmerz wild zappelnden Gänse und zerrten solange daran, bis die Hälse schließlich irgendwann abrissen.
Doch zu den Traditionen umherziehender Kriegsknechte gehörte vor allem das Rauben und Brandschatzen. Vergewaltigungen der Frauen waren für sie an der Tagesordnung. Den blutrünstigen Wettkampf des Reitens nach der lebenden Gans praktizierten die Söldner, um für das Töten von Menschen in Form zu bleiben. Das öffentliche Quälen und Töten wehrloser Tiere half mit, aufkommende Skrupel im Keim zu ersticken. Nur wer alle menschlichen Regungen von Mitleid und jede Tötungshemmung abgelegt hatte, konnte der gequälten, flatternden, ängstlich schreienden Gans mit bloßen Händen den Kopf abreißen.
Das ist die sogenannte “Brauchtumspflege”.
Natürlich nur für die echten “Männer” aus Wattenscheid. Die Nachfahren der damals überfallenen, ausgeraubten und vergewaltigten Menschen feiern ihre ehemaligen Peiniger- das ist würdelos!
Mit freundlicher Unterstützung der SPD, NPD und CDU – die Traditionen „über alles“ stellen!
Während in anderen Städten schon längst Attrappen zum Einsatz kommen, ist für das Bochumer Ordnungsamt, die Rechtsdezernentin und die Bochumer Staatsanwaltschaft alles einwandfrei und unbedenklich sowie eine “Brauchtumspflege”, Rechtsradikale loben deutsches Brauchtum, SPD und CDU beteiligen sich durch Inserate in der Gänsereiterzeitung, durch Personen und durch Ignoranz gegenüber dem Tier- und Jugendschutzgesetz und Betonen des hohen Wertes von “Brauchtumspflege”. Wird sonst in der Gesellschaft die Darstellung von Gewalt in den Medien im breiten Konsens in Frage gestellt, wird beim Gänsereiten zu Karnevalsmusik und klatschenden Familien  eine Tierleiche blutig zerfleddert.
Das Bündnis gegen das Bochumer Gänsereiten ist ein Zusammenschluss von Bochumer Bürgern, Gruppierungen und Vereinen die nicht wollen, dass unsere Heimatstadt weiterhin mit diesem barbarischen Leichenfledderei in Verbindung gebracht wird. Bochum stellt damit eine traurige Ausnahme dar, wurde das Gänsereiten mit echten Gänsen in anderen Städten schließlich schon vor geraumer Zeit durch Behörden und verantwortliche Politiker abgeschafft.
Im Vorfeld hat das Bündnis Strafanzeige wegen Verstoß gegen Tier- und Jugendschutzgesetz gestellt, das Verfahren wurde sehr zügig eingestellt.Ebenso hat das Bündnis die Oberbürgermeisterin im Vorfeld des diesjährigen Gänsereitens um ein Gespräch gebeten- eine Antwort allerdings nur von der Rechtsdezernentin erhalten, die u.a. auf die 400 jährige Tradition verweist.«

3 LeserInnenbriefe zu "Protest gegen Gänsereiter" vorhanden:

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9. Feb. 2013, 18:19 Uhr

LeserInnenbrief von Subcomandante Eppendorf:

Der SPD “Gleichschritt mit der NPD” zu unterstellen ist eine mehr als unglückliche Äußerung des Bündnis.

Das Wattenscheider Gänsereiten ist (ob man es richtig oder falsch findet) eine Lokaltradition, welche vor Ort eine große gesellschaftliche Akzeptanz genießt. Die Nazis machen sich leider den Unmut der Bevölkerung gegen die Tierschützer seit vielen Jahren zu Nutze.

Um in Zukunft ein Umdenken in der Gesellschaft erreichen zu können ( z.B. durch den Einsatz von Attrappen) ist ein pragmatisches Vorgehen unabdingbar.
Anfragen auf kommunalpolitischer Ebene wie sie z.B. die Linksfraktion im letzten Jahr gestellt hat sind gute Beispiele um in einen Dialog kommen zu können:
http://www.linksfraktion-bochum.de/fileadmin/lcmslfbochum/Anfragen/2011/110216%20Anfrage%20G%C3%A4nsereiten%20-%20HFA%2002-03-2011.pdf


 

9. Feb. 2013, 21:59 Uhr

LeserInnenbrief von tierbefreier:

die Anfrage geht der SPD am Arsch vorbei und ist versandet, oder haben wir da was verpasst? Die SPD inseriert stattdessen lieber in der Gänsereiterzeitung und wünscht “Gut Ritt”. Es ist mit der sogenannten SPD kein Diskurs möglich. Alle Städte haben auf Attrappen umgestellt. Bochum gehts am Arsch vorbei, der SPD geht die Anfrage am Arsch vorbei. Da finde ich obigen KOmmentar äusserst unangebracht. Stellt mal ruhig Anfragen, da passiert nix. Geht denen am Arsch vorbei.

Für die Befreiung von Mensch und Tier.


 

9. Feb. 2013, 22:01 Uhr

LeserInnenbrief von tierbefreier:

btw haben TierrechtlerInnen soooo oft versucht ins Gespräch zu kommen: Aber das interessiert die Herrschenden nicht. Lieber Traditionen hochhalten, da sind sich die genannten 3 Parteien sehr einig. Da marschieren sie im Gleichschritt für die Tradition!


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