Donnerstag 06.12.12, 17:41 Uhr
Comiclesung zur Situation von Flüchtlingen:

„Im Land der Frühaufsteher“

Am 13. Dezember, um 19.30, laden Bahnhof Langendreer und Medizinische Flüchtlingshilfe zu einer szenischen Comiclesung ins Studio 108 ein. Paula Bulling liest zusammen mit Maman Salissou Oumarou aus ihrer Graphic Novel „Im Land der Frühaufsteher“. Die junge Berliner Künstlerin hat darin ihre Gespräche und Begegnungen mit Asylbewerbern in Halle, Halberstadt und Möhlau dokumentiert.  Maman Salissou Oumarou, der aus Nigeria nach Deutschland flüchtete, ist selbst einer der Protagonisten. Er ist Schauspieler und studiert heute Regie in Köln.
In sieben Kapiteln erzählt Paula Bulling bewusst skizzenhaft, subjektiv und selbstreflexiv vom Leben in Asylbewerberheimen, von alltäglichem Rassismus und sozialer Ausgrenzung; ein Leben mit Essensgutscheinen, Arbeitsverbot und Bewegungseinschränkung. Am Ende steht der ungeklärte Tod des Asylbewerbers Azad Hadji im Flüchtlingslager Möhlau, der im Juli 2009 mit schweren Verbrennungen vor dem Lager aufgefunden wurde und zwei Wochen später starb. Eine detaillierte Aufklärung bleibt aus, die Polizei stellte nach zwei Monaten die Ermittlungen ein. Die Abschiebung der Familie konnte nur durch Proteste verhindert werden. Das „Land der Frühaufsteher“, wie Sachsen-Anhalt selbst für sich wirbt, steht in dem Ruf, in Flüchtlingsfragen die Gesetzeslage am restriktivsten auszulegen. Doch die Erzählungen stehen auch für die Situation für Asylbewerber in ganz Deutschland.
Paula Bulling erzäht auch von der Suche nach einer angemessenen erzählerischen Haltung als weiße Künstlerin, die die Geschichte wie ein roter Faden durchzieht. Ihr Comic-Debüt entstand in naher künstlerischer Zusammenarbeit mit den porträtierten Menschen, deren Stimmen wichtiger Teil der Comic-Collage sind.
Im Anschluss an die Lesung gibt es eine Publikumsdiskussion.

Der Eintritt ist frei

 
 
 
 


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