Donnerstag 08.11.12, 19:20 Uhr
Sevim Dagdelen zur Kriminalisierung der Anti-AKW-Bewegung

Atomkraftwerke sind das Verbrechen – nicht der Widerstand dagegen!

„Der Versuch der Staatsanwaltschaft Lüneburg, eine Straftat in die Schotter-Erklärung hinein zu konstruieren, ist ein lächerlicher Versuch, legitime Mittel des zivilen Ungehorsams zu kriminalisieren. Während sie einerseits hunderte AKW-Gegner wegen der Schotter-Erklärung verfolgt, sollte unser Verfahren gegen Zahlung einer Spende eingestellt werden. Das zeigt, wie unhaltbar die Lüneburger Staatsanwaltschaft ihre Anschuldigungen juristisch hält“, erklären Diether Dehm, Inge Höger, Sevim Dagdelen und Jan van Aken, Bundestagsabgeordnete der Partei Die Linke. anlässlich des Beschlusses des Immunitäts-Ausschusses des Bundestages, ihre Immunität wegen des Widerstandes gegen Castor-Transporte zu entziehen, um strafrechtlich verfolgt werden zu können.
„Im Herbst 2010 hatten wir – gemeinsam mit über 1500 weiteren Atomkraftgegnern – eine Absichtserklärung zum „Schottern“ gegen den Castor unterschrieben. Die Staatsanwaltschaft Lüneburg sieht darin eine Aufforderung zu Straftaten. Dieser Vorwurf ist völlig haltlos. Rein juristisch gesehen ist diese Erklärung gar keine Aufforderung zu einer Straftat, sondern eine Absichtserklärung, die gar nicht strafbar ist. Politisch ist dieser Versuch der Kriminalisierung noch viel haltloser, denn nicht das Schottern gegen den Castor ist ein Verbrechen, sondern die Atompolitik der Bundesregierung.
Solange noch ein AKW in Deutschland läuft, solange noch ein AKW anderswo in der Welt von Deutschland mit gebaut oder finanziert wird, werden wir uns das Recht auf zivilen Ungehorsam nicht nehmen lassen, weder vom Deutschen Bundestag noch von einer Staatsanwaltschaft in Lüneburg.
Die Mitglieder des Bundestages von CDU/CSU, FDP, SPD und Grünen – ja, auch Grüne! – die jetzt für eine Strafverfolgung der ‚Schotterer‘ gestimmt haben, seien daran erinnert, dass es ganz allein der Anti-AKW-Bewegung zu verdanken ist, dass wir jetzt Anfänge einer Energiewende in Deutschland sehen. Nur der vielfältige Widerstand, der jahrzehntelange Protest aus der Breite der Bevölkerung hat doch erst diese Ablehnung von AKWs entstehen lassen, hat doch Merkel nach der furchtbaren Katastrophe von Fukushima 2011 gar keine andere Wahl mehr gelassen als einen Atomausstieg zu beschließen.
Die Linke lehnt diesen Atomausstieg ‚light‘ zwar ab, weil er zu langsam ist, zu halbherzig und immer noch umkehrbar. Aber zumindest erkennt mittlerweile eine große Mehrheit in der Bevölkerung und – das ist neu – auch im Bundestag an, dass die Gefahren der Atomkraft lebensbedrohlich und nicht beherrschbar sind, dass AKWs niemals sicher sind.
Wir in der LINKEN Bundestagsfraktion hatten damals gemeinsam entschieden, dass wir nicht auf das Angebot einer Einstellung des Ermittlungsverfahrens gegen Zahlung einer Spende eingehen werden, um ein für alle Mal die Legalität der Schottererklärung feststellen zu lassen. Juristisch ist die Situation folgende: In der Erklärung wird von niemandem verlangt, ein ganz bestimmtes, zweckgerichtetes kriminelles Tun zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort zu vollziehen – nur dann ist der Tatbestand des „Aufrufes“ zu einer Straftat erfüllt. Unsere Unterschriften unter der Absichtserklärung sind keine Straftaten – das Schottern selbst ist es übrigens aus unser Sicht auch nicht, aber darum geht es in diesem Verfahren gar nicht.
Wir fordern die Einstellung der Verfahren gegen uns und alle anderen Beschuldigten.
Für einen lebendigen, kreativen Widerstand gegen die Atommafia!“

1 LeserInnenbrief zu "Atomkraftwerke sind das Verbrechen – nicht der Widerstand dagegen!" vorhanden:

LeserInnenbrief(e) zu "Atomkraftwerke sind das Verbrechen – nicht der Widerstand dagegen!" als RSS


 

9. Nov. 2012, 12:23 Uhr

LeserInnenbrief von Wolfgang Dominik:

Vor ca. 40 Jahren war genau das Lernziel einer meiner ersten Unterrichtsreihen! Politische Bildung in der Schule hat also doch Erfolg – etwas zeitlich verzögert!


Terminmitteilungen bitte an
redaktion@bo-alternativ.de