Freitag 28.09.12, 18:38 Uhr
kreative Attacke:

Bonzentanzen im Reichenblock

Attac Bochum hält auf der morgigen UmFAIRTeilen-Demo auch einen Block für Reiche frei. Mit dem so genannten Bonzentanzen sollen Reiche und all diejeningen, die sich dafür halten, einen Raum erhalten, wo sie ihren eigenen Protest ausdrücken können. “Reiche hatten schon immer ein anderes Verhältnis zum fairen Teilen und zum Recht auf Teilhabe. Sie sind aber Teil dieser Gesellschaft, ja ohne sie gäbe es diese gar nicht – und deswegen gehören sie auch auf der Demo dazu”, erklärt die attac-Aktivistin Miriam Meckler. “Die Reichen sind nicht schuld an der unfairen Verteilung und es ist einfach blöd, sie persönlich anzugreifen. Schuld sind die politischen Strukturen, die wir wählen.” Weiter schreibt attac:
»”Wir haben nichts zu fairteilen”
Das Angebot der Fairness nehmen die Vermögenden schon im Vorfeld dankbar an. Mehrere Reiche haben bereits ihre Teilnahme beim Bonzentanz-Block zugesagt. “Ich bin auf jeden Fall dabei”, sagt Aribert van Harnheim. Harnheim hat gut an Grundstücken verdient und zählt sich selbst zu den oberen Zehntausend. Seinen Namen kennt man bisher kaum, doch mit dem Reichenblock soll damit Schluss sein. “Wir müssen endlich an die Öffentlichkeit gehen, damit klar wird, dass wir nichts zu fairteilen haben”, beschwört Harnheim, der mittlerweile Großbauer, Schiffseigner, Shoppingmall- und Fondsbetreiber in einer Person ist. “Wir zahlen in Deutschland die meisten Steuern, arbeiten 60 Stunden die Woche, unsere Kinder lernen fünf Sprachen, wir spenden für die Wohlfaht – und jetzt sollen wir an der Misere schuld sein und noch mehr dafür zahlen?”
“Wenn wir nicht wären, wäre hier gar nichts.”
Harnheim weiß auch von seinen Freunden, dass sie sauer sind. Das Anspruchsdenken der Mitte und der bildungsfernen Schichten dauere die Vielbesitzer. “Leistung muss sich lohnen. Wir sind produktiver, fleißiger, sparsamer und effizienter als die meisten der nicht umsonst so genannten breiten Masse”, verrät Harnheim das Geheimnis des Erfolges. “Wir entscheiden, gestalten und schaffen hier schließlich Arbeitsplätze. Von nichts kommt nichts. Wenn wir nicht wären, wäre hier gar nichts”, regt sich der vor Sorgen ergraute Mann auf. Arbeitslosigkeit, Niedriglöhne, Rentenlücke, Gesundheitssystem, Preise, Klimawandel, Energiewende, Bildungsnot, Schlaglöcher. Was bitte, sollten sie denn noch alles finanzieren, fragt Harnheim. “Irgendwann ist Schluss, und das ist jetzt. Dafür gehen wir auf die Straße. Zum allerletzten Mal”, verspricht Harnheim. Sollte das nicht den nötigen Wandel bringen, werde man eben andere Seiten aufziehen, wird Harnheim deutlich. Schließlich habe man beste Verbindungen. “Wir haben nichts mehr zu verlieren” sei inzwischen das Motto der zu allem bereiten Vermögenden. Dann würden eben Verhältnisse wie in Griechenland und Spanien die Regel sein. “Streiks und gewalttätige Proteste mit Dutzenden von Verletzten, Schwerverletzte, sinnlose Wut und zerstörtes Eigentum, Umbruch und Wandel, das will doch niemand”, appelliert Harnheim an die Vernunft.
“Jeder ist seines Glückes Schmied!”
Deswegen haben Harnheim und andere die gesammelten Formeln ihres selbst gemachten Erfolges zusammen getragen. Auf der Demo im Reichenblock wollen sie sie auf Transparenten und Bannern publik machen. Von “Ohne Fleiß keinen Preis”, über “Erst die Arbeit, dann das Vergnügen” bis zu “Wahre Schönheit kommt von innen” und “Leistung aus Leidenschaft” reicht die Palette an Wahrheiten, die Reichtum und Gerechtigkeit erst möglich machen. “Es sind über hundert Slogans und Claims der Leistungsgesellschaft, die die Diskussion um die leidige Verteilung verändern sollen”, verspricht Harnheim. Er und seine Freunde stellen diese Haltungsrichtlinien auf der attac-Bochum-Webseite zum Download und zur Inspiration zur Verfügung. “Wir hoffen”, sagt Harnheim, “dass sich möglichst viele zur gerechten Verteilung bekennen und unserer Vision einer gerichteten Gesellschaft folgen. Wir laden alle ein, unsere seit langem gültigen Sinnsprüche auf persönlichen Plakaten zu verwenden und sich damit einzureihen in unseren Blcok. Denn wie heißt es immer so schön: Jeder ist seines Glückes Schmied!”
attac-Bochum stellt folgende Sprüche auf www.attac-netzwerk.de/bochum zum Download und zur Inspiration für die Demo bereit.
Am Ende kriegt Ihr gar nichts
Arbeit hat noch niemandem geschadet
Arbeit ist das halbe leben
Arbeit ist das Salz des Lebens
Arbeitet gefälligst selbst
Armut ist Freiheit
Bleibt auf dem Teppich
Da könnte ja jeder kommen
Dafür haben wir hart gearbeitet
Das Boot ist voll
Das ist doch kein Argument
Das ist nicht unser Bier
Das kann doch nicht so schwer sein
Das könnt Ihr doch auch
Das Leben ist kein Ponyhof
Das Private ist politisch
Die Rente ist sicher
Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer
Erst die Arbeit, dann das Vergnügen
Es ist nicht alles Gold, was glänzt
Es ist unser gutes Recht
Esst mehr Vollkornbrot
Eure Armut kotzt mich an
Früher war alles besser
Geht doch nach drüben
Geht lieber arbeiten!
Geld oder Leben?
Gelernt ist eben gelernt
Genug ist genug
Guter Geschmack ist eben teuer
Gutes Geld für gute Arbeit
Hunde, die bellen, beissen nicht
Ihr bedroht den Frieden
Ihr bekommt alles, wir müssen dafür zahlen
Ihr braucht uns, wir euch nicht
Ihr habt die falschen Freunde
Ihr habt doch die Wahl
Ihr könnt nicht alles haben
Ihr seid dekadent
Ihr seid nur neidisch
Ihr seid nur zu faul
Irgendwann ist Schluss
It’s lonely at the Top
Jeder ist seines Glückes Schmied
Jeder kann es schaffen
Kann halt nicht jeder
Kein Staat auf unsere kosten
Kein Wandel ohne uns
Keine Energiewende ohne uns
Kommt Ihr erst mal so weit
Kommt uns nicht zu nahe
Kunst kommt von Können
Leben und leben lassen
Leistung aus Leidenschaft
Lernen, lernen, lernen
Mehr Armut wagen
Mehr privat, weniger Staat
Money for nothing
Morgenstund hat Gold im Mund
Nehmt jede Arbeit an!
Neid ist der Vater der Missgunst
Nichts ist geschenkt
Niemand muß hier hungern
Niemand will eine Mauer bauen
Nur kein Neid
Öfter mal Urlaub machen
Ohne Fleiss kein Preis
Ohne uns ist alles nichts
Pack schlägt sich, Pack verträgt sich
Privat vor Staat
Reden ist Silber, Schweigen ist Gold
Reichtum muß sich wieder lohnen
Sag zum Abschied leise Servus
Sauer macht lustig
Schluss mit der Neiddebatte
Schluss mit der römischen Dekadenz
Seid doch froh
Seid nicht ungerecht
Sich regen bringt Segen
Slogans für umfairteilen-Demo
So gut wie Ihr möchten wir es auch mal haben
So schön möchten wir es auch mal haben
Sonst gehen wir ins Ausland
Sparen, sparen, sparen!
Umsonst ist der Tod
Uns hat auch niemand etwas geschenkt
Unsere Kinder arbeiten auch hart
Unsere Kinder liegen dem Staat nicht auf der Tasche
Von Geld ist noch keiner satt geworden
Von nichts kommt nichts
Vorsprung durch Technik
Wahre Arbeit, wahrer Lohn
Wahre Schönheit kommt von innen
Ware Arbeit, wahrer Lohn
Warum sollten wir noch mehr fairteilen?
Was recht ist, soll auch Recht bleiben
Was wollt Ihr denn noch?
Was wollt Ihr eigentlich noch?
Weg mit dem Grundeinkommen
Wenn Ihr wüsstet
Wer hat, dem wird gegeben
Wer im Glashaus sitzt, soll nicht mit Steinen schmeissen
Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen
Wer nicht gelernt hat, soll hinterher nicht jammern
Wer nicht wagt, der nicht gewinnt
Wer Ordnung hält ist nur zu faul zu suchen
Wer spart in der Not …
Wer wird denn gleich in die Luft gehen
Wer zweimal mit derselben pennt, gehört schon zum Establishment
Wer, wenn nicht wir?
Wiederholen ist gestohlen
Wir arbeiten 16 Stunden täglich
Wir armen Reichen
Wir ernähren uns gesund
Wir geben schon genug
Wir geben schon viel zuviel!
Wir haben auch mal klein angefangen
Wir haben damit nichts zu tun
Wir haben eine 60-Stunden-Woche
Wir haben es verdient
Wir haben Euch nichts getan
Wir haben hart dafür gearbeitet
Wir haben in Deutschland Chancengleichheit
Wir haben nichts zu verschenken
Wir kaufen nur Bio
Wir können uns den Sozialstaat nicht länger leisten
Wir rauchen und trinken nicht
Wir sind der Staat
Wir sind die Gallier
Wir sind eben wer
Wir tragen keine Jogging-Hosen
Wir zahlen Eure Schulden
Woanders is’ noch schlimmer
Wollt Ihr etwa unseren Job machen?«

 
 
 
 


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