Sonntag 26.08.12, 14:29 Uhr

Antifa-Camp im ganzen Ruhrgebiet

Das in Dortmund geplante Antifa-Camp ist immer noch verboten. In einer Stellungnahme der OrganisatorInnen heißt es: »Seit Freitagabend, den 24.08., starten die Aktionen rund ums Antifacamp vom AZ Mülheim aus – 30 Fahrtminuten von Dortmund entfernt. Die Stadt Dortmund hatte am Donnerstagnachmittag kurzfristig dem Antifacamp die vorab zugesicherte Genehmigung entzogen, im Tremoniapark zwischen Dorstfeld und dem Kreuzviertel zehn Tage lang zu campen. Begeistert sind von dieser Verweigerungshaltung gegenüber einer breit unterstützten Idee weder die Camporga noch die angereisten Campenden, die jetzt die ersten beiden Nächte im AZ Mülheim verbracht haben. Dennoch ist der Wille zum Aktionismus nicht getrübt – das Programm findet größtenteils wie geplant statt. Aktuelle Änderungen zu Ort und Zeit finden sich stets aktualisiert auf der Homepage.
Auch die Stimmung ist enthusiastisch – die Plena sind voll und entscheidungsfreudig, und die Anwesenden entwickeln allmählich Spaß daran, mehrmals am Tag durch das Ruhrgebiet zu tingeln. „Auch so kann antifaschistische Präsenz gezeigt werden – auf der Regionalbahnlinie im Ruhrgebiet. Wir hatten schon spannende Gespräche mit Leuten aus Dortmund in der Bahn – und von denen wollte danach niemand mehr die SPD wählen“, sagt Anna Potzetzki, einer der Pressesprecherinnen des Camps. Die gute Organisation des Antifacamps und die lange Vorbereitungszeit zahlen sich aus – das „Exil“ in Mülheim läuft problemlos und die Campenden fühlen sich gut aufgehoben. Die Leute pendeln für Aktionen gemeinsam nach Dortmund, in Mülheim finden einige Abendveranstaltungen statt. So gab es am Samstag eine Demo gegen die Verhinderung des ursprünglich geplanten Camports durch die Stadt Dortmund mit 150 Teilnehmern, abends gab es ein gut besuchtes Konzert mit Yok und Sniffing Glue. Die für Sonntag geplanten Veranstaltungen finden ebenfalls zu leicht veränderten Zeiten statt – wirklich abgesagt werden musste nichts. Dennoch wollen die Antifas nach wie vor ein Camp in Dortmund aufbauen. Am Samstagabend wurde bei der Polizei Dortmund vom Antifacamp eine Dauerkundgebung im Tremoniapark angemeldet – ab Montag. „Unser Programm steht und ist wichtiger Bestandteil des Antifacamps, es geht aber auch um politische Präsenz und Antifaschismus vor Ort. Die letzte Woche hat gezeigt, dass Antifaschismus für die politischen Verantwortlichen in der Stadt Dortmund – Razzien hin oder her – ein Fremdwort ist.”, so Anna Potzetzki. “Die Antifaschisten aus den in Dortmund seit langem aktiven Bündnissen wie Alerta und DSSQ und eben jetzt auch wir erhalten bestenfalls Lippenbekenntnisse. Das muss sich ändern.“ Mit der Meinung steht das Orgateam nicht allein da. Über 200 Initiativen und Privatpersonen haben bereits die Solidaritätserklärung für das Antifacamp auf jetzterstrecht.noblogs.org unterstützt – und die Zahlen steigen. Zudem werden mit dem Ende der Großdemo in Rostock noch viel mehr Campingfreunde im Ruhrgebiet erwartet.«

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26. Aug. 2012, 20:19 Uhr

LeserInnenbrief von Jakob Spatz:

Das Verbot des Antifa-Camps ist eine schöne Gelegenheit auf den Kern der Extremismus-Theorie hinzuweisen. Antagonist des “Extremismus” ist diesem Ansatz zufolge der Staat. Und er allein, nicht der oder die Schwarze am Dortmunder Hbf, die Jüdische Gemeinde oder der Ermordete Punk ist folgerichtig Opfer von Nazigewalt. In den Worten von Präsident Gauck ist denn an dem Pogrom von Rostock vor zwanzig Jahren vor allem der Verlust des staatlichen Gewaltmonopols zu beklagen:”Demokratie muss wehrhaft sein und darf sich das Gewaltmonopol nicht aus der Hand nehmen lassen” (http://www.zeit.de/politik/deutschland/2012-08/lichtenhagen-gedenken-gauck).

Oder der Staat sucht sich eben auch nicht Opfer, je nachdem ob das gewaltsame Treiben der Nazis ihm in den Kram passt. Wer von Extremismus redet, fordert diese Unterscheidungsmacht für den Staat ein. Und die Opfer rechter Gewalt können höchstens darauf hoffen, dass der Staat in ihrem Leid einen Angriff auf seine Steuerungsfähigkeit sieht. Sie selbst zählen nicht. Sie sind nicht einmal in dem Ansatz vorgesehen, die nur zwischen Demokratie und Extremismus unterscheidet.


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