Samstag 14.07.12, 18:45 Uhr

RUB in der Finanzkrise

Das Protestplenum an der Ruhr-Uni schreibt auf seiner Webseite: »Wie die WAZ am 13.07.2012 berichtete, muss die Ruhr-Universität Bochum bis 2015 mit einem jährlichen Minus von 9,2 Millionen Euro haushalten.  Das Protestplenum freut sich, dass endlich jemand an einem Problem Interesse zeigt, auf welches wir schon Ende Februar im Zuge der Proteste gegen die Exzellenzinitiative hingewiesen hatten. Jedoch kommen wir nicht umhin, Kritik an der vermeintlichen Nicht-Verantwortung der Universitätsverwaltung an dem Haushaltsdefizit zu üben. In dem WAZ-Artikel wird der Eindruck erweckt, dass vor allem Dingen die fehlende Zahlungsmoral der Landesregierung für das Defizit verantwortlich ist. Es ist allgemein bekannte Tatsache, dass die Landesregierungen in ganz Deutschland die Universitäten nicht mehr voll ausfinanzieren und das schon seit Jahren. An der RUB z.B. wurde seitens der Studierenden auf diese Entwicklung schon in den 90er Jahren aufmerksam gemacht.
Die Exzellenzinitiative stellt dabei nur die Spitze eines Eisberges dar, welcher konstruiert wurde, damit die Länder den Universitäten weniger Geld zur Verfügung stellen können. Stattdessen sollen die Universitäten selber Geld eintreiben – und zwar bei der Wirtschaft. Damit zusammen hängt auch die Implementierung der Hochschulräte, welche personell aus Hochschul-Externen, dafür aber Wirtschafts-Unternehmen-Internen Personen bestehen. Es ist daher auch nicht verwunderlich, dass die RUB weder die einzige Universität in NRW, noch in Deutschland ist, welche mit den Finanzen zu kämpfen hat und so ihre originäre Aufgabe vernachlässigen müssen.
Wichtig ist, den Gesamtkomplex Universität und Bildung zu betrachten. Die Universitäten wurden in den letzten Jahren umfunktioniert zu Wirtschaftsunternehmen, welche schwarze Zahlen schreiben und sich dem Dogma des (internationalen) „Wettbewerbes“ um „Kunden“ (ehemals Studierende) und Finanzmittel, unterwerfen sollen. Dies hat zur Folge, dass einigen Fakultäten viele Mittel zur Verfügung stehen (Ingenieurs- und Naturwissenschaften) und anderen eben weniger (Geisteswissenschaften und Lehrerausbildung). Das Paradoxe an der Situation ist jedoch, dass diese Geldverteilung nicht den Einschreibungen von Studierenden in diesen Bereichen entspricht, sondern sogar gegenläufig ist. An der RUB jedenfalls sind weiterhin die meisten Studierenden in den Geisteswissenschaften eingeschrieben, nämlich etwa 2/3.
Es ist also richtig Kritik an der Landesregierung zu üben. Jedoch sollte die Rolle der Universitätsleitungen und -verwaltungen nicht übersehen werden. Die Probleme, die die RUB jetzt hat, waren weder unvorhersehbar, noch kamen sie plötzlich und unerwartet. Die Universitätsleitung jedoch zeigt sich seit Jahren resistent gegen die Aufforderung, dass auch sie eine Verantwortung hat. Eine Universität zu leiten ist nämlich nicht nur eine Ehre und der geeignete Raum, sich ein persönliches Denkmal zu setzen; Sie ist auch eine Pflicht gegenüber den Angehörigen der Universität. Seit Jahrzehnten sind es immer nur die Studierenden, die solch große Probleme öffentlich machen und diese auch öffentlich an geeigneter Stelle (hier: Landesregierung) ansprechen. Und wenn einem jetzt versichert wird, man befände sich in Gesprächen mit der Landesregierung um das Problem zu lösen, dann ist damit sicher nicht gemeint, dass die Universitätsleitungen mal Klartext mit der Landesregierung reden und eine grundsätzliche Neustrukturierung der Mittel für Bildung verlangen. Das zeigt schon allein die Arbeit in hochschulpolitischen Gremien wie dem Senat oder seinen Kommissionen, wo die meist gehörte Antwort auf (kritische) Nachfragen folgende ist: „Wir unterliegen aber diesen Sachzwängen“. Das zeigt uns der jahrelange Kampf um ein bisschen Gehör für die Ideen der Studierenden.
An der RUB fehlt es nicht nur an Geld, weil die Landesregierung Stellen, die gar nicht besetzt sind, nun auch nicht mehr bezahlen will. An der RUB, wie auch an jeder anderen Uni, fehlt es an Geld, weil die, die sich sonst immer als die Verantwortlichen bezeichnen, entweder den Mund nicht aufkriegen oder die tatsächlichen Ursachen für die Probleme gar nicht sehen oder sogar nicht sehen wollen. Es ist nicht damit getan, jetzt bei der Landesregierung um mehr Geld für Heizkosten zu fragen. Denn das würde erst recht nicht das Problem lösen, dass die Universitätsverwaltung ständig die Gelder in den Töpfen hin und her schiebt und so einiges zweckentfremdet wird (wie z.B. einige Kosten im Topf für Lehre, welche jetzt für Heizkosten ausgegeben werden). Bei der Landesregierung und bei der Universitätsleitung muss ein Umdenken einsetzen. Ein Umdenken in der generellen Finanzierung der Universitäten, welche einhergehen muss mit einer neuen Sicht auf die Funktion einer Universität in einer Gesellschaft. Die Forderung unsererseits bleibt, wie schon seit Jahrzehnten: Die Bundesländer müssen die Universitäten komplett ausfinanzieren, um den freien Geist der Wissenschaft sicher zu stellen.«

 
 
 
 


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