Samstag 19.05.12, 23:11 Uhr

Bericht aus Frankfurt

Sie füllten einen ganzen Doppeldeckerbus, die Aktivisten von Occupy Bochum, DIDF und anderen Organisationen, die am frühen Samstagmorgen zum Abschluss der europäischen Blockupy-Aktionstage nach Frankfurt fuhren. Und die Stimmung war ausgezeichnet, auch wenn die Präsenz der Polizei schon vor der Einfahrt in die Stadt massiv war: Buskontrollen, einmal alle MitfahrerInnnen gefilmt, alle einzeln von zwei PolizeibeamtInnen gefilzt, in jede Tasche gefasst, alle Rucksacktaschen untersucht und Dinge zu Tage gefördert, die die Inhaber längst verloren geglaubt hatten, anschließend den Bus untersucht, währenddessen alle hinter Flatterband in der “Polizei-Absperrzone”. Dabei ein geheimnisvolles Ding in Aluminiumfolie entdeckt, das unter Aufsicht ausgepackt: Getrockneter Ingwer! Gut gegen Reisekrankheit, erklärte einer der Mitfahrer.
Am Startpunkt der Demo dann zunächst Ernüchterung. Das sah nicht nach fünfstelligen Teilnehmerzahlen aus. Vielleicht hessische Demokultur, die kommen spät aber dann massenhaft. Sicher geschuldet den Buskontrollen. Und tatsächlich, die Auftaktkundgebung begann mit griechisch-satirischen Klängen und der Baseler Platz füllte sich allmählich bis zum Bersten. International nicht nur die kämpferischen Reden. Sie wurden auch im Laufe des langen Demozugs auf den Lautsprecherwagen auch auf Englisch übersetzt. Auch die Demoteilnehmer kamen nicht nur aus dem benachbarten Ausland. Es gab ganze Blöcke aus Frankreich, Spanien, Griechenland, Italien, Portugal, Belgien, Chile und anderen.
Zunächst zogen alle Blöcke in vorgegebener Reihenfolge los, die ohne Organisation sollten sich lustigerweise hinten anschließen. Das mussten schon mehr als Zehntausende sein. Der starke antikapitalistische Block in der Mitte war schwarzbunt und wurde relativ bald auf dem langen Weg am Main entlang auf die andere Seite von Bank-City von starken Polizeischränken in die Mitte genommen. Überhaupt die Polizei: Soviel schwarzer Block war nie! In der Bullenhitze konnten die Demo-Teilnehmer viel Haut, die BeamtInnen aber nicht mal ihr Gesicht zeigen. Teilweise vermummt, immer vollverkleidet, hochgerüstet und mit ausgebeulten Taschen für Reizgas und auf dem Rücken Feuerlöscher, zogen sie mit oder blockierten die Nebenstraßen. Auf die Frage eines Teilnehmers, warum sie denn aussähen wie Marsmenschen, antworteten sie, dass sie nicht mit den Demonstranten reden dürften.
Jeweils mit zwei Reihen machten die Beamtinnen von rechts und links den Weg sehr eng für den Antikap-Block und teilweise gab es große Lücken im Zug. Doch die Teilnehmer gaben den Provokationen nicht nach und auch beim Zug durch die abgesperrte Innenstadt, dann ohne Hitzeschild durch die Robocops, hielten sich alle an den Aktionskonsens: keine Eskalation von seiten der Demo, auch wenn immer wieder zu spüren war, wie gern die schwarzen Ritter ihren Einsatz gerechtfertigt hätten. Im Schatten der Bankentürme zogen dann bestimmt mehr als Zwanzigtausend in die Taunusanlage zur Abschlusskundgebung. Die BürgerInnen der Stadt wurden an den Kreuzungen mit den Einkaufsstraßen komplett von einer Teilnahme abgehalten, obwohl die Demo bunt, einladend und familenfreundlich war.
Die Taunusanlage vor der EZB durfte dann bis zum Ende der Abschlusskundgebung niemand verlassen, alles war komplett abgeriegelt. Selbst Kinderwagen kamen nicht durch und mussten den halben Weg der Demo zurück, um vor Ende herauszukommen.
Insgesamt jedoch war es ein Erfolg, trotz oder gerade wegen der massiven Polizeipräsenz und den Einschüchterungsversuchen, der doch hohen Teilnehmerzahl, mit hoher inter- und antinationaler Beteiligung. Damit konnte Blockupy ein deutlich sichtbares Zeichen der internationalen Solidariät setzen, gegen das autoritäre Krisenmanagement und die Verarmungspolitik der Herrschenden, gegen die Entdemokratisierung. Im Bochumer Bus waren auch einige, die noch nie zuvor auf einer so großen Demo gewesen waren. Und sicher hat Frankfurt auch noch nie eine so große, bündnisübergreifende und bunte Demo gesehen. Die BochumerInnen jedenfalls waren zufrieden. “Von mir aus können wir das jetzt jede Woche so machen”, hieß es hinterher sogar noch.

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20. Mai. 2012, 14:39 Uhr

LeserInnenbrief von Jakob Spatz:

Das ist schon voll der Hohn. Da gilt Oskar Lafontaine als den Rechtsstaat gefährdender Extremist und die Polzei führt sich auf sich wie die Miliz von Belarus: Einschüchtern, einkesseln, einfahren.

Da bekommen man und frau schon Lust darauf, mal zur zurückzuhauen. Unter Bedingungen, welche den Cops auferlegen, sich mal an die Regeln zu halten. Und allen Beteiligten Mundschutz oder sontswie benötigter Körperschutz zusteht.Und versprochen wird

Vielleicht hier (vorsicht, Scherz)?

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