Sonntag 08.04.12, 21:45 Uhr

Ostermarsch & geostrategische Studien

Die heutige Ostermarschetappe (siehe Foto-Galerie) endete mit einem äußerst faktenreichen Vortrag von Jörg Kronauer (Foto) im Bahnhof Langendreer. Er zeigte auf, dass die Interessen der führenden westlichen Staaten auf Einflussnahme in den nördlichen arabischen Staaten, in denen Staatsumbrüche erfolgen, nur noch wenig mit einer Abhängigkeit vom Öl aus dieser Region zu tun haben. Von diesen arabischen Staaten werden immer weniger Öl-Barrels in Richtung Westen geliefert. Hauptabnehmer dieser Ölexporte seien asiatische Staaten mit China an der Spitze. Es gehe also um Einflussnahme auf entscheidende Rohstoffquelle der konkurrierenden Weltmacht China. Außerdem entwickele sich der indische Ozean zum zentralen Handelsmeer. Die Straße von Hormus bilde einen der zentralen Handelsweg für Öl. Der Suezkanal ist für deutsche Exporte von entscheidender Bedeutung. Ca. 70 Prozent des deutschen Warenexports nach China werden z. B. über diesen Kanal verschifft. Das reibungslose Funktionieren dieser Handelswege solle also gewährleistet bleiben.
Ausführlich ging Kronauer auch auf den Irankonflikt ein. Seiner Ansicht nach findet ein hegemonialer Kampf im mittleren Osten statt. Das am bevölkerungsreichste arabische Land Iran habe viel Öl und Gas und viele gut ausgebildete BürgerInnen. Die Regierung mache den Anspruch Irans auf eine Vormachtstellung geltend.
In den USA werde z. Z. strittig darüber diskutiert, ob der Iran angegriffen werden solle, bevor er über Atombomben verfügt oder ob eine politische Lösung gesucht werden solle. Kronauer verwies auch auf die entsprechenden Debatten in Deutschland. Hier entwickeln die ExpertInnen der Stiftung Wissenschaft und Politik, die die Bundesregierung berät, eine Position, die auf einen Wandel durch Annäherung setzen. Dies besage aber nicht, dass die Regierung diesem Rat folge.
In seinen Ausführungen ging Kronauer auch auf die religiösen Hintergründe der Auseinandersetzungen ein. Er beschrieb, wie die westlichen Führungsmächte die Beziehungen zu Saudi Arabien ausbauen, um die sunnitischen islamischen Kräfte gegen den überwiegend schiitischen Iran zu stärken.
Abschließend ging Kronauer noch auf die interessante Bedeutung des Emirates  Qatar und des dort ansässigen  arabischen Nachrichtensenders Al-Dschasira ein.  Seiner Einschätzung nach  versucht der Westen, auch hier über intensive Kontakte eine Stärkung von sunnitischen Kräften z.B. in Tunesien und Ägypten gegen den Iran zu erreichen.

 
 
 
 


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