Montag 26.03.12, 13:50 Uhr
Allianz Vermögensbericht: Explodierender Reichtum und ...

…wachsende Armut

Der DGB sieht im Vermögensbericht der Allianz eine Bestätigung für die Notwendigkeit von Lohnerhöhungen und schreibt: »Am kommenden Mittwoch wird im Öffentlichen Dienst weiter verhandelt. Es geht um Lohnerhöhungen für rd. 20.000 Beschäftigte in Bochum und um die Übernahme der Auszubildenden. Die Arbeitgeber von Bund und Kommunen behaupten es gäbe nicht genug Geld um die Erhöhungen zu bezahlen. Jetzt gibt es einen unerwarteten Zeugen für die Gewerkschaftsargumente. Nach dem Vermögensbericht des Versicherers Allianz ist Deutschland das viertreichste Land der Welt. Das Volkseinkommen verdoppelte sich innerhalb von 20 Jahren. Doch der Reichtum ist einseitig verteilt: Unternehmens- und Vermögenseinkommen wachsen doppelt so schnell wie die Arbeitslöhne, die Mitte der Gesellschaft wird immer ärmer. „Deutlicher kann man es kaum formulieren. Statt den Beschäftigten ihren gerechten Lohn vorzuenthalten, sollt sich Politik lieber um Verteilungsgerechtigkeit, ein gerechtes Steuersystem und damit um mehr Einnahmen des Staates kümmern,“ so DGB Regionsvorsitzender Michael Hermund.
Deutschland genießt auch im Jahr 2012 ein ausgezeichnetes wirtschaftliches Ansehen im Ausland. Deutschland ist laut Allianz „Vermögensbericht 2011“ mit 4.934 Milliarden Euro Geldvermögen nach den USA, Japan und Großbritannien das viertreichste Land der Welt.
„Erreicht wird dies durch die Arbeit von den Millionen gut ausgebildeten, zuverlässigen und fleißigen Beschäftigten. Aber der Schein trügt. Geldvermögen bleibt für die Hälfte der Bevölkerung ein Wunschtraum. Lohnerhöhungen sind notwendig damit die Schere zwischen Arm und Reich nicht noch weiter auseinander geht“, so Hermund. Laut Allianz Vermögensbericht haben „untere Einkommensschichten und Teile der Mittelschicht in der Regel kein oder nur ein sehr geringes Vermögen“.
Das ist aber angesichts der ungleichen Verteilung von Einkommen und Vermögen nicht verwunderlich. Das Volkseinkommen stieg zwischen 1991 und 2010 um 56 Prozent, Arbeitnehmerentgelte stiegen um 47 % aber Unternehmens- und Vermögenseinkommen sind um 78 Prozent angestiegen.
Diese ungleiche Einkommensverteilung ist auf die Expansion des Niedriglohnsektors zurückzuführen. Laut einer Studie der Universität Duisburg-Essen stieg die Anzahl der Beschäftigten im Niedriglohnsektor seit 1995 um 42 Prozent. Inzwischen arbeiten fast 8 Millionen Menschen im Niedriglohnsektor und erhalten durchschnittlich 6,68 Euro in West- und 6,52 Euro pro Stunde in Ostdeutschland, wobei gut 4,1 Millionen weniger als sieben Euro und davon 1,4 Millionen sogar weniger als fünf Euro brutto pro Stunde bekommen. Während diese Menschen zunehmend den Anschluss am allgemeinen Wohlstand verlieren, erhöhen sich die Managergehälter und Dividenden der Aktionäre und anderer Vermögenden. Das drückt sich im Anstieg des privaten Geldvermögens aus. In zwei Jahrzehnten stieg es viermal schneller als die Arbeitseinkommen.
„Reichtum lohnt sich von Jahr zu Jahr immer mehr. Und den Armen wird nicht einmal einen Mindestlohn von 8,50 Euro zugestanden, “ beklagt Hermund. „Die untere Hälfte der Gesellschaft driftet ab, sie wurde immer ärmer gemacht: Durch ungerechte Steuern, Niedriglöhne, Hartz IV und Rentenkürzungen.“«

 
 
 
 


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