Samstag 03.03.12, 10:38 Uhr

100. Todestag von Heinrich Kämpchen

Der DGB Ruhr-Mark erinnert an den 100. Todestag  von Heinrich Kämpchen am 6. März 2012. »Er ist der bedeutendste Bergarbeiterdichter des Ruhrgebiets und war zudem aktiver Gewerkschafter. Von Kämpchen stammt der Spruch: „Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott.“ „Der Ausspruch bezog sich auf das blinde Vertrauen der Bergleute in Gott, Kirche und die Obrigkeit um 1850. Er rief damit zur Gründung der Bergarbeitergewerkschaft auf,“ so DGB Regionsvorsitzender Michael Hermund. Die schlechten Arbeitsbedingungen im Bergbau erlebte H. Kämpchen durch seinen Vater und später am eigenen Leib. Schon früh engagierte er sich für die Rechte der Bergleute.
Politisch stand er der Sozialdemokratie nahe. Mit Inkrafttreten der Sozialistengesetze 1878 kommt er auf die Schwarze Liste, polizeilichen Überwachungslisten, die im Rahmen der Verfolgung von Sozialdemokraten angelegt worden sind. Obwohl 1890 das Sozialistengesetz seine Gültigkeit verloren hat, bleibt er weiterhin unter Überwachung der Obrigkeit.
Nach dem Bergarbeiterstreik 1889 fand er als Streikführer auf der „schwarzen Liste“ stehend keine Arbeit mehr. 1892 wählten ihn die Kollegen in den Kontrollausschuss des Alten Bergarbeiterverbandes. „Kämpchen war Vorbild und als Gründungsvater der Gewerkschaften im Ruhrgebiet eine herausragende Persönlichkeit der Arbeiterbewegung“, so Hermund.  An seiner Beerdigung in Linden (heute Stadtteil von Bochum) nahmen 4.000 Menschen teil. ln Linden erinnert eine Gedenktafel an das Wirken von Kämpchen.
Er war einer der talentiertesten sozialistischen Dichter seiner Zeit, der vor dem Hintergrund  seines geliebten Ruhrgebiets mit großer Emotionalität die Sorgen und Nöte der Bergarbeiter thematisierte. Vorbild war ihm die engagierte Vormärzlyrik, während er politisch von Ferdinand von Lassalles Schriften beeinflusst wurde. Erste Veröffentlichungen erscheinen 1889. Mit der im selben Jahr wöchentlich erscheinenden „Deutschen Bergarbeiter Zeitung“ erhält er ein Forum, das seine Werke regelmäßig veröffentlicht. Er verfasste auch den Text für das „Internationale Knappenlied“, das in sozialistischen Kreisen weite Verbreitung fand.
Viele seiner Gedichte geben die Arbeitsbedingungen des Bergmannes so anschaulich und konkret wieder wie es nur ein Autor schildern kann, der selbst unter Tage gearbeitet hat.«

 
 
 
 


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