Sonntag 26.02.12, 17:08 Uhr

update! rubleaks – exzellente Dokumente

Die Uni-Leitung möchte aus der Ruhr-Uni gern eine Elite-Uni machen. Die BegutachterInnen der Exzellenzinitiative statten der Ruhr-Uni am 28./29.2 einen Besuch ab. Am Freitag fand die Generalprobe statt. Das Protestplenum an der Uni wartet nun mit einer Überraschung auf und schreibt auf seiner Webseite: “Die Exzellenzinitiativen-Generalprobe am Freitag verlief ohne größere Zwischenfälle. War ja auch gut bewacht. Nur hat ein Teilnehmer dummerweise die streng geheimen Handouts mit dem Ablaufplan in der Mensa liegen lassen. Das ganze scheint ein ziemlich abgekartetes Spiel zu werden – wenn das die GutachterInnen wüssten. Einen Auszug wollen wir an dieser Stelle veröffentlichen.” Der veröffentlichte Auszug als PDF-Datei. Am Sonntagabend hat das Protestplenum eine ausführliche Presseerklärung zu dem Thema veröffentlicht:»Die Ruhr-Universität Bochum (RUB) versucht im Rahmen der Exzellenzinitiative den sogenannten Elitestatus zu erlangen und einen Teil der  Gesamtfördersumme von 2,7 Milliarden Euro zugesprochen zu bekommen. Für den Rundgang der Wettbewerbsgutachter am Dienstag, den 28.02.2012, kündigt ein Zusammenschluss von Studierenden (das Protestplenum) Widerstand an.
Bei der Exzellenzinitiative werden von der Deutschen Forschungsgemeinschaft und dem Wissenschaftsrat unter den mitmachenden Hochschulen einige ausgewählt, die von Bund und Ländern insgesamt 2,7 Milliarden Euro für sogenannte Spitzenforschungsprojekte bekommen. An der Ruhr-Uni wird sich seit zwei Jahren auf die finale Begehung der Gutachter vorbereitet. “Wir haben Dokumente gefunden aus welchen deutlich hervorgeht, dass die Universitätsverwaltung eine detaillierte Choreographie ausgearbeitet hat”, sagt Andreas Schmidt vom Protestplenum an der RUB. In denen auf der Homepage des Studierendenzusammenschlusses (www.protestplenum.de) einsehbaren Dokumenten ist z.B. zu lesen: “Wenn der Rektor zu einer Frage gesprochen hat, ist Schluss – dazu gibt es keine Ergänzungen”. Ein Mitarbeiter eines Lehrstuhles soll sich nach Informationen der Studierenden bei ihnen beklagt haben, dass Kritik am Verfahren nicht erwünscht gewesen sein soll. “Stattdessen sollten die Teilnehmer an dem Rundgang Englisch-Vokabeln wie Reisekostenabrechnung oder Technologietransfer lernen”, berichtet Schmidt.
Nur Schein – kein Sein?
Die Aktiven des Protestplenums kritisieren auch die kosmetischen Veränderungen, die im Zuge der Bewerbung bei der Exzellenzinitiative gemacht wurden. “Es ist haargenau nachzuvollziehen, wo die Begehung stattfinden wird. Nur auf diesem Weg wurden Flure neu gestrichen, neue Namensschilder an den Büros befestigt und Sitzecken eingerichtet, die vorher nicht da waren”, berichtet Ulrike Tewes von der Generalprobe der Begehung am Freitag, den 24.02.2012. Dies bestätige die Meinung der kritischen Studierenden: “Das ist alles nur eine oberflächliche Show. Die Qualität der Lehre und der Forschung scheint in den Hintergrund gerückt zu sein.”
Defizite und Schönrechnerei
Doch nicht nur das Verfahren, auch die Idee eines Wettbewerbs zwischen den Hochschulen kritisiert das Protestplenum. “Die Milliarden, die es da zu gewinnen gibt, werden offiziell in den Bildungshaushalt hinein gerechnet und helfen so die ungenügende Bildungsfinanzierung zu verschleiern. Dabei wird seit Jahren immer nur gekürzt und schön gerechnet”, so Andreas Schmidt. Insgesamt steht den Hochschulen also trotz Exzellenzinitiative weniger Geld zur Verfügung. Nicht zuletzt deswegen arbeitet die RUB in diesem Haushaltsjahr mit einem Defizit von 16 Millionen Euro. “Und anstatt sich um die
nachhaltige Sanierung des Haushaltes zu kümmern werden weitere Millionen verschleudert um bei diesem Elitewahn mitmachen zu können”, empört sich Ulrike Tewes. “Wir fordern eine angemessene Ausstattung der Hochschulen für Forschung und Lehre, statt auf Kosten aller Hochschulen nur wenige Forschungsprojekte zu fördern!”
Um dieser Forderung Nachdruck zu verleihen, ruft das Protestplenum alle Interessierten dazu auf, den Rundgang der Exzellenzkommission am 28.02.2012 kritisch zu begleiten.«

2 LeserInnenbriefe zu "update! rubleaks – exzellente Dokumente" vorhanden:

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26. Feb. 2012, 17:51 Uhr

LeserInnenbrief von M.:

Schön das die Menshen vom Protestplenum das gefunden haben, wirklich ein lesenswertes Dokument.
Bemerkenswert wieviel Angst die RUB-Leitung vor dem benehmen ihrer Studierenden und Wissenschaftler_Innen hat.


 

26. Feb. 2012, 18:07 Uhr

LeserInnenbrief von Fred:

Ob da nun irgendwer ein Merkblatt mit ein paar Verhaltensregeln liegen gelassen hat oder nicht: Die GutachterInnen wissen auch ohne diesen eingescannten Zettel was da passiert. Für hierarchisch strukturierte Organisationen wie (Universitäts-)Verwaltungen ist es überhaupt nichts ungewöhnliches Verhaltenskodizes für ihre Mitglieder aufzustellen, wenn sie mit externen Akteuren zu tun haben. Auf weniger formelle Art und Weise tun das Gruppen aus sozialen Bewegungen ja auch.


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