Mittwoch 11.01.12, 14:23 Uhr

Neujahrsempfang der Linksfraktion

Die Linksfraktion im Rat der Stadt Bochum schreibt: »Der Ort für ihren diesjährigen Neujahrsempfang – das Museum Bochum – hatte die Linksfraktion nicht zufällig gewählt. Auch das Museum steht unter dem Damoklesschwert der Haushaltskürzungen. FDP und Grüne blasen bereits seit Längerem zur Schließung dieses wichtigen Kulturguts in Bochum. „Man brauchte keine hellseherischen Fähigkeiten, um zu ahnen, dass auch das Museum von den Haushaltsberatungen betroffen sein würde“, so der Fraktionsvorsitzende Uwe Vorberg. Darüber wie brisant es für das Museum würde, war die Linksfraktion doch erstaunt. Zur heutigen Sitzung des Lenkungsausschusses wird der Vorschlag, das Museum ganz zu schließen, von der Bezirksregierung Arnsberg unterbreitet. Als Begründung ist zu lesen: Das Kunstmuseum wird zeitgleich mit dem Ausscheiden des Museumsleiters aus dem Dienst der Stadt Bochum geschlossen. „Mit dem gleichen Grund könnte man vorschlagen: Mit dem Ausscheiden der Oberbürgermeisterin wird das Rathaus geschlossen“, erwiderte Vorberg in seiner Neujahrsrede.
Während ein wesentlicher Baustein der Bochumer Kulturszene abgewickelt werden soll und die Gebühren an der Musikschule so steigen, dass sich normale Familien keinen Unterricht mehr leisten können, hält die große Mehrheit an dem – aus Sicht der Linksfraktion absurden – Plan fest, ein Konzerthaus zu bauen. Obwohl die Finanzierung weiter offen ist und die Unterhaltungskosten die Stadt dauerhaft stark belasten werden. „Hier wird ein Potemkinsches Dorf aufgebaut, um über den Verlust von sozialer und kultureller Substanz in der Stadt hinwegzutäuschen“, meint Vorberg. „Mit unserer Ortswahl wollten wir auch deutlich machen, dass sich DIE LINKE nicht nur gegen die Kürzungen im Jugend- und Sozialbereich wendet, sondern dass uns auch die Kultur sehr wichtig ist.“
Zum zweiten Schwerpunktthema des Abends „Interkulturelle Schulen“ war eigens die Vizepräsidentin des Landtags und bildungspolitische Sprecherin der Linksfraktion NRW angereist. Sie führte aus, dass schon unter preußischer Herrschaft im Ruhrgebiet zweisprachig unterrichtet wurde. Und natürlich durfte auf den Schulhöfen auch polnisch gesprochen werden. Sie betrachtet den Unterricht in der Muttersprache als ein Menschenrecht und kündigte entsprechende Initiativen der Landtagsfraktion dazu an.
Doch neben diesen intellektuellen Ausführungen, wie es die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Bianca Schmolze ausdrückte, gab es auch sinnliche Genüsse für Augen, Ohren und Gaumen. Die vor Beginn des Empfangs angebotene Einführung in die Ausstellung „Niemandslicht“ mit Fotografien von Ursula Schulz-Domburg von Museumsleiter Hans Günter Golinski fand regen Zuspruch, genauso wie die kleinen Häppchen und Getränke. Abgerundet wurde der Abend durch Musik von Milli Häuser und Martin Scholz und anregende Gespräche.
Trotz der zum Teil doch unerfreulichen Thematik ist die Linksfraktion mit dem Verlauf des gestrigen Abends und die Resonanz auf den Neujahrsempfang rundum zufrieden. Über 100 Gäste aus Gewerkschaften, Initiativen, Wohlfahrtsorganisationen und der Bochumer Bevölkerung interessierten sich für den Jahresrückblick und waren der Einladung gefolgt. Der besondere Dank der Fraktion gilt neben der Landtagsvizepräsidentin dem Team des Museums.«
Auf der Webseite der Linksfraktion sind Reden, Beiträge und Bilanzen des Neujahrsempfangs zu finden

 
 
 
 


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