Donnerstag 29.12.11, 16:32 Uhr
Analysen im Anschluss an die angloamerikanischen Machtdebatten

Konzeptionen von Macht und Herrschaft

Das Institut für Sozialtheorie lädt am Donnerstag, den 12. 1. um 18.00 Uhr im Hörsaal HGA 20 in der Ruhr-Uni zu einem Vortrag von Hartwig Schuck zum Thema: “Social Power Revisited. Zur Analyse der Konzeptionen von Macht und Herrschaft im Anschluss an die angloamerikanischen Machtdebatten”. In der Ankündigung heißt es: »Kaum ein anderer Grundbegriff der Sozialwissenschaften wird mit so verschiedenen Bedeutungen belegt wie ‚Macht’; um den Herrschaftsbegriff steht es diesbezüglich nicht viel besser. Es ist bemerkenswert, wie friedlich – und wie unproduktiv – in den deutschsprachigen Sozialwissenschaften verschiedenste Konzepte sozialer Macht und Herrschaft koexistieren, die sich teilweise diametral widersprechen.
Poststrukturalistische Ansätze, die an das Werk Foucaults anschließen, haben zu einer radikalen Entgrenzung der Konzeption von Macht beigetragen und dabei eine Reihe theoretischer und normativer Antinomien produziert. ‚Macht’ kann nun alles und nichts bedeuten. Der Begriff ‚Herrschaft‘ wird in poststrukturalistischen Schriften mal synonym mit ‚Macht‘, mal vage abweichend verwendet. Aber auch andere theoretische Schulen hantieren eher lax mit der Terminologie von Macht und Herrschaft. Wesentliche konzeptuelle Fragen, die zu einem besseren Verständnis von Macht und Herrschaft beitragen könnten, werden häufig gar nicht erst gestellt. Damit bleiben auch Möglichkeiten von Emanzipation systematisch unterbelichtet.
Angloamerikanische Machttheorien wie die von Jeffrey Isaac, Thomas Wartenberg, Amy Allen, Dennis Wrong, Clarissa Hayward oder Steven Lukes haben im deutschsprachigen Raum bisher kaum Beachtung gefunden. Sie setzen sich mit den Konzeptionen sozialer Macht und Herrschaft eingehender, systematischer und mit größerer begrifflicher Klarheit auseinander, als es im deutschsprachigen Diskurs über soziale Macht üblich ist. Zudem lässt sich beim angloamerikanischen viel eher als beim deutschsprachigen sozialwissenschaftlichen Diskurs von einer fruchtbaren Debatte zwischen konkurrierenden Machttheorien sprechen.
Im Rahmen des Vortrags sollen unter besonderer Berücksichtigung der Machttheorien Isaacs und Wartenbergs grundlegende Fragen der Konzeptualisierung sozialer Macht diskutiert werden. Im Zentrum steht eine Reihe häufig vernachlässigter Unterscheidungen: Machtausübung vs. Machtbesitz, Handlungsmacht vs. Macht über andere, subjektives Interesse vs. objektives Interesse vs. Realinteresse. Die theoretische Auseinandersetzung mit Machtverhältnissen, welche als notwendiger Aspekt der menschlichen Existenz betrachtet werden, führt schließlich zu den spezifischeren Konzepten transformativer Machtbeziehungen und sozialer Herrschaft – und damit zur Möglichkeit und Notwendigkeit emanzipatorischer Kritik.


Hartwig Schuck, Dipl. Soz.-Wiss., geb. 1978, ist im Rahmen verschiedener Projektanträge und Forschungsprojekte regelmäßig bei Dissens e.V. in Berlin tätig. Veröffentlichungen u.a.: Dynamiken der Gewalt. Formen und Sinn männlichen Gewalthandelns. In: IFFOnZeit. Onlinezeitschrift des IFF der Universität Bielefeld/2009. Derzeit Promotion zum Thema Power Revisited. Machttheorie und Herrschaftskritik.«

 
 
 
 


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