Mittwoch 21.12.11, 16:13 Uhr

Frauen vom Arbeitsmarkt ausgebremst

Der DGB Ruhr Mark schreibt: »Die aktuelle Frauenerwerbsquote in Bochum bleibt mit 70,7 % deutlich hinter der männlichen Erwerbsbeteiligung (82,7 %) zurück. Die Zahlen der atypischen Beschäftigungen von Frauen sind mit 66,5 % doppelt so hoch wie bei den Männern (33,5 %). „Immer mehr Frauen erleben, wie ihre Arbeitsplätze in immer kleinere Portionen aufgeteilt werden. Gerade in Berufen, die überwiegend von Frauen ausgeübt werden, boomen Teilzeit-, Midi- und Minijobs, “ kommentiert DGB Regionsvorsitzender Michael Hermund die aktuelle Entwicklung. Von den knapp 36.000 Minijobs in Bochum sind nach DGB Angaben über 22.000 von Frauen besetzt. Nur 5.000 Männer aber 20.000 Frauen arbeiten Teilzeit.
„Dieser Trend ist umso unverständlicher, da Frauen die bessere Qualifikation haben und Vollzeit arbeiten wollen. Obwohl ein Fachkräftebedarf besteht, werden Frauen vom Arbeitsmarkt ausgebremst,“ so Hermund. Durch Teilzeitbeschäftigung und längere Arbeitslosigkeit können Frauen nur geringe Beiträge zur Altersvorsorge leisten. Die Folge ist für viele Altersarmut.
„Die Erwerbsbedingungen für Frauen müssen verbessert werden“, so Hermund weiter. „Dazu gehört, dass Betreuungsangebote für Kinder ausgebaut und familiengerechte Arbeitsbedingungen in den Unternehmen und Behörden Einzug halten. Auch sollte über eine feste Quote für Vollzeitstellen nachgedacht werden.“«

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22. Dez. 2011, 00:04 Uhr

LeserInnenbrief von Norbert Hermann:

Vollzeiterwerbsquote – Gute Arbeit für gutes Geld!

Die angegebene Erwerbsquote erscheint sehr hoch. Lt. Statistischem Bundesamt betrug sie bundesweit 2009 59 % (1) und entspricht damit etwa dem EU-Durchschnitt. Die Europäische Agenda 2020 strebt eine Quote von 75 % an (aller 25 – 65-jährigen). Denn nur wer in Arbeit ist bringt auch Profit.

Gute, nicht zerstörerische Arbeit muss es sein, für gutes Geld: Artikel 24 der NRW-Verfassung postuliert: „Der Lohn muß … den angemessenen Lebensbedarf des Arbeitenden und seiner Familie decken.“ Wenn das so wäre, könnten Singles leicht reduzieren, und (Eltern-) Paare könnten selbstbestimmt und ohne Not entscheiden, wer von beiden wie viel arbeitet um den angemessenen Lebensbedarf zu decken, damit noch genügend Zeit für die Familienarbeit bleibt.

Alleinerziehende sind 7 Tage die Woche 24 Stunden gefordert. Eine Vollzeitstelle ist ihrem Wohle und dem der Kindern kaum zuträglich. Für sie müsste bei selbstgewählter Reduzierung ein Lohnausgleich geschaffen werden. Betreuungsangebote, womöglich bis spät in die Nacht, können ein Familienleben nicht ersetzen.

Arbeitszeitreduzierung ist zu fördern, Minijobs (bis 400 Euro) und Gleitzonen-Midi-Jobs (400 – 800 Euro) auf das Notwendige (Aushilfen, Kleinstunternehmen) zu beschränken.

Frauen ist bei Einstellungen immer der Vorzug zu gewähren, bis eine angemessene Quote erreicht ist.

Im widerstandslos ausgeuferten Niedriglohnsektor schützen selbst Überstunden nicht vor Altersarmut. Das geht nur durch Widereinführung der 1992 abgeschafften Mindestrente nach Mindesteinkommen.

(1)http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Content/Statistiken/Internationales/InternationaleStatistik/Thema/Tabellen/Basistabelle__Erwerbstaetige,templateId=renderPrint.psml


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