Freitag 16.12.11, 15:52 Uhr

Vom Viertel vor ins Ehrenfeld

Der ADFC schreibt in einer Pressemitteilung: »Jahrzehnte nach dem Kahlschlag werden Alte Hattinger Straße und Pieperstraße noch in diesem Jahr wieder verbunden. Fußgänger und Radfahrer erhalten quer über die Hattinger Straße die Verbindung vom Viertel vor Ehrenfeld ins Ehrenfeld zurück. Die gekappte Lebensader war ein Symbol für den (Alp-)Traum von der autogerechten Stadt Bochum. Erst durchtrennte die vierstreifige Hattinger Straße mit zweigleisiger Straßenbahn die Verbindung, dann wurde die Straßenbahn mit enormem Aufwand unter Tage gelegt und bombastische U-Bahn-Zugänge den Fußgängern mitten in den Weg gestellt. Wichtig war nur der ungehinderte Autoverkehr.
Seit Jahr und Tag mussten Fußgänger und Radfahrer sich in Lebensgefahr begeben, um die Hattinger Straße an dieser Stelle zu queren. Die benachbarte Kreuzung von Königsalle und Hattinger Straße / Oskar-Hoffmann-Straße ist aus Sicht der Fußgänger und Radfahrer bis heute eine Katastrophe und kein Ersatz für die direkte Verbindung von Alter Hattinger Straße und Pieperstraße. Noch grotesker und für Radfahrer sowieso unpassierbar wäre der Fußweg durch die zur Ruine verkommene U-Bahn-Station.
Im April 2010 hat der ADFC ein Konzept zur Nahmobilität im Ehrenfeld erstellt und in Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis Verkehr der Agenda21 der Politik vorgestellt. Die Verbindung über die Hattinger Straße war genauso integraler Bestandteil dieses Konzeptes wie die Freigabe der Einbahnstraßen im Ehrenfeld. Dass nach der Freigabe der Einbahnstraßen, die zum größten Teil erfolgt ist, jetzt auch die Verbindung zwischen Alter Hattinger Straße und Pieperstraße realisiert wird, ist ein kleiner aber feiner Schritt in Richtung auf eine an den Menschen statt an den Autos orientierte Verkehrspolitik. Dabei zeigt schon der Blick in das Konzept für Nahmobilität im  Ehrenfeld, wie viel allein hier noch zu tun ist.
Zugleich zeigt das Beispiel dieser kleinen Baumaßnahme, dass das Mehr an Lebensqualität in einer Stadt nicht vom Geld abhängt, sondern  primär vom politischen Willen und der Bereitschaft, neu zu denken. Das Konzept Nahmobilität, wie die AGFS (Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundliche Städte, Gemeinden und Kreise in Nordrhein-Westfalen e.V.) es in ihrem Leitbild vorstellt, gehört ganz vorn in die Köpfe der kommunalen Politik. Dann würde eine Partei wie die Bochumer Grünen den Fahrradverkehr auch nicht mehr unbemerkt aus den Augen verlieren. Nahmobilität ist dabei längst kein grünes Thema mehr, sondern Leitbild quer durch alle Parteifarben. Bald auch in Bochum? Dann würde eine Bewerbung bei der AGFS tatsächlich Sinn bekommen. «

 
 
 
 


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