Samstag 03.12.11, 10:11 Uhr
NGG-Appell: „Schichtarbeiter-Rente“ schaffen

Stresszeit in der Lebensmittelproduktion

„Der Advent ist für viele Beschäftigte in der Nahrungsmittelindustrie Stress pur“, sagt Yvonne Sachtje von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). Von Schlachtbetrieben über Bäcker- und Konditoreien bis zur Getränkeindustrie – in den Wochen vor Weihnachten gebe es extrem hohe Arbeitsbelastungen. „Viele sind einfach fix und fertig“, so die Geschäftsführerin der NGG Ruhr. „Die Menschen arbeiten unter einem enormen Zeitdruck – ganz oft im Akkord. Und in den Wochen vor Weihnachten gibt es dann noch einmal eins drauf – zwischen ausgenommener Weihnachtsgans und Schoko-Plätzchen“, sagt Sachtje. Die körperliche Anstrengung und auch „die Psychologie der Stoppuhr“ habe dazu geführt, dass immer mehr Beschäftigte, die in der Nahrungsmittelherstellung arbeiten, an der Belastung im Job resignierten. „Auf Dauer gehen viele Beschäftigte dabei in die Knie“, so die Gewerkschafterin.
Der nächste Schritt sei dann die Erwerbsminderungsrente. Genau daran scheiterten jedoch viele. „Die Hürden, die man überwinden muss, um die Erwerbsunfähigkeitsrente zu bekommen, sind hoch. Oft müssen die Arbeitnehmer vorher regelrecht einen ‚Gutachter-Spießrutenlauf’ machen“, sagt die Geschäftsführerin der NGG Ruhr. Und wer es geschafft habe, stehe häufig finanziell schlecht da. „Wer gezwungen ist, vor dem 60. Lebensjahr in die Erwerbsminderungsrente zu gehen, wird mit harten Abschlägen bestraft“, erklärt Sachtje.
Die NGG Ruhr fordert deshalb deutlich leichtere Zugänge zur Erwerbsminderungsrente und eine spürbare Anhebung dieser Rente. Zudem müsse es wieder eine „vernünftige Vorruhestandsregelung“ geben. „Wir brauchen endlich eine faire Rentenlösung für Schichtarbeiter“, so die Geschäftsführerin. Anstatt die Rentenbeiträge minimal zu senken, sollten schrittweise Übergänge in die Rente für Schichtarbeiter geschaffen werden.
Die Nahrungsmittel-Gewerkschaft appelliert an die heimischen Bundestagsabgeordneten, solche „Schichtarbeiter-Renten“ zu schaffen und die Erwerbsminderungsrente dringend zu verbessern. Gleichzeitig kündigte die NGG an, die „Rente mit 67“ im kommenden Bundestagswahlkampf zu einem zentralen Thema zu machen. „Ein Renteneintrittsalter, das die meisten nicht mehr gesund erreichen, ist sowieso ein Hohn“, sagt Yvonne Sachtje.

 
 
 
 


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