Freitag 18.11.11, 07:31 Uhr

Soziale Bewegungen in Mexiko


In der Reihe “Politischer Dienstag” geht es am 22.  November  um 18.30 Uhr im KulturCafe an der Ruhr-Uni um das Thema: „Soziale und politische Bewegungen in Mexiko“.  Referent ist Valentin Franck. In der Ankündigung heißt es:»Das internationale Bild Mexikos ist geprägt durch eskalierende Gewaltkriminalität: Feminizide als Gipfelpunkt patriarchaler Gewalt, Entführungen von Migrant_innen, die weltweit höchste Mordrate an Journalist_innen und seit 2006 über 40.000 Tote in Felipe Calderóns „Krieg gegen die Drogen“.
Immer weniger Menschen sind bereit eine bestenfalls wirkungslose und korrupte, staatliche Politik hinzunehmen und sich vom Klima der Gewalt lähmen zu lassen, während Staat und multinationale Konzerne das Land neu aufteilen. Breite Massenbewegungen prangern die nahezu absolute Straflosigkeit an und fordern ein Ende der Gewalt und neoliberalen Politik, die Millionen von Kleinbäuer_innen ihre Existenzgrundlage entzogen hat. Mit schwindender Hoffnung auf ein Einlenken der Politik beginnen viele Menschen nach Alternativen jenseits von Staat und Ausbeutung zu suchen. Ideen finden sie in einer ethnisch und kulturell vielgestaltigen, über 500-jährigen Geschichte des Widerstands.
„Fragend schreiten wir voran,“ lautet das Motto der zapatistischen Bewegung aus Chiapas. Die Zapatistas, bei denen „das Volk befiehlt und die Regierung gehorcht“, lehnen trotz ihrer marginalisierten Situation als indigene Kleinbäuer_innen jegliche staatliche Unterstützung ab und haben begonnen eigene kostenlose Gesundheits- und Schulsysteme aufzubauen, um so ihre kulturelle Identität und Autonomie zu bewahren. Der Staat hat darauf mit einem hauptsächlich von paramilitärischen Gruppen geführten „Krieg niederer Intensität“ geantwortet. Dennoch existiert die weltweit erste „Cyberguerilla“ bis heute und hat die Diskurse sozialer Bewegungen auf der ganzen Welt geprägt. Aber nicht nur von Subsistenzwirtschaft lebende indigene Völker haben sich vom Staat abgewendet. 2006 weitete sich in Oaxaca ein als Lehrer_innenstreik begonnener Protest zu einem gesamtgesellschaftlichen Aufstand aus, so dass Staatsregierung und Exekutivorgane Oaxaca ein halbes Jahr verlassen und das Zepter an die basisdemokratischen Räte der APPO abgeben mussten. Die APPO war geprägt durch die Vielfalt ihrer Akteur_innen. Arbeiter_innen, Studierende, Künstler_innen, indigene Kleinbäuer_innen, Markthändler_innen, junge und alte Menschen nahmen ihr Schicksal gemeinsam in die eigenen Hände.
Ausgehend vom theoretischen Konzept John Holloways (s. Titel) wird Valentin Franck, selbst als Menschenrechtsbeobachter in Mexiko und Guatemala aktiv, anhand von ausgewählten Beispielen Situation, Kämpfe und Diskursstrategien (süd-)mexikanischer Aktivist_innen vorstellen. Anschließend wird Zeit für Fragen und Diskussion sein.«