Freitag 04.11.11, 16:28 Uhr
Ausbildungsreport der DGB Jugend

Eine ganze Generation in der Hängepartie

Die DGB Jugend hat im Rahmen ihres 4. Ausbildungsreport knapp 900 Auszubildende in den 25 häufigsten Ausbildungsberufen in Nordrhein-Westfalen nach ihrer Zufriedenheit und der Qualität ihrer Ausbildung befragt und schreibt dazu: »Unsicherheit ist das vorherrschende Lebensgefühl einer ganzen Generation: Die Suche nach einem Ausbildungsplatz, die oft schwierigen Ausbildungsbedingungen sowie die Hängepartie, ob man von seinem Betrieb übernommen wird, kennzeichnen die ersten Jahre der Berufstätigkeit vieler Jugendlicher.
„Auch in diesem Jahr kommt der Ausbildungsreport zu dem Ergebnis, dass der überwiegende Teil der Befragten mit der Qualität seiner Ausbildung zufrieden ist, sieben von zehn Auszubildenden bewerten ihre Ausbildung mit gut oder sehr gut“, erklärt Regionsvorsitzender Michael Hermund. „Dies ist grundsätzlich sehr erfreulich, darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es nach wie vor gravierende Mängel gibt.“ Immer noch müssten Auszubildende – je nach Beruf und Betriebsgröße in unterschiedlicher Häufigkeit – ausbildungsfremde Tätigkeiten verrichten, Überstunden machen und es fehle zum Teil an ausreichender Betreuung durch Ausbilderinnen und Ausbilder. Zum Beispiel im Hotel- und im Restaurantgewerbe gebe es nach wie vor zu viele schwarze Schafe unter den Ausbildungsbetrieben.
„Drei von vier Auszubildenden erwarteten zudem, nach der Ausbildung nicht übernommen werden“, so Hermund weiter. „Die Unsicherheit über die eigene Zukunft ist bei vielen Befragten in NRW so groß, dass sie eine persönliche Lebensplanung als nahezu unmöglich beschreiben.“
Auch Verstöße gegen das Jugendarbeitsschutzgesetz seien weiterhin keine Seltenheit. Zudem hätten 10,3 Prozent der befragten Auszubildenden angegeben, schon einmal eine Ausbildung abgebrochen zu haben. Als Grund gäben die jungen Frauen und Männer vorwiegend Konflikte mit den Ausbilderinnen und Ausbildern an. „Es ist anzunehmen, dass die Vielzahl von Ausbildungsabbrüchen durch eine höhere Qualität der Ausbildung verringert werden könnte“, erklärt Hermund.
Bisher sei zu wenig getan worden, um die Missstände in den Griff zu bekommen. „Es ist nicht hinnehmbar, dass einige Betriebe ihre Auszubildenden nicht optimal und qualifiziert auszubilden“, bemängelt der DGB Regionsvorsitzende. Der Fachkräftemangel und das Innovationstempo der Wirtschaft verlange dagegen eine umfassende Ausbildung und Qualifizierung.
Der DGB fordert Aufsichtsbehörden, Kammern und Gewerbeaufsicht erneut auf, schneller und beherzter gegen schlechte Ausbildungsbedingungen in Betrieben vorzugehen. „Das Recht auf eine gute berufliche Perspektive muss endlich für alle jungen Menschen durchgesetzt werden“, so Hermund.«

 
 
 
 


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