Sonntag 09.10.11, 11:19 Uhr
Andreas Maluga antwortet auf Ralf Feldmann:

Und das ist links?

Andreas Maluga, Vorsitzender des DDR-Kabinett-Bochum e.V. antwortet auf die Kritik von Ralf Feldmann “Das ist nicht links” an der geplanten Veranstaltung „Die Staatsgrenze der DDR … Friedensgrenze im kalten Krieg?“. »Zunächst sage ich an dieser Stelle Danke, Ralf Feldmann. Danke, dass als Reaktion auf den Beitrag spontan drei sich offen und interessiert zeigende Menschen den Aufnahmeantrag zum DDR-Kabinett-Bochum ausgefüllt haben. Mittlerweile ist es wohl üblich, statt mit den Betreffenden sachlich zu diskutieren, lieber mit Behauptungen und Unterstellungen in die Öffentlichkeit zu gehen. Darum werde ich jetzt auch öffentlich antworten. Und das in meiner Eigenschaft als Vorsitzender dieser „Sekte stalinistischer Vergangenheitspolitiker“. Da auch über Funktionen und Tätigkeiten von Ralf Feldmann berichtet wird, möchte ich anführen, dass ich selber weit über zwanzig Jahre aktiv im Bochumer Friedensplenum tätig war und in meiner Eigenschaft als Leiter des Organisationsbüros „Ostermarsch Ruhr“ vielfach Gäste und Kulturgruppen aus der jetzt verteufelten DDR einladen konnte. Das war im übrigen innerhalb der Friedensbewegung im Ruhrgebiet nie ein Problem. Weder für Gewerkschaften, Jusos, Falken oder andere Organisationen. Eher im Gegenteil, alle Künstler aus der DDR waren stets herzlich willkommen und eine Bereicherung der Abschlusskundgebungen in Dortmund.

Das war also nicht links?
Des Weiteren bin ich Sprecher der Initiativgruppe zur Rehabilitierung der Opfer des Kalten Krieges IROKK. In dieser Eigenschaft bin ich bestens vertraut mit den Unrechtsurteilen gegen Sozialisten, Kommunisten, fortschrittliche Christen u.a. durch die Adenauer-Justiz. Es ist noch nicht allzu lange her, da hat das Bochumer Friedensplenum dieses dunkle Kapitel des Antikommunismus u.a. durch eine gut besuchte Veranstaltung mit RA Heinrich Hannover gewürdigt. Doch diese Justiz schrieb ihre Geschichte nach 1990 weiter. Das Ziel, ausgegeben vom damaligen Justizminister Klaus Kinkel, hieß : „Vollständige Delegitimierung der DDR“.

Sich dieser Vorgabe bis zum heutigen Tag anzuschließen, ist dann wohl links?
Angriffe auf schlichtem Niveau des Antikommunismus kenne ich im Laufe meiner gesamten politischen Tätigkeit zur Genüge. Allerdings bisher mehr aus dem Bereich der rechtskonser-vativen „Junge Freiheit“ oder dem revanchistischen Blog „Blaue Narzisse“. Auch kenne ich persönlich die Auswirkungen des Berufsverbotes und das „Erlebnis“, mit einem Drohbrief auch mal eine tote Ratte zu erhalten. Dass nun aber verbale Angriffe, zwar ohne namentliche Nennung, seitens eines Ratsmitgliedes der Partei Die Linke erfolgen, ist für mich eine neue Erfahrung. Das ist dann wohl links?
Nun noch ein paar Sätze zu den „Fakten“ des Beitrages von Ralf Feldmann. Zunächst ist es keine Veranstaltung der Tageszeitung Junge Welt. Davon steht auch nichts in unserer Einladung. Die Angabe, dass Peter Wolter als Journalist bei dieser Zeitung tätig ist, dient nur zur Information und ist ganz allgemein üblich.
Dass zum Thema: „Die Staatsgrenze der DDR….Friedensgrenze im Kalten Krieg?“ ein ehemaliger Offizier der Grenztruppen der DDR und Buchautor berichtet, halte ich eigentlich für selbstverständlich. Wer sonst sollte über dieses Thema sprechen? Ein Historiker wie Hubertus Knabe, der sein Leben in Westdeutschland verbracht hat? Oder doch lieber ein „Republikflüchtling“, der seine Sicht der Dinge auch mal auf neofaschistischen Seiten darstellt?
Im übrigen bin ich seit längerer Zeit mit einem ehemaligen DDR-Bürger befreundet, der genau deswegen mehrere Jahre in Haft verbracht hat. Doch auch diese Erfahrung hat ihn nicht davon abgebracht, die DDR insgesamt als den besseren deutschen Staat zu sehen. Allein daran müsste jeder denkende Mensch erkennen, wie vielschichtig das Thema ist.
Zu den historischen Gründen für den Mauerbau werde ich an dieser Stelle nicht weiter eingehen. Dazu gibt es genügend Literatur. Ein mit stichhaltigen Quellenangaben und Dokumenten versehenes Buch ist z.B. „Ohne die Mauer hätte es Krieg gegeben“ von Heinz Keßler und Fritz Streletz. Die letzten Zeitzeugen, die zu dieser Zeit in führenden Positionen innerhalb der DDR tätig waren.
Geschichte nur aus einem Blickwinkel und dann auch noch aus dem Zusammenhang gerissen zu interpretieren, zeugt von wenig Bereitschaft für eine ehrliche Diskussion. Das ist dann links?
Für die Durchführung unserer Veranstaltung wurden verschiedene Räumlichkeiten angefragt. Es gab mehrere Zusagen. Die Organisationen werde ich an dieser Stelle nicht nennen. Denn es steht ja zu befürchten, dass auch diese der „Bannstrahl“ des Ralf Feldmann treffen würde.
Es gab auch eine inhaltlich nicht (!) begründete Absage des Kulturzentrums Bahnhof Langendreer. Nun weiß ich aber nicht, warum es wert ist, diese Absage in der Öffentlichkeit zu diskutieren? Oder bestimmt Ralf Feldmann über die Veröffentlichung von Absagen angefragter Veranstaltungen im Bahnhof Langendreer? Das wäre mir neu.
Die Veranstaltung letztendlich im Internationalen Kulturzentrum der DIDF durchzuführen, hat rein organisatorische Gründe. Es passte in den Zeitrahmen und ist zentral gelegen. Nicht mehr und nicht weniger. Ralf Feldmann versucht, daraus eine „böse“ Verbindung zum DDR-Kabinett-Bochum herzuleiten. Das entspricht nicht den Tatsachen und ist einfach nur schäbig. Ist so ein Verhalten dann links?
Noch eine Stufe weiter geht er, die Bundestagsabgeordnete Sevim Dagdelen mit in die Sache zu ziehen. Sie hat nun wirklich nicht das Geringste mit unserer Veranstaltung zu tun! Weder inhaltlich noch organisatorisch! Aber genau das ist der Punkt, um den es hier geht. Auf dem Rücken des DDR-Kabinett-Bochum wird versucht, die innerparteiliche Selbstzerfleischung der Linkspartei auszutragen. Gegen dieses durchsichtige Schauspiel verwahre ich mich aufs schärfste. Das stelle ich auch ausdrücklich im Namen aller Mitglieder unseres Fördervereins fest. Persönlich merke ich dazu an, dass diese Auseinandersetzung innerhalb der Linkspartei mittlerweile erschreckende Züge annimmt. Ralf Feldmann leistet dazu seinen Beitrag.
Ist es etwa links, wenn eine Funktionärin der Partei Die Linke, wie kürzlich in einem NRW-Kreisverband geschehen, psychisch zerstört wird allein auf Grund der Tatsache, dass sie über ihre Heimat DDR eine andere Sichtweise hat? Oder sind das die Grundlagen eines neuen demokratischen Sozialismus? Wer das links findet, braucht mit mir nicht über Unrecht in der DDR zu diskutieren.
Offen zur Diskussion bin ich, sind wir vom DDR-Kabinett-Bochum, aber für alle, die über die Geschichte der DDR ohne voreingenommene Wertung diskutieren wollen. Und dazu dienen unsere Veranstaltungen. Wir sehen es als einen Beitrag, ein ehrliches Bild über die DDR zu zeigen gerade weil pausenlos versucht wird, die Geschichte der DDR zu verdrehen und die erbrachte Lebensleistung der Bürgerinnen und Bürger der DDR in Abrede zu stellen und den „Kalten Krieg“ auf diesem Wege fortzusetzen. Vielleicht ist unser Anliegen, aus Sichtweise von Ralf Feldmann, nicht links. Und sicherlich, aus Sichtweise der herrschenden Klasse, nicht gewollt. Aber dennoch und gerade deshalb dringend notwendig!«

13 LeserInnenbriefe zu "Und das ist links?" vorhanden:

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9. Okt. 2011, 12:26 Uhr

LeserInnenbrief von ubu:

Gern werde ich eure Veranstaltungsplakate im Ubu aushängen und eure Flugblätter dazu auslegen, geht mir doch die herrschende Geschichtsklitterung gewaltig auf den Keks. .
Und auweia, sag ich, wenn ich bedenke , daß Herr Feldmann hier Richter ist. Wenn aus dem
DDR-Kabinett-Bochum e.V eine „Sekte stalinistischer Vergangenheitspolitiker“ wird, die Junge Welt
versucht wird durch die Ausschmückung “ehemaliges FDJ-Blatt” in die allgemeine DDR-Delegitimierung einzubeziehen, eine Veranstaltung mit einem ehemaligen Oberst der DDR-Grenztruppen, “der half, seine Mitmenschen mit Mauer und Todesstreifen einzusperren”, als Aufmacher zum Angriff gegen eine Parteigenossin benutzt wird, als wäre dieser Oberst ohne Ansehen der konkreten Person qua Funktion schon als Verbrecher zu erkennen und zu verurteilen und als hätte Sevim irgendetwas mit dieser Veranstaltung zu tun – dann stinkt diese ganze Argumentationskette gewaltig nach Gesinnungsjustiz .


 

9. Okt. 2011, 13:32 Uhr

LeserInnenbrief von hubgab:

Die DDR war ein Unrechtsstaat
Um es einmal klarzustellen. Ich war am Tag der Wiedervereinigung auf einer Party gegen die Wiedervereinigung. Der Grund! Ich war wie viele der Meinung das aus der ehemaligen DDR ein Staat werden sollte der anders sein sollte. Frei, Neutral und Sozial. Leider wurde da ja nichts draus weil die BRD sich das ganze schön einverleibt hat.
Aber und das will ich ganz dick unterstreichen:
Die ehemalige DDR war ein Unrechtsstaat!
Hier wurden Menschen die gegen die herrschende Regierung waren eingesperrt und gefoltert.
Hier wurden Menschen an Reisen in andere westliche Länder gehindert.
Hier wurden Menschen an der Grenze erschossen weil sie das Land verlassen wollten.
Hier wurden Menschen die nicht angepasst waren z.B. Punks usw. mit starken Repressionen belegt. Hier gab es keine freien Wahlen!!
Hier gab es vormilitaristische Ausbildung in den Schulen
Demonstrationsfreiheit????
Hier konnte man den Kriegsdienst nicht so einfach verweigern wie in der BRD.

Ich könnte die Liste noch verlängern. Aber das soll erst einmal reichen.
Ist das ein freier Rechtsstaat, ich glaube nicht!
Klar ist auch im heutigen Deutschland nicht alles toll und vieles ungerecht. Aber es gibt nicht diese oben genannten Dinge wie in der ehemaligen DDR.


 

9. Okt. 2011, 16:42 Uhr

LeserInnenbrief von Norbert Hermann:

Republikflüchtlinge

So manchen „Republikflüchtlingen“ ist die Flucht aus der DDR oder aus der CSSR mit Hilfen von Linken gelungen. Darauf dürfen wir mit Recht stolz sein!

Die Veranstaltung am 15. April trug den Titel: „War die DDR ein Unrechtsstaat? – Ist die BRD ein Rechtsstaat?”

http://www.bo-alternativ.de/2011/04/04/das-ddr-kabinett-bochum-laedt-ein/

Die Antwort erfolgte rein formaljuristisch: Ja, die DDR war formal ein Rechtsstaat. Aber heute hier wie damals dort trifft zu: „Wo Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht“.

Dazu dürfen auch einmal Karl Marx und Friedrich Engels zitiert werden: Danach ist die „freie Entwicklung eines jeden die Bedingung für die Entwicklung aller“ (MEW 4, S. 482

Oder: „Auf dem Weg zur Emanzipation von Lohnarbeit und Kapital sind politische Freiheiten unabdingbare Mittel, die genutzt, erobert und gesetzlich verbrieft und verteidigt werden müssen. … Und ohne Pressefreiheit, Vereins- und Versammlungsrecht ist keine Arbeiterbewegung möglich.“(F. Engels, Preußische Militärfrage, MEW 16, 75).

Und fast schon „anarchistisch“: „Die (politische) Freiheit besteht darin, den Staat aus einem der Gesellschaft übergeordneten in ein ihr völlig untergeordnetes Organ zu verwandeln, und auch heute sind die Staatsformen freier oder unfreier in dem Maß, worin sie die Freiheit des Staates beschränken“. (K. Marx, Kritik des Gothaer Programms, MEW 19, 27).

Und das kennen wir doch alle:

„Leben wie ein Baum, einzeln und frei, und brüderlich wie ein Wald … „ (Nazım Hikmet)


 

9. Okt. 2011, 16:49 Uhr

LeserInnenbrief von Ralf Feldmann:

Mit dem Gestus moralischer Überlegenheit eines Friedensaktivisten und Anwalts für die von der Nachkriegsjustiz der Bundesrepublik politische Verfolgten will Andreas Maluga Verbrechen schönreden. Als Freund des Friedens werden ihm Kriegstote ein Gräuel sein. In der seltsam gespaltenen Moral eines Kommunisten, der nicht lernen will, haben Mauertote wohl selber
Schuld. Moderieren soll seine gespentische Veranstaltung Peter Wolter, ein ehemaliger Agent für die Hauptverwaltung Aufklärung im Ministerium für Staatssicherheit der DDR. Welche Stichworte für eine sachliche Geschichtsbetrachtung wird er wohl geben? Was anderes ist zu erwarten, als die Wiederholung der Danke-Provokation der Jungen Welt? Als Chefredakteur leistet sich dieses Zentralorgan geschichtsblinder DDR-Freunde mit Arnold Schölzel einen ehemaligen Stasi-Spitzel, der sechs Mitstudenten der Humboldt-Universität verriet. Sevim Dagdelen publiziert in dieser illustren Gesellschaft und verteidigt sie in der Bundestagsfraktion und in der Partei. Über all das ist öffentlich zu streiten. Sie wird ihren abgründigen Irrweg erklären müssen.

Ralf Feldmann


 

9. Okt. 2011, 17:39 Uhr

LeserInnenbrief von discipulussenecae:

Es ist mehr als bezeichnend, ausgerechnet Heinz Keßler und Fritz Streletz als Zeugen für die Sinnhaftigkeit der Mauer heranzuziehen. Wer sich mit solchen ‘Autoritäten’ schmückt, hat wirklich weniger als nichts verstanden.


 

9. Okt. 2011, 21:24 Uhr

LeserInnenbrief von Andreas Maluga:

Nun hatte ich von Ralf Feldmann eigentlich sachliche Antworten auf meine Fragen erwartet. Stattdessen kommt ein antikommunistischer Beißreflex auf CSU-Stammtisch Niveau. Sehr schwach, Ralf Feldmann! Aber der Inhalt bestätigt wenigstens meine These, das es nur um eine Demontage von MdB Sevim Dagdelen geht. Und deshalb fordere ich Ralf Feldmann noch einmal sehr höflich dazu auf, sowohl meine Person als auch das DDR-Kabinett-Bochum e.V., nicht weiter für seine persönlichen Kreuzzüge gegen Sevim Dagdelen zu mißbrauchen. Ohne mich in die innerparteilichen Angelegenheiter der PDL einmischen zu wollen, finde ich diese Art und Weise der Auseinandersetzung einfach nur widerlich!


 

10. Okt. 2011, 00:23 Uhr

LeserInnenbrief von Jakob Spatz:

Hallo abermals,

und sorry, aber, das haut mich um, ich verstehe das alles nicht!
Also, ich habe die mir zur Verfügung stehenden linken Printmedien noch einmal durchgesehen und in allen wird positiv auf die Friedens-, Umwelt und BürgerInnenrechtsbewegung in der späten DDR Bezug genommen. VeteranInnen aus Berlin berichten auch von konkreter Solidarität. Ein Autor wirft der staatsnahen Historiographie gar vor, anarchistisch orientierte Dissidenz in der DDR tatsachenwidrig als „kirchlichen Widerstand“ auszugeben. Die taz berichtete unlängst von einem Pfarrer in Jena, der schon zu DDR-Zeiten ins Visier der Staatsmacht geriet und nun abermals von Repression betroffen ist, weil er sich gegen Nazis einsetzte. Die Staatsmacht, das ist übrigens in seinem Fall gleichermaßen, wenn auch in stark unterschiedlichem Ausmaß von Verantwortlichkeit, die Ost-CDU.

Und ich habe die im Internet zugänglichen linken Seiten befragt: Gerade die jüngeren Diskussionen betonen, dass die Staaten des verflossenen „Realsozialismus“ nicht ausserhalb des kapitalistischen Weltsystems standen, dass sie den Lebensstandard der Bevölkerung seit Mitte der 70er Jahre unter anderem unter dem Druck von Zahlungsverpflichtungen gegenüber dem „Westen“, einschließlich IWF-Schulden, senkten und, beginnend mit Polen, auf entsprechende Reaktionen der Bevölkerung stießen, die irgendwann auch mit staatlicher Repression nicht mehr zu Deckeln waren. Rumänien gilt als dabei als Musterbeispiel, weil vom IWF hochgelobt. Jugoslawien gilt als das tragischste, weil in Ethnisierung der Verteilungskämpfe und Krieg mündend. Die DDR, möchte ich hinzufügen, ist dann ja wohl das lächerlichste: Die Bevölkerung stürmt massenhaft die Grenzanlagen, weil ein trotteliger Regierungssprecher gerade mal nicht weiss, was er redet und die Berufung auf seine Autorität geeignet ist, das System von Befehl und Gehorsam kurzzuschließen und den staatlichen Grenzschutz handlungsunfähig zu machen.

Mehre AutorInnen ziehen dabei Paralelen zu den jüngsten Revolten in arabischen Ländern. Einige sehen gar eine Kontinuität der Revolten, beginnend mit der Solidarnos-Gründung.

Ich glaube, wir reden hier nicht von derselben Linken. Ich weiss nicht, was in dieser Linkspartei vorgeht. Wie ich oben lesen konnte, ist es ja wohl auch gesünder, sich da fern zu halten. Ich weiss nicht, warum für die DDR andere Maßstäbe gelten sollten als für andere Staaten. Und ich weiss wirklich nicht, wie ein Eintreten für die Opfer repressiver Staatlichkeit in der BRD möglich sein soll ohne Berufung auf universell gültige Schutzrechte gegen den Staat. Und ich kann mir wirklich nicht vorstellen, dass die Junge Freiheit so argumentiert wie ich. Ich fürchte, die sieht es sehr wohl als das Recht eines Staates an, bei der Zuwanderungssteuerung über Leichen zu gehen.


 

10. Okt. 2011, 15:26 Uhr

LeserInnenbrief von Thilo Sommer:

Da machen sich die ganzen Zombie-Kommunisten mal wieder auf den Holzweg zum Müllhaufen der Geschichten, wo ihr auf Angst aufgebauter Staat gelandet ist. Der Staat, den sie trotz Mauer, Stacheldraht, Bespitzelung, Selbstschussanlagen etc. nicht verteidigen konnten.
Während der Kapitalismus gerade mit einer Krise kämpft, wie es sie seit den 30er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts nicht mehr gegeben hat, suhlt man sich in romantisierenden Geschichtserzählungen. So entfernt man sich immer mehr von den Volksmassen, die es zu agitieren gilt – hat also sein revolutionäres Einmaleins schon lange verlernt. Und das Drecksblatt junge Welt ist mal wieder mittendrin.
In jedweder Diskussion – z.B. wenn es um die Krise geht – brauchen die Herrschenden nur das Wort Mauer fallen lassen und schon wird reflexartig zurückgebissen; aber da das Maul derer, die da beißen wollen, nur noch verrottete Stümpfe aufweist, ist diese erwünschte Reaktion nur lächerlich.
Die Kommunisten, die es noch immer verteidigen, dass Kommunisten Kommunisten umgebracht, kalt gestellt, verbannt oder in ihrem Kampf entmutigt und entwürdigt haben, können mir gestohlen bleiben. Ein Trost ist dabei, dass diese Kommunisten und ihre reaktionären Gedanken den Gesetzen des historischen Materialismus folgend irgendwann vom Gang der Geschichte unbarmherzig zertreten werden und die Arbeiterklasse ohne diese Irrlichter ihren Weg finden wird.


 

10. Okt. 2011, 18:44 Uhr

LeserInnenbrief von ubu:

bei den meisten dieser leserbriefe gibt es nur schwarz oder weiss, keine grautöne. sicher war die tätärä weit weg davon das gelbe vom ei zu sein – aber sie war auch längst nicht so mies wie das tausendjährige reich, was dieser blöde begriff unrechtsstaat suggeriert und was die opfer der faschisten verhöhnt. und im direkten vergleich brd/ddr wär ich nicht so sicher, ob das für die brd so gut ausgeht. heute wurde ich noch an die berufsverbote erinnert und an die bullen zb bei stuttgart21, die getarnt als demonstranten …
doch ich hab jetzt feierabend !


 

11. Okt. 2011, 12:02 Uhr

LeserInnenbrief von NutzerIn:

Der Text von Andreas Maluga spricht Bände. Da ist jemand traurig, dass es keine Herrschenden in Deutschland mehr gibt, auf die er sich positiv beziehen kann, anstatt gegen Herrschaft zu sein.

Und dann setzt er die Einladung an DDR-KünstlerInnen durch die Friedensbewegung mit der Einladung von des Repräsentanten des Militär- und Repressionsapperates dieses Staates gleich. Hallo? Merkt der noch was? Absurder gehts nimmer.

Und so gehts dann weiter. Die Tatsache, dass es in der Bundesrepublik bekanntermaßen antikommunistisches Unrecht en masse gegeben hat, wird plötzlich zum Argument nicht gegen jede Formen von staatlicher Repression, sondern zu einem Argument dafür, dass die autoritäre Repression in der DDR dann ja irgendwie nicht so schlimm gewesen sein soll.

Und in der Logik der kalten Krieger, die einem ja selbst Atomraketen als friedenssichernde Maßnahmen verkaufen wollten, rechtfertigt Andreas Maluga dann auch noch die Errichtung und militärische Sicherung einer Grenze: “Ohne Mauer hätte es Krieg gegeben.” Klar, und ohne Atomwaffen auch. Deswegen sind Armeen ja grundsätzlich zur Sicherung des Friedens da. Baut mehr Grenzen und produziert mehr Waffen! Absurder gehts nimmer.

Diese Rechtfertigung von Militär und staatlicher Unterdrückung ekelt mich an.

Jetzt könnte man meinen, es ist ziemlich irrelevant, ob jemand einem untergegangenen Unterdrückungssystem nachtrauert oder nicht. Ich sehe das anders – jedenfalls so lange, wie es Staaten und Grenzen gibt, die nach dem selben Prinzip funktionieren.

Es ist kein Geheimnis, dass Inventar der DDR-Grenzschutztruppen nach 1990 an die damaligen EU-Außengrenzen verlagert wurde, um nun die EU vom Rest der Welt abzuschotten. Die Technik ist kompatibel, und wer sie rechtfertigt, argumentiert damit menschenverachtend.

Wer wird sich am meisten über die Logik von Andreas Maluga und KonsortInnen freuen? Wohl alle, die autoritäre Beherrschung durch Staat und Militär okay finden. Und alle, die das Prinzip militarisierter Außengrenzen mit all ihren Todesopfern weiterhin als europäische Normalität dastehen lassen wollen. Und um mich an den identitären Sprachduktus anzupassen, der hier vorherrscht: Wenn das links ist, dann will ich kein Linker sein.


 

12. Okt. 2011, 18:30 Uhr

LeserInnenbrief von jakob spatz:

Hallo,

ich hab noch mal das Internet befragt. Auch bei eher autoritären Linken scheint Nostalgie beim Blick auf den untergegangenen Realsozialismus eher die Ausnahme zu sein. Antifaschismus hilft offenbar auch hier, einen klaren Kopf zu behalten.

Letzterer sei uns allen gewünscht.

http://www.sozonline.de/2010/11/verordnetes-schweigen/#more-1604


 

13. Okt. 2011, 04:03 Uhr

LeserInnenbrief von discipulussenecae:

Wer hat die NVA mit aufgebaut: z. B. Vincenz Müller, Bernhard Bechler und Arno von Lensky. Und und und. Es ist und war zum Kotzen!


 

13. Okt. 2011, 17:21 Uhr

LeserInnenbrief von ubu:

stimmt, discipulus. nachdem sie in sowjetischer gefangenschaft umerzogen worden waren. hier in der brd ging es ohne umerziehung . wehrmachtsoldaten und waffen-SS bekamen von adenauer eine ehrenerklärung und waren somit kompatibel . lediglich die kpd musste verboten werden und etliche, die schon bei den nazis sassen , sassen nun auch wieder in den knästen. und heute hat es das vereinigte deutschland wieder zu auslandeinsätzen geschafft, und gleichzeitig werden teile des polizeiapparats schon mal auf die aufstandsbekämpfung im inneren vorbereitet, wie man auf demos schön beobachten kann. die berufsarmee bringen wir auch noch auf zack . hurra ! wir sind wieder wer !


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