Samstag 23.07.11, 19:01 Uhr

Michael Townsend ärgert sich

Michael Townsend, Bochumer Dezernent für Schule und Kultur hat eine schlechte Woche hinter sich. Erst handelt sich sein Schulverwaltungsamtsleiter ein Disziplinverfahren ein, dann kommt auch noch das Schauspielhaus in Verruf. Offensichtlich war er richtig ärgerlich, als die Ruhr Nachrichten heute mit der Überschrift Ex-Intendant Steckel kritisiert Ackermann-Auftritt im Schauspielhaus ausführlich über die Kritik berichteten. Auf seiner Facebook-Seite schreibt Townsend: “Ich finde, Steckel sollte langsam aufhören, sich in Bochumer Angelegenheiten einzumischen. Die damalige Diskussion um Lammert und Flimm hat doch auch schon gezeigt, dass der reflexhafte Protest verschiedener Alt-68-er nur noch langweilt.” Wenn er sich da nicht gewaltig täuscht. Max Kühlem erwidert z. B. : “Ich finde eher reflexhafte Kommentare langweilig, die angebliche Alt-68er über einen Kamm scheren und ihnen irgendwelche Reflexe unterstellen. Man sollte lieber mal generell über den Sinn und Unsinn dieser hellenschen Veranstaltungen reden. Diesen Quatsch hat Bochum doch gar nicht nötig.”

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24. Jul. 2011, 03:38 Uhr

LeserInnenbrief von Neu-70er:

Townsends Kritik zieht sicherlich, wenn man die Prämisse “Bochum den Bochumern” voraussetzt. Folgt man dem jedoch nicht bereitwillig, kann man Steckels damalige Kritik durchaus mit Gewinn lesen. Bemerkenswert (und von bo-alternativ gut festgehalten und im Archiv zu finden) ist die Tatsache, dass “reflexartig” auch die jüngere Generation mit Lammerts kriegsbeschönigenden und “kulturpolitischen” Avancen nicht allzu sanft ins Gericht ging.
Kritik gründet nicht unbedingt auf der Tatsache einer bestimmten Generation anzugehören, sondern eben auch darin, dass generationenlang Konflikten, welche die Nazi- und bundesdeutsche (Nach-)Kriegspolitik erst aufgebaut hatte, aus dem Weg gegangen worden ist.
Denkt Townsend, dass jahrzehntelang unter den Teppich gekehrte Fragestellungen mit der Tatsache verschwinden, dass Menschen, die “68″ “dabei” “waren”, nun nach seinem Wunschdenken an Bedeutung verlieren?
Oder – was noch vermessener ist -, dass jüngeren Mitmenschen die alten Widersprüche nicht ins Auge fallen?
Wohlan. Als nicht ins intellektuelle Millieu hinein- und vor allem erst 1970 Geborener finde ich Steckels Kritik weder absurd, spinnert, altbacken oder sonst wie verachtenswert. Und auch unter den 1990ern finde ich zunehmend Menschen, die mit Kriegshetze, Ackermannschen Zukunftsplänen und anderen Absurditäten nichts anfangen können.
Manches Alte bleibt doch manchmal zu lange liegen. Wäre ich viel früher geboren worden – sagen wir z.B. im Jahre 1890 -, dann wäre eine persönlich-historisch bedingte und sich aufdrängende Frage, wer mich/uns und wen sonst noch alles verraten hat.
Ob diese spezielle Frage heute aktuell ist, steht natürlich auf einem anderen Blatt und kann hier in Form eines LeserInnenbriefes natürlich nicht erschöpfend beantwortet werden.


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