Dienstag 19.07.11, 21:09 Uhr

Genova 2001

Das Polit-Cafè Azzoncao schreibt: »Heute vor 10 Jahren begannen die großen Proteste gegen das G8-Treffen in Genova. Es sollten drei Tage des Protestes gegen die kapitalistische Wirtschafts- und Sozialpolitik der reichsten Staaten der Erde werden. Ein breites Spektrum unterschiedlichster Organisationen rief dazu auf. Die verschiedensten Aktionen, auch das Eindringen in die Verbotszone “zona rossa”, waren geplant.
- Der 19. Juli 2001 verlief mit einer 40 000 Tausend Menschen zählenden Demonstration zur Migrationspolitik und einem Manu Chau-Konzert erfolgreich und friedlich.
- Am Freitag, den 20. Juli 2001, beherrschte Gewalt Genova. Wochenlang war gegen die bevorstehenden Demonstrationen der G8-GegnerInnen aus Berlusconis Medienimperium gehetzt worden. Und die drei Rechtsparteien Forza Italia, Lega Nord und Alleanz Nazionale kündigten ein hartes Durchgreifen an. Was dann geschah hatte aber niemand erwartet: Planmäßige Überfälle auf Demonstrationen und massenhafte Menschenjagden einer hochgerüsteten Armada der Carabinieri und der Polizei. Als Anlass dienten ihnen Sachbeschädigungen von Leuten, die als so genannter „Black Bloc“ am Morgen durch Genova zogen. Einer Gruppe, die ungestört von den Ordnungskräften Autos anzünden konnten und Bankfenster zerstörten. Einer Demonstration die durchsetzt war von polizeilichen Agent Provocateurs und Faschisten.
Carabinieris und Polizei wüteten unmenschlich und verletzten eine Unzahl von Menschen. Setzten in wahren Gewaltorgien Schlagstöcke, Tränengas, Wasserwerfer und Pistolen ein. Insgesamt wurde 17 mal von Polizisten und Carabineries geschossen.
Auf der Piazza Alimonda wurde dem 23 jährigen Carlo Giuliani (Foto) von 4 Metern gezielt in den Kopf geschossen. Der junge Genuese befand sich in einer Auseinandersetzung mit Carabinieris und wurde aus einen Jeep heraus erschossen.
- Am Samstag kamen über 200 000 Menschen nach Genova. Sie waren nicht bereit sich durch Gewalt und Mord von ihrem demokratischen Recht auf Demonstrationen abbringen zu lassen. Wieder ging die Staatsmacht mit Grausamkeit und Brutalität gegen die Menschen vor. Unzählige Verletzte mussten die DemonstrantInnen beklagen.
In der Nacht zum Sonntag stürmten Polizisten die „Scuola Diaz“ und schlugen an die Hundert dort schlafende Menschen blutig zusammen. Diese Nacht ist in Italien als die „Chilenische Nacht“ bekannt geworden. Menschen, die in die Kaserne Bolzaneto kamen, wurden geschlagen und gefoltert, mussten sich faschistische Lieder anhören und wurden gedemütigt. Auf Polizeistationen und auf der Straße spielten sich ähnliche Bilder ab. Inhaftierte Gefangene mussten sich nackt aussziehen, wurden so verhöhnt und zusammengetreten. Tagelang wurden sie bedroht, verletzt, gedemütigt – gefoltert.
Auch einige BochumerInnen waren damals in Genova.
Das Polit-Cafe Azzoncao hat anlässlich des 10 Jahrestages einen Erinnerungsbericht verfasst und mehrere Interview online gestellt.
eine persönliche Erinnerung/Azzoncao
http://linksunten.indymedia.org/de/node/43669
Ein Interview mit den Eltern Carlo Giulianis, in dem sie ausführlich auf die Tatumstände der Ermordung ihres Sohnes und deren juristischen Verschleierung eingehen. Interview mit Haidi und Giuliano Giuliani
http://linksunten.indymedia.org/de/node/43428
Ein Interview mit einem der Organisatoren des Stadion Carlinis und der Proteste. Interview mit Francesco / Corsari Milano
http://linksunten.indymedia.org/de/node/43500
Und ein Interview mit Karsten, einem Bochumer, der sechs Wochen in einem Gefängnis in Genova einsitzen musste. Interview mit Karsten/Bochum
http://linksunten.indymedia.org/de/node/43652 «

 
 
 
 


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