Montag 18.07.11, 14:58 Uhr
Agrarbeschäftigte im Ruhrgebiet wollen mitbestimmen

IG BAU: Arbeitsschutz erhalten

Die IG Bauen-Agrar-Umwelt fordert mehr Mitspracherechte für die Beschäftigten in der Agrarbranche. Anlass ist der geplante Umbau der landwirtschaftlichen Sozialversicherungen. Neun regionale Versicherungen kümmern sich aktuell um die Belange der Agrarbeschäftigten – vom Gesundheitsschutz über Arbeitsunfälle bis hin zur Grundsicherung im Alter. Die Bundesregierung plant nun eine zentrale Agrar-Sozialversicherung – und stößt damit bei der IG BAU auf Widerstand. Die Agrargewerkschaft befürchtet, dass die Mitspracherechte der Arbeitnehmer unter die Räder kommen. „Das wird gerade beim Arbeits- und Gesundheitsschutz nicht ohne Folgen bleiben. Hier brauchen die Beschäftigten – wie in allen anderen Branchen üblich – ein klares Mitspracherecht. Ob Landarbeiter, Melker oder Tierzüchter – die Agrarbeschäftigten im Ruhrgebiet stehen mit der Gesetzesänderung der Bundesregierung vor einer unsicheren Zukunft. Wirksamer Gesundheitsschutz ist nichts, was sich am Katzentisch verhandeln lässt”, sagt Gerhard Kampschulte.
Der Bezirksvorsitzende der IG BAU Bochum-Dortmund kritisiert damit die geplante Gewichtsverteilung in der neuen zentralen Agrar-Sozialversicherung: Arbeitnehmer, Arbeitgeber und Familienbetriebe ohne eigenes Personal sollen jeweils zu einem Drittel bei wichtigen Entscheidungen mitbestimmen. „Diese sogenannte ‚Drittel-Parität’ wird dazu führen, dass die Belange der Beschäftigten in vielen Fällen überstimmt werden”, so der IG BAU-Bezirksvorsitzende.
Kampschulte verweist auf die Erfolge in der Gartenbau-Sozialversicherung, in der ein 50-prozentiges Mitspracherecht der Arbeitnehmer praktiziert wird: „Sinkende Unfallzahlen und weniger Arbeitsausfälle – die Mitbestimmung im Gartenbau hat sich bewährt. Deshalb ist ein solches Mitbestimmungsmodell ein sehr gutes Vorbild”, sagt Gerhard Kampschulte.
Beschäftigte in Land- und Forstwirtschaft sind nach Angaben der IG BAU überdurchschnittlich oft Leidtragende von Arbeitsunfällen. „Die Agrarbranche ist nach wie vor eine Hochrisikobranche”, sagt Kampschulte. „Eine Stärkung des Arbeits- und Gesundheitsschutzes funktioniert dann am besten, wenn die echten Experten in den Versicherungen zu Wort kommen. Und das sind vor allem die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.”

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19. Jul. 2011, 18:38 Uhr

LeserInnenbrief von Arnd Spahn:

Ich freue mich ueber die Unterstuetzung aus Bochum. Ueber 1 Million Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aus den Branchen Landwirtschaft, Forstwirtschaft sowie Gartenbau brauchen einen modernen Arbeitsschutz, um in diesen Hochrisikobranchen ueberleben zu koennen. Nirgendwo anders sind die Unfallzahlen – vor allem die tödlichen Unfälle – so hoch. Deshalb brauchen wir einen paritätisch getragenen Arbeits- und Gesundheitsschutz, um die nötigen Erfolge zu organisieren.
Nochmals herzlichen Dank.
Arnd Spahn, Vorstandsvorsitzender des Spitzenverbandes der Landwirtschaftlichen Sozialversicherung und Mitglied des Vorstandes der Gartenbau-Berufsgenossenschaft


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