Donnerstag 14.07.11, 14:35 Uhr
Wie sich die Christen ihren Gott erschufen

Der Jesuswahn

Am Montag, den  18. Juli stellt Heinz-Werner Kubitza um 19:30 Uhr im Bahnhof Langendreer sein Buch vor: “Der Jesuswahn – Wie sich die Christen ihren Gott erschufen”. Im Vorwort der Buches heißt es: »Die Bibel ist das am meisten überschätzte Buch der Weltliteratur. Weil sie die grundlegenden Schriften der bislang noch größten Weltreligion enthält und in hohen Auflagen in fast allen Sprachen gedruckt wird, schreiben selbst der Kirche Fernstehende diesem Buch eine gewisse inhaltliche Qualität zu. Die Bibel profitiert von einem Klassikerkult, die auch denen Respekt abnötigt, die selbst gar keine Christen sind. Sie wird gelobt, obwohl die meisten sie kaum gelesen haben. Und geschichtliche Wirkung hat sie ja auf alle Fälle gehabt.
Doch bedeutet geschichtliche Wirkung nicht immer auch inhaltliche Qualität. Und so ist es ein hartnäckig sich haltendes Gerücht, dass die Bibel eine wertvolle Lektüre sei, dass sich in ihr nicht nur Glauben, sondern auch ein werthaftes Ethos spiegele, dass sie Orientierung und Sinnhaftigkeit vermitteln und dass sie deshalb besonders auch Heranwachsenden empfohlen werden könne.
Doch dies ist falsch oder stimmt zumindest heute nicht mehr. Wir haben es bei den Schriften des Alten und des Neuen Testaments mit antiken Texten zu tun, die mit unserer Zeit und unserer Gesellschaft nicht nur nichts mehr zu tun haben, sondern die an unzähligen Stellen elementaren Grundsätzen einer modernen und freiheitlichen Rechts- und Gesellschaftsordnung widersprechen. Viele Handlungsmuster und Prämissen der Bibel sind über weite Strecken für den heutigen Menschen nicht nur unbrauchbar geworden, die Bibel zeigt an vielen Stellen geradezu beispielhaft, wie man nicht handeln sollte. Man kann ihr daraus nicht einmal einen Vorwurf machen. Denn die Bibel ist ein Relikt aus einer anderen Zeit, Überbleibsel einer Epoche und eines Paradigmas, welches zu Recht auf den Schutthaufen der Geschichte gehört. Der Begründung dieser These sind die ersten Kapitel dieses Buches gewidmet, die den Blick freigeben auf manches Abgründige, Erschreckende und Absurde in den Heiligen Schriften der Christenheit.« Eine Veranstaltung der Initiative Religionsfrei im Revier und des Bahnhof Langendreer.

3 LeserInnenbriefe zu "Der Jesuswahn" vorhanden:

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14. Jul. 2011, 18:52 Uhr

LeserInnenbrief von discipulussenecae:

Fast immer wieder finde ich es erheiternd, wieviele Autoren nach mehr als 200 Jahren Aufklärung und Religionskritik noch der Meinung sind, endlich einmal die Wahrheit über das Christentum im Allgemeinen und die Bibel im Besonderen gefunden zu haben, und diese dem erstaunten Publikum zwischen zwei Buchdeckeln und auf ständig wiederkehrenden Podien auch mitteilen zu müssen.
Mich langweilt das nur noch; dagegen beeindrucken mich heutzutage ein aufrechter Protestant – im Sinne Martin Luthers und nicht Margot Käßmanns – oder eine überzeugte Katholikin mit vernünftigen Anfragen an Benedetto. Das sind Positionen, die im intellektuellen Diskurs aktuell nicht mehrheitsfähig sind und deshalb mehr Rückgrat erfordern, als die ewige Wiederkehr der gleichen Argumente und Polemiken.


 

15. Jul. 2011, 10:34 Uhr

LeserInnenbrief von Stormbringer:

Ja, der gemeine Gläubische (hier auch Christ genannt) fühlt sich schnell auf den Schlips getreten, so denn seine 2000 Jahre alten vermeintlichen Wahrheiten kritisch hinterfragt werden. Aber auch nach 200 Jahren Aufklärung wachsen immer neue Menschen nach, denen man in zeitgemäßer Form diese Erkenntnisse näherbringen sollte.
Wenn ein Mensch wie Luther auch heute noch große Beachtung findet, so sollte dies einen Demokraten mit „Rückrat“ aufs Äußerste empören, denn jemand von dem u.A. folgende Zitate überliefert sind sollte alles andere als eine Leitfigur sein:
„Die größte Ehre, die das Weib hat, ist allzumal, dass die Männer durch sie geboren werden.” (noch sexistischer gehts ja wohl kaum!)
“Ich will meinen treuen Rat geben.
Erstlich, dass man ihre Synagoge oder Schule mit Feuer anstecke, und was nicht verbrennen will, mit Erde überhäufe und beschütte, dass kein Mensch einen Stein oder Schlacke davon sehe ewiglich..
Zum andern, dass man auch ihre Häuser desgleichen zerbreche und zerstöre. Denn sie treiben eben dasselbige darin, was sie in ihren Schulen treiben …”
(Luther: Handbuch der Judenfrage, S. 233-238)
Leider hat uns die jüngere deutsche Geschichte gezeigt, dass es emsigste Nacheiferer gibt und diese Zitate sind keine Ausrutscher, Obrigkeitshörigkeit, Sexismus und Antisemitismus durchziehen Luthers ganzes Leben.
Bitte verschont uns und unsere Kinder mit solchen Leitfiguren!
Und welcher “Rückrat”-Träger kan “vernünftige” Fragen an jemanden stellen der für zehntausendfache Kindesmisshandlung und millionenfachen Aids-Tod (Kondomverbot) mitverantwortlich ist?


 

16. Jul. 2011, 19:14 Uhr

LeserInnenbrief von discipulussenecae:

Jaja, Frauen, Juden und Kondome: die ganze schwarz-weiße Welt der politischen Vereinfachung.
Also darf mann nicht mehr Platon oder Aristoteles lesen (frauenfeindlich)und keine Wagneropern hören (Antisemit), die gar von Furtwängler dirigiert wurden (Nazi). Und die böse katholische Kirche versucht mit ihren Sozialeinrichtungen etc. in Afrika nur von ihrer Verantwortung für den “millionenfachen Aids-Tod” (s. o.) abzulenken.
Schlicht aber korrekt. Leider ist die Welt jedoch viel komplizierter, und wohin die einfachen Antworten führen, dazu reicht ein Blick in’s Geschichtsbuch.


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