Sonntag 03.07.11, 12:30 Uhr
Welchen Sinn hat die Sammelbezeichnung 'Alternativmedien' heute?

Gottfried Oy: Welche Alternative?

Beim alternativen Medienfestival am kommenden Donnerstag, den 7. Juli in der Rotunde wird Gottfried Oy um 19.00 Uhr der Frage nachgehen: Welchen Sinn hat die Sammelbezeichnung ‘Alternativmedien’ heute? Gottfried Oy ist Soziologe und Mitherausgeber des soeben erschienenen Handbuchs der Alternativmedien. Er war Redakteur der Zeitung „links”, Mitbegründer des Onlinemagazins “com.une.farce – zeitschrift für kritik im netz & bewegung im alltag” und promovierte über die Medien- und Öffentlichkeitskritik sozialer Bewegungen. Die Themen, um die es bei seinem Vortrag und ausführlich im Handbuch geht, haben die HerausgeberInnen des Buches in ihrem Call for Papers beschrieben:

  • Macht es heute überhaupt noch Sinn von Alternativen Medien zu sprechen? Gibt es eine “Ehrenrettung” des Begriffes oder sollten sich die Sozialen Bewegungen von ihrer Gegenöffentlichkeitsnische/ ihrem -mythos verabschieden?
  • Wie nutzen heute Soziale Bewegungen Medien? Machen sie überhaupt noch eigene Medien – und wie machen sie diese – oder wollen sie viel eher “in die Zeitung kommen”, d.h. mittels professioneller PR-Methoden neben Parteien und NGO’s bestehen können? Welche politischen Konzepte und welche Praxen werden in der Medienfrage innerhalb Sozialer Bewegungen vertreten?
  • Wie haben sich die etablierten Medien verändert? Was haben sie von den Alternativen Medien übernommen und vor allen Dingen: Was haben sie daraus gemacht? Hier bestände auch die Möglichkeit für professionelle JournalistInnen, aus ihrem Berufsalltag zu berichten.
  • Was ist mit dem vielbeschworenen Medienwandel? Ist das Internet selbst ein alternatives Medium? Ziehen sich Alternative Medien im Netz nicht noch mehr in eine Nische zurück? Welche Auswirkungen hat die faktische Auflösung der Hierarchie zwischen Produzent und Rezipient im Netz?
  • Wandel der Öffentlichkeit – Wandel der Medien: Was hat sich verändert und hat eine Veränderung in diesem Bereich nicht auch was mit dem vielzitierten Ende der Alternativen Medien zu tun? Was ist politische Öffentlichkeit in den 10er Jahren?
  • Geschichte und/oder kritische Vorstellung einzelner Medien oder Mediengattungen.
  • Und was sagt schließlich die Theorie? Gibt es überhaupt noch eine Theorie der Alternativen Medien?

Näheres zum Handbuch AlternativMedien 2011/2012
Inhaltsverzeichnis und Einleitung
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4. Jul. 2011, 12:02 Uhr

LeserInnenbrief von ubu:

Alternativen haben einen Bezugspunkt. Alternativmedien, wie zb die am Festival beteiligten, sind allerdings keine Alternativen zu anderen Medien. Wenn ich in Bochum lebe und mich informieren will, was am Ort so alles geschieht, dann gibt es die WAZ und die Ruhrnachrichten mit ihren Lokalteilen. Dort erfahre ich, dass der Leerungstermin für die Restmülltonne verschoben wird, etc. Weder bochum-alternativ, noch die BSZ, noch die Ruhrbarone bieten dazu eine Alternative. Bei ihnen erfahre ich Wesentliches nicht, das für das Leben hier aber wichtig ist oder interessant. Sie wollen vermutlich auch in diesem Sinn keine Alternative zu den anderen Medien sein.
Wo ist aber dann das Alternative dieser Medien zu suchen ? Bestimmt nicht darin, dass sie noch klein und arm sind, sich mit Popkultur schmücken und den Sprung in den Presseclub noch nicht geschafft haben. Mit Sicherheit aber erhoffen sich etliche der Macher einen Aufstieg in die Liga der Gutverdiener.
Das Alternative kann nur in den Inhalten dieser Medien zu finden sein. Grob gesagt : Es gibt keine Alternative zur Zerschlagung des Kapitalismus, damit dieser Planet auch in weiter Zukunft noch von Menschen und den vielen anderen Lebewesen besiedelt sein kann. Die Stimmen all derer, die das begriffen haben, und die in irgendeiner Form an diesem Zukunftsprojekt arbeiten , sie schaffen die Inhalte alternativer Medien. Die Medien des Festivals müssen daraufhin abgeklopft werden, wie weit sie sich dieser Aufgabe stellen .


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