Montag 06.06.11, 23:59 Uhr

Nazikundgebung und Gegenaktivitäten

Die Antifa Jugend Bochum berichtet auf ihrer Webseite: »Am heutigen Nachmittag fanden sich zwischen 17 und 18 Uhr ungefähr 50 Neonazis am Bochumer Hauptbahnhof ein. Bekannte Gesichter wie Julian Engels, die Gebrüder Christoph und Matthias Drewer, Alexander Deptolla und Michael Brück aus dem Spektrum des „Nationalen Widerstandes”, die auswärtig angereist waren, Marcel Haliti als Vertreter der Essener NPD, aber auch Bochumer Nazis wie Mario Schmidt waren anwesend. In der Nähe des Kurt-Schumacher-Platzes hielten sie eine anderthalbstündige Kundgebung ab.
Anlass dafür war ein vermeintlicher „Angriff auf einen nationalen Deutschen”, der von einem Migranten im Stadtteil Langendreer mit einem Messer verletzt worden sein soll. Dieser sei letztes Wochenende mit seinem 16-jährigen Bruder unterwegs gewesen, als der Angriff stattfand.
Bei strömendem Regen begannen die Nazis gegen 18 Uhr die Kundgebung. Schnell fanden sich Antifaschist_innen zusammen, die mit einem Transparent spontan gegen die Aktion der Faschos ihren Protest kundtaten. Viele Passant_innen schlossen sich der Gegenaktion an, sodass letztlich ungefähr 15 Menschen (und ein Hund) lautstark am Protest beteiligt gewesen sind.
Die Polizei versuchte vehement den Protest der Nazigegner_innen zu schikanieren und drohte mehrmals mit Anzeigen wegen Beleidigung. Denoch wurde die Kundgebung der Nazis nicht unkommentiert gelassen und so wurde ihre Redebeiträge mit Parolen und Rufen gestört.
Denoch muss man sagen, dass heute eine neue Qualität der Naziaktionen erreicht wurde. Bisher war es üblich, dass an den Aktionen der Bochumer NPD parteieigene Akteure, meist aus Essen, Bochum und Dortmund, erschienen sind. Sei es bei den Kundgebungen der „Ruhrachse” oder bei spontanen, stümperhaften Aktionen, die von Andre Zimmer in die Wege geleitet worden sind. Die Anwesenheit von „Freien Käften” aus Dortmund, Hamm oder Unna war heute neu. Nicht mal, als letztes Jahr der NPD Landesvorsitzende Claus Cremer krankenhausreif geschlagen woden ist, waren bei der Kundgebung in Wattenscheid so viele Neonazis aus jenem Spektrum vor Ort.
Beibt die Frage offen, wie man die momentane Lage in Bochum einzuschätzen weiß und wie sie sich in den nächsten Monaten entwickeln wird. Bisher war Bochum für Nazis aus dem Spektrum der „Freien Kräfte” (zumindest nach Außen hin) unberührtes Terrain. Man hört höchstens Gerüchte von angeblichen Besuchen von Nazis aus der Nachbarstadt. Zu befürchten ist, dass die Nazis den Mythos von marodierenden Ausländergangs in Langendreer nutzen werden, um politisch daraus Kapital zu schlagen. Man darf allerdings nicht vergessen, dass die Menschen in Langendreer seit Monaten mit rechtsradikalen Gewalttaten konfrontiert sind, dies jedoch durch die Nazis nun natürlich ausgeblendet wird.
Zu bedenken sei auch, dass der sich gerade in Untersuchungshaft befindende Andre Zimmer, der in 14 Anklagepunkten vor Gericht steht, vielleicht eine Freiheitsstrafe bekommt. Dies würde den Faschos in Bochum eventuell die Möglichkeit eröffnen, Zimmer zum Helden der Bewegung zu stilisieren.
Umso wichtiger bleibt es, den Nazis keinen Raum zu bieten und ihre Aktionen nicht unkommentiert und/oder ungestört zu lassen. Wir wollen die Situation weiter imAuge behalten und uns weiterhin einmischen.«

 
 
 
 


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