Mittwoch 25.05.11, 07:00 Uhr
4. Ratschlag für ein Sozialticket

Beschämende Verhältnisse

Der 4. Ratschlag für ein Sozialticket am Montag in der Jahrhunderthalle der IG-Metall war geprägt von viel Wut und Empörung über das Verhalten der Politiker. Der DGB-Vorsitzende Michael Hermund listete in seiner Begrüßungsrede auf, was insbesondere SPD und Grüne im VRR versprochen haben und wie das Sozialticket an parteipolitische Taktierereien gescheitert ist. Die Begrüßungsrede von Michael Hermund im Wortlaut. Prof. Heinz Bontrup lieferte in einem Grundsatzreferat eine düstere Analyse unserer von Massenarbeitslosigkeit gezeichneten Gesellschaft. Ein Sozialticket könne hier nur eine minimale Korrektur der beschämenden Verhältnisse sein. Es sei aber auch keine Frage, dafür zu kämpfen, dass Menschen nicht vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen werden. VertreterInnen aus Köln, Bonn, Münster und Dortmund berichteten über die Erfahrungen mit dem Sozialticket in ihren Städten. Michael Hermund fasste zum Schluss des Ratschlages zusammen, welches die Mindestanforderungen an ein Sozialticket sind, das diesen Namen auch verdient.

3 LeserInnenbriefe zu "Beschämende Verhältnisse" vorhanden:

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25. Mai. 2011, 15:54 Uhr

LeserInnenbrief von Norbert Hermann:

Diese Meldung ist journalistisch wie politisch unzureichend. Sogar die WAZ ist besser. So wird Prof. Bontrup zitiert:

„Die Forderung nach einem Sozialticket ist eine falsche; vielmehr sollten wir die Arbeitslosigkeit beseitigen.“

„Wir brauchen Vollbeschäftigung; das geht nur durch Verknappung der Arbeit, durch radikale Verkürzung der Arbeitszeit. Wenn das gelänge, müsste niemand mehr über die Notwendigkeit eines Sozialtickets reden.“

http://www.derwesten.de/staedte/bochum/DGB-kaempft-in-Bochum-weiter-fuers-Sozialticket-id4688511.html

Im Leben eines Hartz IV-abhängige Menschen geht es um existenziellere Fragen: siehe den Todesschuss im Jobcenter Frankfurt. Das Sozialticket zum Kernthema zu machen lenkt ab von den Alltagsproblemen in und mit den ARGEn und von den Ursachen des gesamtgesellschaftlichen Elends.


 

25. Mai. 2011, 18:21 Uhr

LeserInnenbrief von Martin Budich:

Norbert Hermann war beim Referat von Heinz Bontrup noch nicht anwesend und hat nur Sätze seiner Schlusspolemik gehört. In seinem Referat hat er sich so differenziert geäußert, wie es in dem Artikel auf bo-alternativ.de steht.


 

26. Mai. 2011, 22:03 Uhr

LeserInnenbrief von H.-W. Janßen:

Ob Prof. Bontrup hier nun richtig oder “unzureichend” zitiert wurde, ist doch eher nebensächlich. Die “normative Kraft des Faktischen” gebietet hier an allen Fronten zu kämpfen.

Insofern verstehe ich Prof. Bontrups andauernde Applizierung rein auf das Metathema genauso wenig. Das eine schliesst das andere “nicht” aus. Die Verkürzung der Arbeitszeiten ist von der Realität mindestens genauso weit entfernt, wie die Forderung des Sozialtickets, als auch seine diskursverneinende Meinungen zu außerhalb des offensichtlich nicht mehr funktionierenden “Lohnarbeitsystems der 70er Jahre” (wie er selber ja in seinen Ausführungen beweist) stehenden Regulierungsmöglichkeiten unseres Sozialsystems, nämlich eines irgendwie gearteten Grundeinkommens ob nun mit, oder ohne Bedingung.

Und das angesichts der Tatsache, dass wir dieses ja bereits in einer Variante “genießen” dürfen. Allerdings eines in einer seiner bisher schlimmstmöglichen, in Form des “aktivierenden” Staates, in Form von Hartz-IV; der Fratze des gewollten und durch die Politik massgeblich mit ins Leben gerufenen und gesteuerten Stigmas der Aufhetzung der noch- und nicht mehr lohnarbeitenden Bevölkerung durch und zu sich selbst.

Und dieses “Anliegen” ist (u.A.) bei der von Prof. Bontrup als “Lösung” vorgeschlagenen Verkürzung der Lohnarbeitszeit “gänzlich” außen vor, auch wenn wir (oder gerade weil wir) an “gemeinsamen Fronten” kämpfen!

Gruß, H.-W.


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