Montag 09.05.11, 22:33 Uhr
Fragen nach Religion und Zuwanderung nach 1955:

Soziale Liste kritisiert Volkszählung

In einer Mitteilung der Sozialen Liste wird die diesjährige Volkszählung heftig kritisiert: “Weit über 10.000 Bürgerinnen und Bürger der Stadt Bochum werden ab heute in besonderer Form von der Befragung zur Volkszählung 2011 erfasst: dem Volkszähler und dem Fragebogen. (…)  Die Volkszählung insgesamt hat vier Teile:
- Die „Haushaltsbefragung“, Stichprobenerhebung von rund 10.000 Bürgern/Innen in Bochum und Wattenscheid.
- Die „Gebäudezählung“, Befragung von Besitzern von Gebäuden und Wohnungen.
- Die komplette und vollständige Erfassung von Bewohnern in sog. „sensiblen Sonderbereichen“ (Menschen in Studenten- , Behinderten- oder Altenheimen, in Frauenhäusern, Notunterkünften, Gefängnissen, Flüchtlingsunterkünften).
- Die Zusammenführung von vorhandenen Daten der Meldeämter sowie der Agentur für Arbeit zu einer neuen großen Anschrift- und Gebäudedatenbank, die seit November 2010 läuft, und alle Bürgerinnen und Bürger umfasst, ohne dass diese darüber informiert werden.
Die Soziale Liste unterstützt die Kritik an der Volkszählung. Insbesondere durch die Überprüfung der Fragebotenantworten auf „ihre Schlüssigkeit und Vollständigkeit“ besteht die Gefahr einer Schnüffelpraxis. „Durch den Abgleich der Fragebögen mit den vorhandenen der Daten der Einwohnermeldeämter, der Bundesagentur für Arbeit etc. und der Zusammenführung von Daten aller vier Teile der Volkszählung entsteht“, so die Soziale Liste, „eine neue gewaltige Datenbank.“ Die Soziale Liste kritisiert auch den Umfang und die Inhalte der 10-seitigen und 46 Fragen unfassende „Haushaltsbefragung“. Besonders problematisch sind aus unserer Sicht z. B. Fragen nach dem außerehelichen und -lebenspartnerschaftlichen Zusammenleben in einer Wohnung (Frage 10), der Zuwanderung „Ihrer Mutter / Vater nach 1955 in das heutige Gebiet der BRD“ (Frage 17-20), die Fragen nach geringen Nebentätigkeiten, wie Zeitungen austragen (Frage 31-35). Auch die Frage 40, haben „Sie etwas in den letzten vier Wochen unternommen, um Arbeit zu finden“, ist mehr als befremdlich. Entgegen der in den Medien verbreiteten Meinung, dass die Frage der Religionszugehörigkeit freiwillig sei, wird in Frage 7 abgefragt, welcher Religionsgemeinschaft der/ die Befragte angehört. Lediglich die weitergehende Frage 8 zur „Religionen, Glaubensrichtungen oder Weltanschauungen“ soll freiwillig sein. Der Inhalt der Fragen lässt außerdem den Verdacht aufkommen, es gehe bei der Volkszählung auch darum, einen Hintergrund für „eine deutsche Leitkultur“ zu bekommen. Für die Soziale Liste bestätigt sich der Eindruck, dass es hier nicht nur um eine Statistik geht, sondern auch um eine repräsentative Durchleuchtung der BürgerInnen. Die Volkszählung 2011 ist der bisherige Höhepunkt der Daten-Sammelwut des Staates.”

 
 
 
 


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