Dienstag 12.04.11, 17:25 Uhr
Mieterforum Ruhr zum geplanten Börsengang von Evonik:

Wohnungen nicht dem Markt opfern!

Der Vorstand der RAG-Stiftung hat heute beschlossen, “den Börsengang der Evonik zügig vorzubereiten, also innerhalb der nächsten 15 Monate”, wie es in einer Pressemitteilung der Stiftung heißt. Das Mieterforum Ruhr erinnert in diesem Zusammenhang daran, dass durch diese Planungen auch die Wohnungsunternehmen Evonik Immobilien GmbH und die THS Wohnen GmbH betroffen sind. Die THS (die Abkürzung stand früher für Treuhandstelle) hat in Bochum – vor allem in Dahlhausen – einige hundert Wohnungen. In einem offenen Brief an das Kuratorium der RAG Stiftung schreibt das Mieterforum: »Der Börsengang mit den Wohnungsunternehmen würde die Wohnungen in jedem Fall verstärkt Rendite- und Shareholder-Value-Interessen unterwerfen. Es ist außerdem zu befürchten, dass wesentliche Anteile an den (fusionierten) Wohnungsunternehmen unter dem Druck der Anteilseigner an Finanzinvestoren veräußert werden.
Sowohl die Erfahrungen mit Vermietern, die an der Börse notiert sind, als auch mit Wohnungsbeteiligungen von Private Equity-Fonds sind verheerend. Mietwohnungen dürfen nicht unter die Kontrolle der globalisierten Finanz- und Kapitalmärkte gelangen. Wir appellieren deshalb an Sie, die Fehler des vergangen Jahrzehntes nicht fortzusetzen! Bewahren Sie die Wohnungen und MieterInnen von Evonik und THS vor einem Schicksal wie bei GAGFAH, LEG, Annington & Co! Noch befinden sich diese vielen Wohnungen mit städtebaulich, sozial und kulturell sehr bedeutenden Beständen und Siedlungen unter der mehrheitlichen Kontrolle einer öffentlichrechtlichen Stiftung und – im Falle der THS – der IG BCE. Wir appellieren an Sie, die politische Kontrolle über die Stiftung nicht aufzugeben, sondern die Wohnungen langfristig mit öffentlicher Mehrheitsbeteiligung in öffentlichem Interesse zu bewirtschaften. Dabei entstehen durch die verlässlichen Mietzahlungen der RAG-Stiftung kontinuierlich sichere Mittelzuflüsse zur Bewältigung der Folgekosten des Bergbaus, ohne dass dafür ein anderer Teil des Steinkohleerbes und die Arbeiterwohnungskultur dem Markt geopfert werden muss. Sollten Sie einen Börsengang von Evonik Industries für unvermeidlich halten, erwarten wir, dass dies nicht geschieht, bevor die Wohnungsbeteiligungen aus dem Konzern herausgelöst sind und von einem öffentlichen Eigner, z.B. der RAG Stiftung, direkt gehalten werden.«

 
 
 
 


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