Freitag 25.03.11, 16:14 Uhr

Initiative Bochum atomstromfrei

Die Initiative “Bochum atomstromfrei” hat heute den Aufruf für ein atomstromfreies Bochum vorgestellt. Der Aufruf richtet sich an die Stadtwerke Bochum, die politischen Entscheidungsträger in Bochum sowie an die KundInnen der Stadtwerke. In dem Aufruf heißt es u. a.: »Es ist unglaubwürdig, wenn in Bochum die Abschaltung aller Atomanlagen gefordert wird, andererseits aber wohlwollend in Kauf genommen wird, dass die Stadtwerke Bochum – gänzlich in kommunalem Eigentum – weiterhin von dem Betrieb der Atomkraftwerke profitieren. Der Atomausstieg wird nicht nur in Berlin gemacht, sondern in jeder Stadt, die über eigene Stadtwerke verfügt – oder eben auch nicht!

Die Stadtwerke Bochum halten einen 1,5 prozentigen Anteil an RWE, dem zweitgrößten Atomkraftwerksbetreiber in Deutschland. Daraus fließen den Stadtwerken jährlich 23 Millionen Euro an Dividende zu. Darüber hinaus beziehen die Stadtwerke nach eigenen Angaben 21,7 Prozent ihres Stroms aus Atomenergie. Außerdem haben sie – im Konsortium mit anderen Stadtwerken – kürzlich die Steag übernommen, die am Zwischenlager Ahaus und einem russischen Atomhafen beteiligt ist. Hier ist allerdings der Ausstieg beschlossen.
Wir fordern die Stadtwerke Bochum auf,
* unverzüglich ihre Beteiligung an dem Atomkonzern RWE aufzugeben und ihre Aktienanteile zu verkaufen;
* dafür zu sorgen, dass die Atomsparte der Steag auch wirklich und zeitnah beendet wird;
* den Bezug von Atomstrom sofort zu reduzieren und so schnell wie möglich auf Null zu bringen.
Wir fordern die politischen Entscheidungsträger der Stadt Bochum auf,
* ihren Einfluss auf die Stadtwerke unverzüglich in diesem Sinne zu nutzen.
Wir fordern die KundInnen der Stadtwerke auf,
* ihren Stromlieferanten durch Anrufe, Briefe, Faxe oder Mails zu einer atomstromfreien Energielieferung aufzufordern;
* zu einem atomstromfreien Stromanbieter zu wechseln, solange die Stadtwerke ihre indirekte Atomenergiepolitik fortsetzen. Motto: „Auf Wiedersehen, wenn Bochums Netz atomstromfrei und in absehbarer Zeit auch CO2- frei ist!” (Siehe dazu: www.atomausstieg-selber-machen.de/ )
Wir halten grundsätzlich Stadtwerke für einen Grundpfeiler der kommunalen Daseinsvorsorge.
Energiepolitik muss heute aber mehr leisten als Bürgernähe und attraktive Preise: CO2-Reduzierung zum Zwecke des Klimaschutzes und eine Befreiung vom „atomaren Restrisiko” sind Mindestforderungen, ohne die auch Energieunternehmen in kommunaler Hand nicht unterstützenswert sind.«
Der Aufruf im Wortlaut.

1 LeserInnenbrief zu "Initiative Bochum atomstromfrei" vorhanden:

LeserInnenbrief(e) zu "Initiative Bochum atomstromfrei" als RSS


 

25. Mrz. 2011, 20:58 Uhr

LeserInnenbrief von Andreas Seier:

Wenn man sich die Webseiten des Unternehmensbereich der Evonik Energy Services GmbH genauer ansieht, wird deutlich, dass diese zu Steag gehörende Gesellschaft nicht nur Anteile an Ahaus und und einem russ. Atomhafen hat, sondern noch viel tiefer in der Atomindustrie mit drin steckt! Dort liest man:

“Energy Services GmbH, gegründet vor mehr als 30 Jahren als STEAG Kernenergie GmbH, erbringt Planungs-, Dienst- und Beratungsleistungen, entwickelt und liefert Systeme und Komponenten und wird als Generalingenieur oder Generalunternehmer tätig. Unsere Erfahrung und Fachkenntnis resultieren aus der Vielzahl der durchgeführten Projekte und der konsequenten Aus- und Weiterbildung unserer Mitarbeiter.”

Dieser Steag-Unternehmensteil verdient nicht nur mit Anteilen an Atomanlagen Geld, sondern liefert div. Dienstleistungen für Kernkraftwerksbetreiber: Planung, Beratung, Dienstleitung, Ingenieure, Generalunternehmer, Bau, Abriss, Mitarbeiterbildung, Mitarbeiterbeschaffung, Dokumentation, Überwachung. Steag steckt also viel tiefer im Atomsumpf mit drin, als uns (der Parteibasis) bei dem Deal verkauf worden ist – auch wenn Steag dann nicht die Anlagen gehören, an denen sie verdienen.


Terminmitteilungen bitte an
redaktion@bo-alternativ.de