Montag 07.02.11, 19:35 Uhr
Neue interkulturelle Sau wird durchs Dorf getrieben

Zukunftsakademie NRW in Bochum

Auf der heutigen Pressekonferenz, zu der die Stadt Bochum, das Schauspielhaus, die Mercator-Stiftung und das NRW Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport eingeladen hatte, wurde die Katze offiziell aus dem Sack gelassen, um sie jetzt ganz interkulturell als Sau durchs Bochumer Dorf und NRW treiben zu können. Vor den zahlreich erschienenen und gespannt lauschenden MedienvertreterInnen wurde hochoffiziell verkündet, was bereits seit Monaten hinter vorgehaltener Hand in den so genannten „einschlägigen Kreisen“ getuschelt wurde: Es wird eine Zukunftsakademie NRW gegründet, Bochum wird deren „Sitzkommune“ (Ute Schäfer, NRW-Ministerin) sein. Die Zukunftsakademie wird eine eigene Rechtsform erhalten (Verein mit Kuratorium etc), sie ist vorerst auf drei Jahre projektiert, das Land NRW wird sich jährlich mit € 250.000 beteiligen, die Essener Mercator-Stiftung mit € 400.000. Die Stadt wird die Räumlichkeiten zur Verfügung stellen – es stehen bereits drei Standorte im hochkreativen Viktoriaviertel zur Auswahl, das Schauspielhaus will den geistigen „Steigbügelhalter“ (O-Ton Anselm Weber) für dieses Experiment mimen. Die Zukunftsakademie ist ab sofort in Gründung, es sollen in der nächsten Zeit ca sechs Stellen ausgeschrieben und besetzt werden, u.a. für die Schwerpunkte „Labor, Praxis und Qualifizierung“. Die Akademie soll „regionale Entwicklungs- und Bildungsprozesse interdisziplinär und im Medium der Künste“ bearbeiten. Viel wurde von den Offiziellen der Pressekonferenz (Anselm Weber, Ute Schäfer, Bernhard Lorentz (Mercator) und Ottilie Scholz) von Interkultur und einer Abkehr vom Top-Down-Prinzip gesprochen. „Aktuelle Partnerschaften und offene Zusammenarbeit mit den TrägerInnen der freien Szene in NRW “ sind angeblich fester Bestandteil des Konzepts. Gearbeitet soll hierbei auch mit einem neuen Kulturbegriff, der eben nicht dem der herrschenden „Hochkultur“ entspricht. Aber warum dann gerade die elitäre Mercator-Stiftung, die in Bochum bisher nur durch die Förderung des RUB-Projektes „Evangelische Kirche im Entscheidungsjahr 1933/1934. Der Weg nach Barmen“ in Erscheinung getreten ist und das Bochumer Schauspielhaus – neben den BoSys die traditionelle Institution für hoch kulturelle Bochumer Kunstgenüsse – mit dieser Aufgabe betraut werden, bleibt dem verwunderten Betrachter verborgen. Und warum weder die TrägerInnen der freien Szene noch der Bochumer Kulturausschuss bis zum letzten Freitag nicht in die offensichtlich seit längerem laufenden Planungen einbezogen wurden, stellt mehr als ein Kommunikationsfehler dar – es ist ein schwerwiegender Makel, der diesem neuen Hätschelkind der Großkopferten von Beginn an anhaften wird.
Die offizielle Beschreibung der Zukunftsakademie.
Der Bericht des Presseamtes der Stadt Bochum über die heutige Pressekonferenz.

 
 
 
 


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