Mittwoch 24.11.10, 15:28 Uhr

Blackbox Abschiebung in der Kaffeebar

Zum deutschen Alltag gehört auch die Abschiebung von unerwünschten EinwandererInnen. Jedes Jahr verlassen Deutschland etwa 10.000 Menschen unfreiwillig. Die „Blackbox Abschiebung”, eine Medieninstallation des Dokumentarfilmers Ralf Jesse als Teil des MELEZFestivals der Ruhr.2010, macht das Phänomen an öffentlichen Orten sichtbar. Bis Donnerstag, 9. Dezember, steht sie in der AKAFÖ-Kaffeebar im Mensafoyer der Ruhr-Universität. In der Ankündigung für die Blackbox schreibt das AKAFÖ: “Wer sind die Abgeschobenen? Auf welche Reise werden sie geschickt? Mit ihrer Ausweisung verschwinden die Schicksale dieser Menschen aus unserem Blickfeld. Neun Personen, die von Abschiebung bedroht sind oder abgeschoben wurden, erzählen in der Installation in der Kaffeebar ihre Geschichten.
In Videointerviews und Digitalkamera-Aufnahmen, mit denen sie ihre Reise und die Ankunft im Aufnahmeland selbst dokumentiert haben.
In der Blackbox findet sich ein rudimentäres Wohnzimmer aus Gebrauchtmöbeln – und ein Fernsehgerät. Die Sofagruppe könnte das provisorische Zuhause eben der Abgeschobenen sein, die sich in dem Augenblick, in dem der Zuschauer das Ausstellungs-Set betritt, nur noch über den Bildschirm äußern können. Das Programm, das auf diesem Fernseher läuft, ermöglicht Einblicke in Lebenssituationen, die in Deutschland oft im Verborgenen bleiben, weil sie von Illegalisierung oder unsicherer Duldung geprägt sind. Und in den Ländern, in die die Abschiebung führt, weil sie aus unserem Blickfeld verschwinden.
Aus der “Blackbox Abschiebung” finden selten Bilder zurück nach Deutschland. Die Installation zeigt auf, welche Umstände, Zufälle, Entscheidungen und Schicksale Zuwanderer in unser Land gebracht haben, welche Erlebnisse ihre Wahrnehmung von Deutschland prägten und was sie mitnehmen in das Land, in das sie gebracht werden – und das ihnen häufig fremd geworden ist. Einige Abgeschobene betreten ihre “Heimat” nach der Ausweisung auch zum allerersten Mal. Sie sind in Deutschland geboren und aufgewachsen.
Seit Oktober tourt die Installation durch das Ruhrgebiet und wächst unterdessen weiter – neue Nachrichten, Fotos und Videos von den Abgeschobenen werden laufend eingearbeitet. Nach den Stationen Theater Oberhausen, FH Dortmund und Schlosstheater Moers ist die Blackbox Abschiebung nun neben der Station in der Ruhr-Universität auch in Mülheim und Essen zu sehen.
In der AKAFÖ-Kaffeebar im Mensafoyer ist die Blackbox Abschiebung zu den regulären Öffnungszeiten begehbar: montags – donnerstags von 8 bis 20 Uhr und freitags von 8 bis 18 Uhr.”

 
 
 
 


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