Freitag 19.11.10, 15:16 Uhr
Bericht über die zivilen Opfer im Afghanistan Krieg

Den Opfern ein Gesicht geben

Auf Einladung des Bochumer Friedensplenums und der Bundestagsabgeordneten der Linksfraktion Sevim Dagdelen fand gestern Abend ein Veranstaltung  mit Christine Buchholz ebenfalls Mitglied der Linksfraktion im Bahnhof Langendreer statt. Sie berichtete über ihre Eindrücke bei ihrer Reise nach Afghanistan. Buchholz reiste im Frühjahr 2010 nach Kunduz, um mit den Hinterbliebenen und Opfern des NATO-Bombenangriffs auf zwei Tanklaster am 4. September 2009 zu sprechen, der auf Befehl des deutschen Oberst Klein ausgeführt wurde. Das Bombardement der NATO tötete bis zu 142 Menschen. Buchholz berichtete eindringlich von dem Schicksal der Opfer und Hinterbliebenen.
So erzählte sie unter anderem von dem 26 jährigen Nur Dschan, dem beim Bombenangriff ein Arm abgerissen wurde und der seit einer notdürftigen Operation täglich unter starken Schmerzen leidet. Trotz der medizinischen Möglichkeiten im Bundeswehr-Lazarett werden ihm eine nötige Folgeoperation oder zumindest Schmerzmittel vorenthalten. Auch berichtete sie von Leila, die zwei Söhne (13 und 15 Jahre) bei dem Bombardement verloren hat. Die Söhne haben das Feld von Leila bestellt und sich um die einzige Kuh der Familie gekümmert. Heute muss Leila diese Arbeiten zusätzlich erledigen, um sich und ihre fünf weiteren Kinder zu ernähren. Sie ist seitdem auf Leihgaben von Verwandten angewiesen und lebt in bitterer Armut: “Wenn es mittags Kartoffeln gibt, gibt es Abends nur Brot”, erzählte sie Buchholz.
Dieses und weitere Beispiele von zivilen Opfern gaben dem steril gehaltenen Bild über den Afghanistan-Krieg in den Medien konkrete Gesichter, die in der sonstigen Berichterstattung über den Krieg allzu oft verschwiegen werden. Es schloss sich eine rege Diskussion zwischen den Besuchern des Vortrages und den beiden Bundestagsabgeordneten an. Diskutiert wurden unter anderem die Notwendigkeit eines Truppenabzuges aus Afghanistan, die Rolle der afghanischen Polizei in den Kriegshandlungen und die Probleme bei der Einbindung von Entwicklungshilfe in Militärstrategien. Die Veranstaltung fand im Rahmen einer von Sevim Dagdelen und dem Friedensplenum Bochum gemeinsam präsentierten Foto-Ausstellung im Bahnhof Langendreer statt.

 
 
 
 


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