Dienstag 02.11.10, 17:49 Uhr

Gedenken an die Reichspogromnacht

Die Gedenkveranstaltung zum 72. Jahrestag der Reichspogromnacht findet am 09. November um 17.00 Uhr neben der Stele am Dr. Ruer-Platz statt. Der Bochumer Kinder- und Jugendring schreibt dazu:  Am 09. November 1938 wurden in ganz Deutschland Synagogen und Gebetshäuser angezündet, wurden jüdische Geschäfte und Wohnungen geplündert, gab es zahlreiche Verhaftungen Unschuldiger und es wurden Menschen ermordet. Die Nazis ließen ihrem Hass auf Juden – auch in Bochum – für alle sichtbar freien Lauf und zerstörten die alte Synagoge. Diese Nacht war das Signal zum größten und schlimmsten Völkermord in der Geschichte der Menschheit.

Die Reichspogromnacht am 09. November 1938 führte der Weltöffentlichkeit drastisch vor Augen, dass Juden in Deutschland brutal verfolgt wurden.
In Bochum und in vielen anderen Städten in Deutschland wird mit den alljährlichen Gedenkveranstaltungen dafür Sorge getragen, dass die traurigen Ereignisse im Nationalsozialismus nicht in Vergessenheit geraten und für die Zukunft mahnen. Die zentrale Gedenkveranstaltung beginnt um 17.00 Uhr an den Stelen (Harmoniestraße / Ecke Dr. -Ruer-Platz).
Die Bochumer Juden waren keine homogene Gruppe. Was sie einte, war ihr Selbstverständnis als Deutsche jüdischen Glaubens. Ansonsten fühlten sie sich der gesellschaftlichen Schicht zugehörig, die ihrem Beruf und ihrem Bildungsstand entsprach. Sie wohnten auch in den entsprechenden Stadtvierteln: Die Kaufleute wohnten in der Altstadt, da, wo alle Kaufleute lebten; entsprechend wohnten die jüdischen Akademiker im Viertel Bergstraße / Stadtpark, das jüdische Kleinbürgertum im Ehrenfeld, die sogenannten Ostjuden und die jüdischen Arbeiter bzw. Kleingewerbetreibenden am Moltkemarkt (dem heutigen Springerplatz). Die sozialen Kontakte wurden nicht vorrangig durch die Religion bestimmt, sondern durch die gesellschaftliche Stellung. So hatte die jüdische Oberschicht kaum Kontakte zu den am Moltkemarkt lebenden Glaubensgenossen, wohl aber zur nichtjüdischen Oberschicht am Stadtpark.
Die in der Gegend um den Moltkemarkt lebenden Juden standen bisher nicht im Zentrum des öffentlichen Interesses. An sie soll in diesem Jahr erinnert werden.
Christine Eiselen (Schulverwaltungsamt) informiert zusammen mit Teilnehmenden eines Schulabschlusslehrgangs der VHS über das jüdische Leben am Moltkemarkt.
Grußworte werden die Oberbürgermeisterin Dr. Ottilie Scholz und der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Grigory Rabinovich sprechen.
Die Gedenkveranstaltung wird vom Chor der IG Metall Bochum „Chorrosion” musikalisch begleitet.
Die Gedenkveranstaltung zum 09. November wird in Kooperation vom Arbeitskreis „09. November” und vom Kinder- und Jugendring Bochum durchgeführt.
Am 09. November 2010 finden in Bochum weitere Veranstaltungen statt, um den 72. Jahrestag der Reichspogromnacht angemessen zu begehen.
Unter der Leitung von Dr. Hubert Schneider (Verein Erinnern für die Zukunft) und von Klaus Kunold (VVN-BdA) werden um 15.00 Uhr zwei Rundgänge zu den „Stolpersteinen” durchgeführt, die in den vergangenen Jahren in Bochum verlegt worden sind. Der Treffpunkt mit Klaus Kunold ist vor dem Schauspielhaus und der Treffpunkt mit Dr. Hubert Schneider ist an den Stelen (Harmoniestraße / Dr.-Ruer-Platz).
Nach dem Ende der zentralen Gedenkveranstaltung besteht um 18.30 Uhr die Möglichkeit, die neue Synagoge zu besichtigen.

 
 
 
 


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