Donnerstag 14.10.10, 12:00 Uhr

DGB: Explosion prekärer Beschäftigung

„Beliebig einsetzbar, beliebig bezahlbar, beliebig kündbar” dies trifft leider auf immer mehr Beschäftigte zu, meint der DGB. Die Zahl der schlecht bezahlten Jobs habe in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Die Ausweitung des Niedriglohnsektors habe dazu geführt, dass immer mehr Menschen trotz Arbeit in Armut leben müssen. Für eines der reichsten Länder der Welt sei dies eine Bankrotterklärung! Die Liberalisierung des Arbeitsmarktes habe in Bochum zu einer deutlichen Absenkung der unteren Löhne, wachsender sozialer Ungleichheit und zum rasanten Anstieg atypischer Beschäftigung geführt. „Nutznießer sind Unternehmen, die reguläre Beschäftigung abbauen und durch prekäre Arbeitsverhältnisse ersetzen. Gewinnmaximierung auf Kosten der Beschäftigten. Immer mehr Firmen halten Lohndrückerei für ein Geschäftsmodell, anstatt mit Innovationen zu glänzen, ” meint DGB Regionsvorsitzender Michael Hermund.
Der Niedriglohnsektor ist hierzulande so stark gewachsen wie in kaum einem anderen Industriestaat und erreicht nach Angaben des Statistischen Bundesamtes mit 21 % fast US-amerikanische Verhältnisse. 40.000 Beschäftigte arbeiten in Bochum für Löhne unterhalb der Niedriglohnschwelle von 9,50 Euro. Das sind 30 % mehr als vor 10 Jahren, hat der DGB errechnet. Die Spirale der Armut mache keineswegs vor Qualifizierten halt. Der Anteil der Niedriglohnbeschäftigten mit abgeschlossener Berufsausbildung oder Studium betrage ca. 80 %. Zugleich hätten Geringverdiener die schlechtesten Aufstiegschancen. „Einmal Niedriglöhner, immer Niedriglöhner. Und diese Schieflage wird vom Staat mit vielen Milliarden Euro gefördert. 6.400 Menschen in Bochum müssen ihr Einkommen derzeit durch ergänzende staatliche Transferzahlungen aufstocken, bundesweit sind es 1,24 Millionen. Somit subventioniert der Steuerzahler unfreiwillig die Lohndrückerei der Unternehmen, ” schimpft Hermund.
Niedriglöhne seien verantwortlich für die klammen Kassen der Kranken- und Rentenversicherung. Die Entwicklung der Löhne spielt für das Rentensystem eine entscheidende Rolle. Einerseits bilden sie die Grundlage der aktuellen Renten. Anderseits werden dadurch spätere Rentenansprüche taxiert. Den Betroffenen drohe somit später Altersarmut.
„Der Niedriglohnsektor muss aus ausgetrocknet werden. Ein erster Schritt wäre die Einführung gesetzlicher Mindestlöhne. Sie sind das beste Mittel gegen Dumpinglöhne und Armut. Deshalb werden wir in den nächsten Wochen aktiv werden. Wir brauchen einen Kurswechsel,” so der DGB Vorsitzende.

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2. Nov. 2010, 06:04 Uhr

LeserInnenbrief von buch leser:

Die amerikanische Gesellschaft bricht auseinander: Millionen Bürger haben durch die Rezession ihren Job verloren und verarmen, unter ihnen viele Mittelschichtfamilien. Ich hoffe doch sehr, dass die amerikanischen Menschen nicht den Mut verlieren, denn immerhin ist Amerika die führende Nation und eine der grössten Wirtschaftsmachten auf dem Globus. Auch unser Wohl und Wehe als Exportnation hängt daran. Es wäre auch für uns schlimm, wenn Amerika nicht auf die Beine käme.


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