Freitag 08.10.10, 09:00 Uhr

ADFC: Der Teufel steckt im Detail

Der ADFC schreibt: »Eine Woche nach vielen schönen Worten auf dem Symposium „Radfahren in Bochum, aber sicher“ gibt Bochum eine Kreuzung für den Verkehr frei, die vor allem eins zeigt: wie man es nicht machen darf. Radfahrer müssen hier auf wenigen Metern vier Ampeln beachten, von denen jede einzeln geschaltet ist. Das zwingt die Radfahrer zum Stopp and Go mit langen Wartephasen dazwischen, während Autofahrer freie Fahrt haben. Die langen Wartezeiten führen dazu, dass Radfahrer vermehrt bei Rot fahren. Kommt es dann zu einem Unfall, gibt die Polizei dem Radfahrer die Schuld. So wird das Opfer in der Unfallstatistik zum Täter. Die Straßenverkehrsordnung schreibt vor: “Die Verkehrsregelung an Kreuzungen und Einmündungen soll so sein, dass es für den Verkehrsteilnehmer möglichst einfach ist, sich richtig zu verhalten. Es dient der Sicherheit, wenn die Regelung dem natürlichen Verhalten des Verkehrsteilnehmers entspricht.” Diese elementare Bedingung wird hier mit Füßen getreten. Die Straßenverkehrsordnung sagt weiter: “Die Flüssigkeit des Verkehrs ist mit den zur Verfügung stehenden Mitteln zu erhalten. Dabei geht die Verkehrssicherheit aller Verkehrsteilnehmer der Flüssigkeit des Verkehrs vor.” Diese Anforderung wird an der Herner Straße nicht erfüllt. Die Flüssigkeit des Radverkehrs ist nicht gegeben. Gleichzeitig wird die Verkehrssicherheit des Radverkehrs eingeschränkt. Sind Flüssigkeit und Verkehrssicherheit des Radverkehrs ungenügend, ist die gesamte Kreuzung ungenügend. Eine Kette ist nur so stark, wie ihr schwächstes Glied. Neben den Radfahrern sind auch die Fußgänger Opfer der ungenügenden Planung.
Die StVO sagt: “Benutzungspflichtige Radwege dürfen nur angeordnet werden, wenn ausreichende Flächen für den Fußgängerverkehr zur Verfügung stehen.” Diese Bedingung ist nicht erfüllt. Insbesondere in Fahrtrichtung Bochum ist unter der Autobahnbrücke die Breite des Gehwegs ungenügend. Auf dem Bochumer Symposium hat Herr Kaulen an einem Aachener Beispiel gezeigt, wie man Kreuzungen fahrradfreundlich gestaltet. Eine Woche später eröffnet die Stadt Bochum eine Kreuzung, die man gleich wieder umbauen muss. Die Kreuzung an der Herner Straße atmet den Geist der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts, nur hübscher dekoriert, und träumt immer noch den Traum von der autogerechten Stadt. So kann sich Bochum nicht bei der Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Städte (AGFS) bewerben. Es besteht Handlungsbedarf.«

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9. Okt. 2010, 02:20 Uhr

LeserInnenbrief von Alltagsradfahrer:

Mir ist die Stelle an der A43 schon vor Monaten bei den Bauarbeiten aufgefallen. Der Radverkehr wird auf den Gehweg geführt und von der Fahrbahn weggeschwenkt und darf den abbiegenden Autoverkehr vorlassen, der von der Autobahn auf, bzw. abfährt.

Schon bei den Bauarbeiten auf der Herner Straße war die Verbindung von Bochum nach Herne über die Herner Straße quasi unmöglich: Die Nutzung der Fahrbahn war durch Zeichen 254 für Fahrräder verboten. Die provisorischen FußgängerInnenwege waren für RadfahrerInnen nicht freigegeben. Eine Alternativroute gab es nicht (und konnte somit auch nicht ausgeschildert werden). Die grünen VerkehrspolitikerInnen in Bochum müssen schon ziemlich unter der Sachzwängeerkrankung leiden! Oder sind die B90/Grünen in Bochum nocht nicht lange genug an der Regierung, um sich in einem ihrer zentralen Politikfeldern durch zu setzen?

Und ein Tip an Verwaltung und Stadtratsmehrheit: Eine radfreundliche Verkehrsführung kostet noch nicht einmal mehr Geld, wenn eine Straße sowieso rund erneuert wird.

Aber auch die linke Opposition im Rat scheint eine fahrradfreundliche Verkehrspolitik nicht wirklich zu interessieren. Jedenfalls habe ich als Bürger, der die Meldungen der Linken und Sozialen Liste in Bochum verfolgt, es nicht wahrgenommen, das diese auf die Fehlplanung an einer wichtigsten Verkehrsachsen in Bochum öffentlich hingewiesen haben.


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