Mittwoch 07.07.10, 22:00 Uhr

Kritik der Politik als Politikwissenschaft

Am Donnerstag, den 8. Juli lädt die kommunistische Gruppe Bochum um 20.00 Uhr zu einer Veranstaltung ins Soziale Zentrum ein. Das Thema: “Kritik der Politik als Politikwissenschaft? Zur materialistischen Staatstheorie von Johannes Agnoli und den Chancen einer kategorialen Marxrezeption”. Referent ist  Jan Schlemermeyer aus Frankfurt am Main. In der Ankündigung heißt es: »In den aktuellen Debatten der materialistischen Staatstheorie sind die Überlegungen von Johannes Agnoli kaum noch Thema. Wenn überhaupt, wird auf seine Zeitdiagnose „Die Transformation der Demokratie” verwiesen, eine Auseinandersetzung mit seinem weitergehenden staatstheoretischen Konzept bleibt jedoch aus. Im Gegensatz zu den breit rezipierten, hegemonietheoretischen Überlegungen von beispielsweise Nicos Poulantzas scheint Agnolis Ansatz einer „Kritik der Politik” (Agnoli) ungeeignet für eine Analyse der aktuellen Transformationsprozesse (demokratischer) Staatlichkeit zu sein. Ein Grund dafür dürfte sein, dass er im Verdacht steht, ein – wenngleich bemerkenswert wortgewaltiges – Anhängsel der Staatsableitungsdebatte der 1970er Jahre zu sein und deren Funktionalismus zu teilen. Darüber hinaus hat Agnoli sich aber auch selbst nie besonders darum bemüht, seine Arbeiten für wissenschaftliche Debatten aufzubereiten.
Gleichwohl lassen sich seine Überlegungen für die aktuellen Herausforderungen nutzbar machen. Eine Systematisierung von Agnolis Überlegungen verweist dabei nicht nur auf Widersprüche und blinde Flecken bei Agnoli selbst, sondern vielmehr auch auf die ungeklärten Fragen einer materialistischen Gesellschaftstheorie als Ganzer. Denn sie erfordert, insofern sie die bekannte Gegenüberstellung von Funktionalismus und Handlungstheorie nicht einfach wiederholen will,eine Reformulierung wesenlicher Kategorien der Kapitalismuskritik. Im Vortrag soll in diesem Sinne auf der Grundlage wertkritischer Überlegungen (u.a. von Moishe Postone) ein mögliches Konzept der Transformation demokratischer Staatlichkeit skizziert werden. Die kapitalistische Gesellschaft ist demnach entlang des immer zugleich politischen und ökonomischen Prozess ihrer Reproduktion, dem Veränderung nicht entgegengesetzt, sondern vielmehr immanent ist, zu analysieren.
Diskutiert werden soll, inwiefern sich mit diesem Ansatz die älteren und neueren Veränderungen demokratischer Staatlichkeit begreifen lassen und was das für die Praxis heissen könnte.«

 
 
 
 


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