Mittwoch 19.05.10, 22:00 Uhr
Warum ein Radfahrer auf der Wasserstraße schwer verunglückte

Achtung: Radweg! Lebensgefahr!

Klaus Kuliga von ADFC Bochum weist auf einen Unfall an der Wasserstraße in Höhe der Hausnummer 304 (Foto rechts) hin: “Hier verunglückte am 17. Mai 2010 ein Radfahrer. Er erlitt einen Schädelbruch und Gehirnblutungen. Der Radfahrer ist bei dem Versuch, im Bereich der abgesenkten Bordsteinkante von der Fahrbahn auf den Radweg zu wechseln, gestürzt und hat sich schwer verletzt. Sonstige Beteiligte: Keine. Unfallursache: Radweg. Der Radweg beginnt erst kurz vor der Unfallstelle (Foto links), endet wenig später wieder und ist aus gutem Grund nicht als benutzungspflichtig ausgewiesen: Der Radweg ist nicht verkehrssicher. Die Piktogramme auf dem Radweg sind erst vor kurzem erneuert worden. Sie richten sich primär an Autofahrer und sollen sicherstellen, dass auf dem Radweg nicht geparkt wird. Ohne Piktogramme sähe der Radweg aus wie einer der vielen Parkstreifen, die früher einmal Radwege waren.
Warum hier?
Warum wollte der Radfahrer erst hier auf den Radweg wechseln und nicht schon an der Einmündung Drusenbergstraße, wo der Radweg beginnt? Vermutlich hat der den Radweganfang nicht rechtzeitig als solchen erkannt. Das ist kein Wunder, denn der Radweganfang ist nicht baulich ausgeführt und als solcher im Bereich der Einmündung Drusenbergstraße kaum erkennbar und befahrbar.
Oder der Radfahrer hat gesehen, dass der Radweg unmittelbar nach dem Anfang von einer neuen Bushaltestelle unterbrochen wird.
Theoretisch könnte man die Bushaltestelle hintenherum umfahren (Foto rechts), das aber ist für den Radfahrer nicht erkennbar und außerordentlich schwierig und gefährlich, weil der neu gepflasterte Radweg im Bereich der Bushaltstelle baulich völlig ungenügend an den alten Radweg angebunden ist.
Die auf dem Gehweg – unmittelbar an der Radwegkante – geparkten Autos bilden zusätzlich eine erhebliche Gefahr. Andererseits nötigen die gut sichtbaren, wiederholt angebrachten Piktogramme moralisch, den vorhanden Radweg auch zu benutzen.

Andere Radwege?
Die meisten Radfahrer in Bochum sind wahrscheinlich nicht in der Lage, einen benutzungspflichtigen Radweg auf den ersten Blick von einem „anderen” Radweg zu unterscheiden. Wer einen anderen” Radweg benutzt, begibt sich in Lebensgefahr, denn der „andere” Radweg hat erhebliche Mängel, die eine Ausschilderung verbieten. Wäre der Radweg ordnungsgemäß und verkehrssicher im Sinne der StVO, wäre er auch ausgeschildert und somit benutzungspflichtig. Mangelhafte Radwege dürfen nicht ausgeschildert werden. Andererseits gilt die Verkehrssicherungspflicht der Stadt Bochum auch für „andere”, nicht benutzungspflichtige Radwege – aber auf einem niedrigeren Anspruchsniveau. Wer einen „anderen” Radweg benutzt, muss damit rechnen, dass der Radweg bei wenig mehr als Schrittgeschwindigkeit nicht mehr verkehrssicher ist. Sonst begibt man sich in Lebensgefahr!

Dieser Radweg an der Wasserstraße war im Rahmen der Verkehrsschau im Herbst 2009 Gegenstand ausführlicher Diskussion. Durch einfache Sofortmaßnahmen, wie erneuerte Markierung oder geänderte Beschilderung, ist dieser Radweg nicht verkehrssicher zu machen. Andererseits bleibt er so lange ein „anderer” Radweg, bis er durch Neubau des Gehweges baulich entfernt wird. Ein Dilemma.
Was sollten Radfahrer in Bochum tun?
Meiden Sie Radwege, so oft es geht! Auf der Fahrbahn sind Sie in aller Regel sicherer. Selbst wenn Sie einen Radweg benutzen müssen, weil er ausgeschildert ist, rechnen Sie mit dem Schlimmsten. Die Ausschilderung garantiert keineswegs, dass der Radweg verkehrssicher ist. Die Stadt Bochum muss wahrscheinlich an 90% der ausgeschilderten Radwege die Schilder entfernen, um der StVO Genüge zu tun. Hier rächt sich die jahrzehntelange Missachtung des Radverkehrs durch die Stadt Bochum. Bochum ist nicht fahrradfreundlich. Schlimmer noch: Bochum will gar nicht fahrradfreundlich sein. Es besteht Handlungsbedarf. Unfälle von Radfahrern dürfen nicht von Radwegen verursacht werden.”

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19. Mai. 2010, 23:36 Uhr

LeserInnenbrief von Michael:

Vielen Dank an den ADFC für die kontinuierliche hier auftauchende Öffentlichkeitsarbeit. Man mag den Unfall für einen bedauerlichen Einzelfall halten, aber er ist, und deswegen finde ich diesen Beitrag so wichtig, zwangsläufige Folge der totalen Ignoranz der Stadt gegenüber den RadfahrerInnen.


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